Rodel-Ikone Georg Hackl beendet Karriere und übt scharfe Kritik an deutscher Politik
Eine Ära geht zu Ende: Die deutsche Rodel-Legende Georg Hackl hat nach 45 Jahren im Spitzensport seine aktive Laufbahn beendet. In einem ausführlichen Interview spricht der dreifache Olympiasieger nicht nur über seinen Abschied und die Olympischen Spiele in Cortina d'Ampezzo, sondern übt auch deutliche Kritik an der politischen Führung in Deutschland.
Schmerzhafte Verletzung und unglücklicher Olympia-Abschied
Georg Hackl arbeitete zuletzt als Cheftrainer des österreichischen Rodelteams und blickt auf eine beeindruckende Karriere zurück. Doch sein letztes olympisches Engagement endete unglücklich: Bei den Winterspielen in Cortina d'Ampezzo stürzte der 59-Jährige schwer und zog sich eine schmerzhafte Schulterverletzung zu.
„Ich habe einfach immer noch starke Schmerzen, weil der Nerv brutal gedehnt und gewaltig in Mitleidenschaft gezogen wurde“, beschreibt Hackl seinen Zustand. „Ich habe Gefühlsstörungen, taube Fingerspitzen, Hand und Unterarm sind pelzig. Aber es wird jeden Tag ein bissl besser. Das gibt mir Hoffnung.“
Der Sturz ereignete sich, als Hackl versuchte, eine kritische Stelle der Rodelbahn zu erreichen, um die Fahrtechnik der Athleten zu beobachten. „Da musste ich reinklettern, bin hängengeblieben, mit Schwung nach unten getreten, dachte, dass da schon der breite Weg ist, aber der war erst einen halben Meter daneben – da ging der zweite Schritt ins Leere“, schildert er den Unfallhergang.
Italienische Führungsstärke versus deutsche Probleme
Trotz des persönlichen Rückschlags zeigt sich Hackl beeindruckt von der Organisation der Olympischen Spiele in Cortina. Besonders lobt er die italienische Regierung für ihre Entschlusskraft: „Ich möchte in aller Form ein großes Kompliment an die italienische Regierung aussprechen, dass die in der Lage waren, innerhalb eines Jahres da eine Bahn hinzubauen. Sensationell, große Klasse!“
Dies führt ihn zu einem politischen Statement, das deutlich seine Unzufriedenheit mit der deutschen Politik zum Ausdruck bringt: „Das ist Führungsstärke! Und gestatten Sie mir, dass es jetzt kurz politisch wird: Das ist Führungsstärke, die ich in Deutschland so sehr vermisse, in dieser Regierung schon wieder, wie in der letzten und vorletzten.“
Hackl zieht einen deutlichen Vergleich: „Früher haben wir Deutschen die Italiener belächelt – heute sind wir die Bananenrepublik, die nichts mehr auf die Reihe kriegt.“ Als Beispiele nennt er:
- Den Stuttgarter Bahnhof
- Den viel zu spät fertig gewordenen Berliner Flughafen
- Die immer noch nicht reparierte Brücke in Dresden
- Die seit fünf Jahren geschlossene Rodelbahn am Königssee
Die nicht reparierte Rodelbahn am Königssee
Ein besonderer Dorn im Auge ist Hackl die Situation an seiner Heimatbahn am Königssee. Nach Überschwemmungen vor fünf Jahren ist die Bahn immer noch nicht instand gesetzt. „Da muss man nicht die ganze Bahn neu bauen, da geht es um ein, zwei Kurven, die durch die Überschwemmung in Mitleidenschaft gezogen wurden – und nach fünf Jahren rodeln wir immer noch nicht!“
Die internationale Reaktion auf diese deutsche Untätigkeit ist vernichtend: „Die lachen uns mittlerweile aus. In Innsbruck ist der Umbau schiefgelaufen, aber man ist sofort in die Spur gegangen und schaut, dass man das korrigiert.“ Während in Österreich bereits für das nächste Jahr wieder Rodelbetrieb geplant ist, „steht am Königssee noch völlig in den Sternen, wann wieder gerodelt wird – weil Deutschland nichts mehr kann.“
Abschied nach 45 Jahren im Rennsport
Am vergangenen Wochenende beendete Hackl offiziell seine Karriere beim Weltcup in Altenberg. „Ich hab‘ das ja so geplant und entschieden und gehe da mit großer Zufriedenheit und Dankbarkeit raus“, erklärt der dreifache Olympiasieger. Besonders dankbar ist er seinen langjährigen Sponsoren und der Bundeswehr, die jahrzehntelang sein Arbeitgeber war.
Durch seine Schulterverletzung konnte Hackl diesmal eine neue Perspektive erleben: „Jetzt war ich da, wo die Musik spielt und hab‘ die ganze Show mitbekommen. Es war keine große Abschiedsfeier, aber vom Gefühl her einfach sehr, sehr gut.“
Zukunft als Pensionist mit einem Auge auf den Nachwuchs
Für die Zukunft plant Hackl zunächst eine ruhigere Phase: „Ich bin jetzt Pensionist, werde das ohne große Pläne richtig frei angehen – und dann füllt sich die Zeit von selbst.“ Ein konkretes Vorhaben hat er jedoch: „Nur den Ski-Amadé-Superskipass will ich im Winter endlich mal ausnutzen, von Schladming bis rüber ins Alpbachtal.“
Trotz seines Rückzugs bleibt Hackl dem Sport verbunden. „Wenn irgendwann am Königssee wieder gerodelt wird, werde ich ein Auge darauf haben, dass der Nachwuchs mit vernünftigen Schlitten versorgt ist.“ Auch an Angebote aus anderen Nationen hat er bereits gedacht, entscheidet sich aber zunächst für die Ruhe.
Die Zukunft der deutschen Rodel-Stars
Zur Zukunft seiner ehemaligen Trainingskollegen – der „Trainingsgruppe Sonnenschein“ mit Felix Loch sowie Tobias Arlt und Tobias Wendl – äußert sich Hackl optimistisch: „Ich habe nicht gehört, dass einer von denen aufhört.“ Mit einem Schmunzeln erinnert er sich: „Ich hab‘ ja damals mit neununddreißigeinhalb aufgehört, und als die Jungs jung waren, hieß es: ‚So lang wie der Hackl machen wir das nicht!‘ Und jetzt hören die alle noch nicht auf, weil die genau wissen, wie toll das ist.“
Die Rodel-Legende verlässt die aktive Sportwelt mit gemischten Gefühlen: Stolz auf das Erreichte, Dankbarkeit für die lange Karriere, aber auch mit deutlicher Kritik an den Zuständen in seiner Heimat – besonders wenn es um die Reparatur der Rodelbahn am Königssee geht.



