Biathlon: Nawrath knapp an Medaille vorbei - Botn siegt mit emotionalem Gedenken
Im ersten Einzelrennen der Biathlon-Saison in Antholz zeigte Philipp Nawrath eine starke Leistung, verpasste jedoch knapp eine Medaille. Der 32-Jährige aus dem Allgäu gab im Kampf um seine zweite Medaille nach Bronze mit der Mixed-Staffel alles und fiel nach dem kräftezehrenden Rennen über 20 Kilometer völlig ausgepumpt in den Schnee. Trotz einer famosen Leistung mit nur einem Schießfehler reichte es für Rang fünf nicht zum ersehnten olympischen Einzelerfolg.
Ein Fehler entscheidet über das Podium
Philipp Nawrath, der sonst immer wieder mit Schießproblemen zu kämpfen hat, leistete sich im Einzelrennen lediglich einen Fehler. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen gibt es im Einzel keine Strafrunde, sondern eine Strafminute pro Fehlschuss. Diese Strafminute war am Ende entscheidend: Wäre Nawrath fehlerfrei geblieben, hätte es in Antholz zu Rang drei und damit zur Bronzemedaille gereicht. Dennoch kann der Deutsche auf dieser starken Leistung aufbauen und Selbstvertrauen für die kommenden Rennen schöpfen.
Emotionaler Olympiasieg für Johan-Olav Botn
Die emotionalste Geschichte des Rennens lieferte der Norweger Johan-Olav Botn. Nach dem Zieleinlauf blickte der neue Olympiasieger gen Himmel und streckte den Finger nach oben – eine Geste, mit der er seinem verstorbenen Teamkollegen Sivert Guttorm Bakken gedachte. Botn hatte den Saisonauftakt dominiert und lange das Gelbe Trikot getragen, doch am 23. Dezember fand er seinen Freund tot in einem Hotelzimmer im italienischen Lavazé. Die genauen Umstände von Bakkens Tod sind immer noch ungeklärt, was für Botn und seine Teamkollegen eine unfassbare psychische Ausnahmesituation darstellte.
Nach einer Krankheitspause kehrte Botn erst in Nove Mesto zurück und krönte nun seine Karriere mit Gold im schwersten Biathlon-Rennen überhaupt. Fehlerfrei verwies er mit 14,8 Sekunden Vorsprung den bereits mit Mixed-Gold dekorierten Franzosen Eric Perrot (ein Fehler, +14,8 Sekunden) und seinen Teamkollegen Sturla Holm Laegreid (ein Fehler, +48,3 Sekunden) auf die weiteren Medaillenränge. Nawrath hatte am Ende 1:31,5 Minuten Rückstand auf den Sieger.
Solide Premieren und Enttäuschungen
Eine solide Olympia-Premiere lieferten die deutschen Debütanten David Zobel (29) und Lucas Fratzscher (31) ab. Beide schossen nur zweimal daneben: Zobel wurde 21., Fratzscher, der sich im Trainerentscheid gegen Danilo Riethmüller das Olympia-Ticket geholt hatte, beendete das Rennen auf Rang 23.
Eine große Enttäuschung musste hingegen Philipp Horn hinnehmen. Auf seinen Lieblingsstrecken kassierte der 31-Jährige gleich sechs Strafminuten und landete abgeschlagen auf Rang 40.
Deutsches Warten auf eine Einzelmedaille
Im längsten aller Biathlon-Rennen wartet der Deutsche Skiverband bei den Männern somit weiter seit zwölf Jahren auf eine Medaille. 2014 hatte Erik Lesser im russischen Sotschi Silber gewonnen, den bislang letzten deutschen Olympiasieg feierte Michael Greis bei den Winterspielen von Turin 2006. Bei den Frauen triumphierte Denise Herrmann-Wick vor vier Jahren in Peking. Am Mittwoch (14.15 Uhr/ARD und Eurosport) treten für Deutschland über 15 Kilometer Franziska Preuß, Vanessa Voigt, Janina Hettich-Walz und Selina Grotian an.



