Deutsche Ski-Hoffnungen im Super-G enttäuscht – Brignone feiert goldenes Comeback
Bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo erlebten die deutschen Skifahrerinnen Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann im Super-G eine herbe Enttäuschung. Während die Italienerin Federica Brignone nach monatelanger Verletzungspause ein wahres Ski-Märchen schrieb und Gold gewann, mussten die deutschen Favoritinnen nach Fahrfehlern vorzeitig aufgeben.
Deutsche Duo analysiert eigenen Doppel-Flop selbstkritisch
Emma Aicher, die mit Startnummer sieben an den Start ging, zeigte sich nach ihrem Ausscheiden enttäuscht. „Ich ärgere mich schon ein bisschen“, sagte die 22-Jährige. „Mit dieser Startnummer darf mir so etwas nicht passieren.“ Sie räumte ein, auf dem nassen, weichen Schnee die Ideallinie verlassen zu haben. Auch ihre Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann, die sieben Jahre älter ist, gestand: „Ich bin voll auf Risiko gefahren.“ Der Mut wurde jedoch nicht belohnt.
Nach Silber in der Team-Kombination und Aichers zweitem Platz in der Abfahrt hatten beide zu den Mitfavoritinnen im letzten alpinen Speed-Event dieser Spiele gezählt. Obwohl weitere Topfahrerinnen wie die Italienerin Sofia Goggia, die US-Amerikanerin Breezy Johnson oder die Tschechin Ester Ledecka ebenfalls ausschieden, führten die Deutschen ihren Doppel-Flap ausschließlich auf eigene Fehler zurück – nicht auf die Kurssetzung.
Brignones Triumph nach Horror-Verletzung begeistert ganz Italien
Federica Brignone hingegen krönte ein bemerkenswertes Comeback. Die 35-Jährige, die sich im April des Vorjahres bei den italienischen Meisterschaften eine schwere Knieverletzung zugezogen hatte, gewann überlegen die Goldmedaille. Ihre Diagnose damals: eine mehrfache Fraktur des Schienbeinplateaus und des Wadenbeinkopfes sowie ein Kreuzbandriss.
237 Tage nach der Verletzung stand Brignone erstmals wieder auf Skiern. Ihr Olympia-Start schien lange Zeit ungewiss, doch Mitte Januar kehrte sie mit einem sechsten Platz im Riesentorlauf am Kronplatz in den Weltcup zurück. In Cortina d'Ampezzo verwies sie die Französin Romane Miradoli und die Österreicherin Cornelia Hütter auf die Plätze zwei und drei.
Als sie über die Ziellinie schoss und die Bestzeit auf der Anzeigetafel erschien, stieß Brignone einen ihrer bekannten Freudenschreie aus. Ihr Bruder vergoss Tränen der Freude, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella jubelte auf der Tribüne mit. Düsenflieger zogen mit Rauch die italienischen Landesfarben in den Himmel, ehe Brignone und große Teile des Publikums voller Leidenschaft die Nationalhymne sangen.
Aicher verpasst historische Chance – aber weitere Optionen bleiben
Für Emma Aicher bedeutet das Ausscheiden im Super-G, dass sie vorerst die Chance verpasst hat, als erste Deutsche seit Katja Seizinger im Jahr 1998 drei Olympia-Medaillen bei denselben Spielen zu gewinnen. Die junge Skifahrerin hat in Norditalien jedoch noch weitere Möglichkeiten. Sicher starten wird sie im Slalom, möglicherweise auch im Riesenslalom. Über ihre Teilnahme an letzterem ließ sie zunächst noch keine definitive Aussage zu.
Federica Brignone hingegen wird definitiv im Riesenslalom antreten – und das mit reichlich Rückenwind. Mit ihrem Olympiasieg ist sie nun die älteste Alpin-Olympiasiegerin der Geschichte. Für die erfahrene Athletin, die in ihrer Karriere bereits zweimal die Gesamtwertung im Weltcup gewann und zwei Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften errang, ist dies die Krönung einer beeindruckenden Rückkehr.



