Abschied einer Legende: Georg Hackl beendet nach 45 Jahren seine Karriere
Die Rodelwelt verliert eine ihrer größten Persönlichkeiten: Georg Hackl, dreifacher Olympiasieger und langjähriger Cheftrainer Österreichs, hat seine aktive Laufbahn beendet. In einem emotionalen Interview mit der Abendzeitung blickt der 59-Jährige auf seinen unfreiwilligen Abschied von den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo zurück und übt scharfe Kritik an den Zuständen in Deutschland.
Der schmerzhafte Sturz bei Olympia
Georg Hackl erlitt bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d'Ampezzo einen schweren Sturz, der seine Teilnahme vorzeitig beendete. "Ich habe einfach immer noch starke Schmerzen", gesteht der ehemalige Spitzensportler. "Der Nerv wurde brutal gedehnt und gewaltig in Mitleidenschaft gezogen."
Die Folgen sind deutlich spürbar: Gefühlsstörungen, taube Fingerspitzen sowie ein pelziges Gefühl in Hand und Unterarm plagen den Rodel-Experten. Eine Operation lehnt Hackl ab – in seinem Alter und ohne weitere sportliche Ambitionen sei dieser Eingriff nicht mehr sinnvoll, wie ihm medizinische Fachkräfte rieten.
Der Unfall ereignete sich an einer kritischen Stelle der Rodelbahn, wo Trainer normalerweise die Fahrtechnik ihrer Athleten beobachten. "Da musste ich reinklettern, bin hängengeblieben und trat mit Schwung nach unten", erinnert sich Hackl. "Der zweite Schritt ging ins Leere." Nur durch das aufmerksame Gehör von Trainerkollegen, die das laute Aufprallgeräusch wahrnahmen, wurde der Verletzte rechtzeitig gefunden und geborgen.
Italien als Vorbild – Deutschland als "Bananenrepublik"
Während Hackl die italienische Regierung für den schnellen Bau der Olympiabahn innerhalb eines Jahres lobt – "Sensationell, große Klasse!" –, fällt sein Urteil über Deutschland deutlich härter aus. "Früher haben wir Deutschen die Italiener belächelt – heute sind wir die Bananenrepublik, die nichts mehr auf die Reihe kriegt", stellt der Rodel-Experte fest.
Seine Kritikpunkte sind zahlreich:
- Der Stuttgarter Bahnhof
- Der viel zu spät fertiggestellte Berliner Flughafen
- Die immer noch nicht reparierte Brücke in Dresden
- Die seit fünf Jahren geschlossene Rodelbahn am Königssee
"Da muss man nicht die ganze Bahn neu bauen", betont Hackl mit Blick auf den Königssee. "Da geht es um ein, zwei Kurven, die durch die Überschwemmung in Mitleidenschaft gezogen wurden – und nach fünf Jahren rodeln wir immer noch nicht!"
Besonders beeindruckt zeigte sich Hackl von der italienischen Führungsstärke, die er in Deutschland schmerzlich vermisst. Sogar Matteo Salvini, Italiens stellvertretender Ministerpräsident, habe sich persönlich vor Ort engagiert. "Das ist Führungsstärke, die ich in Deutschland so sehr vermisse, in dieser Regierung schon wieder, wie in der letzten und vorletzten", so Hackls deutliche Worte.
Der Abschied nach 45 Jahren
Am vergangenen Wochenende in Altenberg beendete Georg Hackl offiziell seine 45-jährige Karriere im Rennrodelsport. "Ich gehe da mit großer Zufriedenheit und Dankbarkeit raus", erklärt der ehemalige Bundeswehr-Angehörige. Besonders dankt er seinen langjährigen Sponsoren sowie der Bundeswehr, die jahrzehntelang sein Arbeitgeber war.
Durch seine Schulterverletzung konnte Hackl den letzten Weltcup in Altenberg erstmals nicht am Start, sondern im Ziel verfolgen. "Jetzt war ich da, wo die Musik spielt und hab' die ganze Show mitbekommen", beschreibt er diesen Perspektivwechsel. Obwohl es keine große Abschiedsfeier gab, empfand Hackl den Übergang als "vom Gefühl her einfach sehr, sehr gut".
Zukunft als Pensionist – aber mit einem Auge auf den Nachwuchs
Für die Zukunft plant Georg Hackl zunächst einmal Ruhe. "Ich bin jetzt Pensionist, werde das ohne große Pläne richtig frei angehen – und dann füllt sich die Zeit von selbst", erklärt der dreifache Olympiasieger. Ein konkretes Vorhaben hat er jedoch: Den Ski-Amadé-Superskipass von Schladming bis ins Alpbachtal endlich voll auszunutzen.
Auch wenn er Angebote aus anderen Nationen erhalten hat, will sich Hackl zunächst zur Ruhe setzen. Ein Versprechen gibt er jedoch: "Wenn irgendwann am Königssee wieder gerodelt wird, werde ich ein Auge darauf haben, dass der Nachwuchs mit vernünftigen Schlitten versorgt ist."
Seine ehemaligen Trainingskollegen Felix Loch sowie Tobias Arlt und Tobias Wendl sieht Hackl übrigens noch lange nicht am Ende ihrer Karrieren. "Ich habe nicht gehört, dass einer von denen aufhört", verrät der Experte. Ob die legendäre Wok-WM mit Stefan Raab noch existiert, weiß Hackl allerdings nicht genau – diese Zeit bleibt für ihn jedoch eine schöne Erinnerung.



