Biathlon: Schießprobleme des deutschen Teams – Trainer Sendel analysiert die Ursachen
Deutsche Biathlon-Schwächen: Trainer nennt Gründe

Deutsche Biathleten verlieren am Schießstand den Anschluss

In der aktuellen Biathlon-Saison 2025/26 hinterlässt das deutsche Team am Schießstand nicht immer den besten Eindruck und verliert dort regelmäßig wertvolle Sekunden sowie Positionen. Die Schwächen zeigten sich besonders deutlich bei den Mixed-Staffeln im estnischen Otepää, wo unter schwierigen Bedingungen erhebliche Defizite offenbart wurden.

Besorgniserregende Zahlen bei den Staffelrennen

In der Single-Mixed-Staffel mussten die deutschen Athleten ganze 17 Nachlader und drei Strafrunden hinnehmen, während es in der klassischen Mixed-Staffel sogar 18 Nachlader und vier Extrarunden waren. Besonders auffällig war die Leistung von Justus Strelow, der dreimal kreiseln musste und anschließend von seinem „mit Abstand schlechtesten Rennen“ sprach. Doch der 29-Jährige war bei weitem kein Einzelfall – durch den gesamten Winter zogen sich die Schießprobleme wie ein roter Faden durch das deutsche Team.

Betroffene Athleten und verpasste Chancen

Die inzwischen zurückgetretene Franziska Preuß kämpfte den gesamten Winter mit Gewehrproblemen, die ihr bei den Olympischen Spielen mögliche Einzelmedaillen kosteten. Auch Philipp Horn, Selina Grotian, Julia Tannheimer und Janina Hettich-Walz ließen auf der Schießmatte regelmäßig bessere Platzierungen liegen. Die deutsche Mannschaft verpasste in dieser Saison sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen einen Einzelsieg – lediglich Philipp Nawrath erreichte zweimal das Podest, Preuß und Horn jeweils einmal.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Trainer Sendel analysiert differenziert

Schießtrainer Peter Sendel betonte in einem Interview mit der Sportschau die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung: „Wir haben mit Vanessa Voigt und Justus Strelow die besten Schützen der Welt in unserer Mannschaft, daher darf man nicht alle über einen Kamm scheren.“ Gleichzeitig räumte der 54-Jährige ein, dass einige Athleten im deutschen Kader das absolute Weltklasseniveau noch nicht erreicht hätten – was angesichts ihres Entwicklungsstandes allerdings nicht überraschend sei.

Besonders die jüngeren Athletinnen wie Selina Grotian und Julia Tannheimer nahm Sendel in Schutz: „Wenn ich es mir im Training nicht schon 100.000 Mal geholt habe, fehlt mir natürlich das Selbstbewusstsein.“ Der Vergleich mit anderen Nationen zeige deutliche Unterschiede: Französische Biathleten träten entschlossener an den Schießstand und räumten die Scheiben in kürzester Zeit ab, während bei ihnen die Angst vor möglichen Fehlern weniger präsent zu sein scheine.

Mentalität und Trainingsansatz als Schlüssel

Sendel beobachtet bei den internationalen Konkurrenten ein höheres Risikobewusstsein: „Ich finde es verblüffend, mit welchem Risiko die jedes Mal da rangehen.“ Im deutschen Team hingegen herrsche oft ein anderer Ansatz: „Unsere Athleten haben sehr viel Respekt davor, vobeizuschießen.“ Zusätzlich fehle der deutschen Mannschaft die Sicherheit, die aus regelmäßigen Erfolgen erwächst – bei Nationen wie Norwegen oder Frankreich könnten sich Athleten eher auf die mannschaftliche Stärke verlassen.

Für Sendel liegt die Lösung in intensiverer und gezielterer Trainingsarbeit: „Das muss man sich erarbeiten. Und das wird im kommenden Jahr auch das Ziel sein – dass man jedes Training als Wettkampf sieht.“ Der mentale Aspekt sei dabei entscheidend: „Man muss sich im Training immer vorstellen: Was wäre, wenn das jetzt heute meine Olympiade wäre.“ In der Vergangenheit habe es hier gehapert, weil „vielleicht zu viel probiert wurde, weil man im Training zu viele Fehlschüsse akzeptiert hat“.

Die deutsche Biathlon-Mannschaft steht vor der Herausforderung, durch konsequente Trainingsumstellung und mentale Stärkung die Schießleistung wieder auf internationales Spitzenniveau zu heben – nur so kann der Anschluss an die weltbesten Nationen wiederhergestellt werden.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration