Vinzenz Geiger, einer der erfolgreichsten deutschen Nordischen Kombinierer, hat im SPORT1-Podcast Deep Dive schwere Vorwürfe gegen die Organisation der Olympischen Winterspiele 2026 erhoben. Der 28-Jährige, der 2018 und 2022 Gold gewann, blieb in diesem Jahr ohne Medaille und zeigte sich enttäuscht – nicht nur über das sportliche Ergebnis.
Sturz zerstört Olympia-Träume
Geiger, der als Top-Favorit an den Start ging, belegte im Einzel die Plätze neun und zehn und wurde Fünfter im Teamwettkampf. Besonders bitter: Ein Sturz im Teamsprint am dritten Wettkampftag. „Ich bin eigentlich ganz normal gelaufen, dann ist mein linker Ski weggebrochen und dann lag ich auf der Schnauze“, schilderte Geiger. Nach dem Aufstürzen habe er sofort gewusst, dass die Medaillenchance dahin sei.
Kritik an Streckenbedingungen
Geiger vermutet, dass der Sturz nicht auf eigenes Verschulden zurückgeht, sondern auf mangelnde Präparierung der Loipe. „Es war keine Abfahrt, wo man sich konzentrieren musste. Ich bin in ein Loch gefahren, das von einem Kabel stammte. Es hat drüber geschneit, und ich bin eingebrochen.“ Obwohl diese Theorie nicht bestätigt ist, sieht Geiger darin eine plausible Erklärung. Grundsätzlich sei der Austragungsort Predazzo professionell, aber bei Olympia mischten sich zu viele ein, was die Bedingungen verschlechtere.
Enttäuschung über Organisation
Bereits vor den Wettkämpfen war Geiger von der Atmosphäre enttäuscht. Anders als in Pyeongchang und Peking, wo er von den riesigen Gebäuden überwältigt war, wirkte Olympia 2026 „sehr klein“ und „wie eine Nordische Ski-WM, nur kleiner“. Die Aufteilung auf Mailand, Cortina und Predazzo habe alles auseinandergezogen. Von anderen Sportarten habe man nichts mitbekommen.
Eröffnungsfeier ohne Glanz
Geiger nahm erstmals an einer Eröffnungsfeier teil, doch auch diese enttäuschte. „Es waren keine Zuschauer erlaubt, also sind wir für das Fernsehen einmal 50 Meter durch den Ring gelaufen“, berichtete er. Während im San Siro eine spektakuläre Show stattfand, blieb für die Kombinierer nur ein kurzer Auftritt. „Aber jetzt kann ich sagen, ich war mal bei einer Eröffnungsfeier dabei“, scherzte Geiger.
Bedeutung der Medaillen
Trotz der Enttäuschung relativierte Geiger die Wichtigkeit einer weiteren Olympiamedaille. „In zehn Jahren interessiert es keinen mehr, ob ich zweifacher oder dreifacher Olympiasieger bin.“ Ihm tue vor allem das deutsche Team leid, das ohne Edelmetall nach Hause fuhr. Es habe ein bis zwei Wochen gedauert, bis er einen Schlussstrich ziehen konnte.
Wert des Gesamtweltcupsiegs
Den Gesamtweltcupsieg aus der Saison 2024/25 schätzt Geiger sogar höher ein als Olympiagold. „Das ist eigentlich das Höchste, was man bei uns in der Sportart erreichen kann. Sportlich gesehen noch wertvoller als der Olympiasieg, weil es die Leistung über die ganze Saison abzeichnet.“



