Biathlon-Drama in Antholz: Preuß verpasst Medaille knapp - Simon triumphiert
Die erste große Chance auf eine olympische Einzelmedaille zerplatzte für Franziska Preuß beim letzten Schießen im Biathlon-Einzel von Antholz. Lange auf Goldkurs liegend, setzte die deutsche Top-Athletin im entscheidenden Moment gleich zwei Schüsse daneben und fiel damit auf den enttäuschenden zehnten Rang zurück. Nach 15 anstrengenden Kilometern hatte Preuß schließlich 2:19,9 Minuten Rückstand auf die siegreiche Französin Julia Simon.
Preuß: "Klassisches Harakiri-Schießen"
"Ich habe es nicht mehr auf die Kette gekriegt, das Timing stimmte nicht mehr. Es war das klassische Harakiri-Schießen, sauschade, das ärgert mich sehr", analysierte eine sichtlich enttäuschte Franziska Preuß im ARD-Interview. Die 31-Jährige erklärte weiter: "Ich habe versucht, in meinen mentalen roten Faden zu kommen. Ich wollte es so machen wie beim ersten Stehendschießen, aber es hat nicht funktioniert." Zudem habe sich auf der anspruchsvollen Strecke das Gedankenkarussell in Gang gesetzt.
Interessant ist die Tatsache, dass Preuß bei fehlerfreiem letzten Schießen sogar Silber erreicht hätte. Die Verfolgungsweltmeisterin konnte ihren persönlichen Olympia-Fluch somit noch nicht besiegen, obwohl sie in der Mixed-Staffel mit Bronze einen starken Auftakt hingelegt hatte. Technische Probleme kurz vor dem Rennen - ein gebrochener Schlagbolzen am Gewehr musste gewechselt werden - sowie nicht ganz optimales Laufniveau erschwerten die Ausgangslage zusätzlich.
Voigt wieder auf Platz vier - wie in Peking 2022
Beste Deutsche wurde die fehlerfreie Vanessa Voigt, die wie bereits vor vier Jahren in Peking den undankbaren vierten Platz belegte. Der Thüringerin fehlten am Ende lediglich 12,9 Sekunden auf die Bronzemedaille - in Peking waren es 2022 sogar nur 1,3 Sekunden gewesen. "Total schwierig, meine Gedanken zu ordnen. Grundsätzlich bin ich enorm stolz auf meine Leistung", kommentierte Voigt ihre erneut knappe Medaillenverfehlung.
Die Diskussion um Voigts Schießgeschwindigkeit flammte erneut auf, denn mit etwas schnelleren Schießeinlagen hätte sie wohl Bronze geholt. Bundestrainer Kristian Mehringer hatte nach der Mixed-Staffel von einem "Krisengespräch, ein härteres Gespräch" in Oberhof berichtet, bei dem sogar Tränen geflossen seien. "Das kann nach hinten losgehen. Aber unser Ziel war, dass es nach vorne losgeht", so Mehrier.
Französischer Doppelerfolg und bulgarische Sensation
Den französischen Doppelerfolg komplettierte Lou Jeanmonnot mit Silber (2 Fehler), während die Bulgarin Lora Hristova als völlige Überraschung die Bronzemedaille gewann. Hristova, die nur auf Platz 73 im Gesamtweltcup steht, blieb wie Voigt fehlerfrei und feierte damit den größten Erfolg ihrer Karriere.
Für Julia Simon und Lou Jeanmonnot bedeutete der Erfolg bereits die zweite Medaille bei diesen Spielen nach dem Mixed-Staffel-Gold. Simon zeigte mit nur einem Schießfehler über die gesamte Distanz eine herausragende Leistung und bestätigte damit ihren Status als eine der stärksten Biathletinnen der Welt.
Olympia-Debütantinnen ohne Medaillenchance
Die deutschen Olympia-Neulinge Janina Hettich-Walz und Selina Grotian konnten nicht in den Kampf um die vorderen Plätze eingreifen. Hettich-Walz wurde nach zwei Strafminuten immerhin Achte, während sich Grotian, die erst auf den allerletzten Drücker das Olympia-Ticket gelöst hatte, nach vier Fehlern mit Rang 55 begnügen musste.
Das Biathlon-Einzel der Frauen in Antholz bot somit alles, was den Wintersport so spannend macht:
- Dramatische Wendungen im letzten Moment
- Knappe Medaillenentscheidungen
- Überraschungserfolge
- Persönliche Tragödien und Triumphe
Für das deutsche Team bleibt die Hoffnung auf weitere Medaillenchancen in den kommenden Rennen, während Julia Simon ihren zweiten Olympiasieg innerhalb kurzer Zeit feiern konnte.



