Norwegischer Triumph bei der Mehrkampf-WM im Eisschnelllauf
Im niederländischen Heerenveen hat sich bei der Mehrkampf-Weltmeisterschaft im Eisschnelllauf ein dramatischer Wechsel an der Spitze vollzogen. Der norwegische Athlet Sander Eitrem entthronte den bis dahin führenden Doppel-Olympiasieger Jordan Stolz aus den USA und sicherte sich den begehrten Titel. Stolz, der bei den Olympischen Spielen in Mailand Gold über 500 und 1000 Meter errungen hatte, musste sich nach einer starken Halbzeitführung mit dem enttäuschenden vierten Platz begnügen.
Eitrem überzeugt auf den langen Strecken
Der entscheidende Moment kam in den abschließenden Rennen über 1500 und 10.000 Meter. Eitrem, der bereits Olympiasieger über 5000 Meter ist, zeigte hier seine überragende Klasse und überrundete den Titelverteidiger Stolz souverän. Damit setzte er sich deutlich gegen die Konkurrenz durch. Die Silbermedaille ging an Metodej Jilek aus Tschechien, Bronze sicherte sich Vladimir Semirunniy aus Polen.
Für Jordan Stolz war dieses Ergebnis eine herbe Enttäuschung. Nachdem er bei der Sprint-WM nur den zweiten Platz belegt hatte, konnte er auch im großen Vierkampf nicht an seine Leistungen von vor zwei Jahren anknüpfen, als er den Titel in Inzell gewann. Im Thialf-Eisstadion offenbarten sich insbesondere auf den langen Distanzen deutliche Schwächen des Sportlers mit deutschen Wurzeln.
Deutsche Athleten ohne Medaillenchancen
Die deutschen Teilnehmer blieben in Heerenveen weitgehend erfolglos. Bester Deutscher war Gabriel Groß, der sich am Schlusstag noch auf den neunten Platz verbessern konnte. Der 21-jährige Sohn des viermaligen Biathlon-Olympiasiegers Ricco Groß zeigte damit eine respektable Leistung. Tom Rudolph und Luca Matteo Stibenz folgten auf den Plätzen 19 und 20.
Bei den Frauen lagen Lea Sophie Scholz auf Platz 16 und Josie Hofmann auf Platz 19 deutlich hinter den Medaillenrängen zurück. Hier triumphierte die Norwegerin Ragne Wiklund, die als erste Athletin aus ihrem Land seit 1938 den Mehrkampf-Titel gewinnen konnte.
Deutscher Verband in der Kritik
Auffällig war die Abwesenheit der Erfurter Sportler Felix Maly und Fridtjof Petzold, die noch in Mailand für Deutschland angetreten waren. Petzold wurde nach öffentlicher Kritik vom nationalen Verband DESG suspendiert, Maly verzichtete aus Solidarität mit seinem Teamkollegen auf die WM-Teilnahme. Die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft steht wegen ihres Umgangs mit den Sportlern derzeit massiv in der Kritik.
Die Mehrkampf-WM in Heerenveen hat damit nicht nur sportliche Höhepunkte, sondern auch kontroverse Diskussionen um die Verbandsstrukturen im deutschen Eisschnelllauf ausgelöst. Während Norwegen mit einem Doppelsieg bei Männern und Frauen triumphiert, müssen die deutschen Athleten und ihr Verband die Ergebnisse kritisch analysieren.



