Biathlon-Sensation in Antholz: Unbekannte Bulgarin erklimmt Olympia-Podest
Das Biathlon-Einzel bei den Olympischen Winterspielen in Antholz hat eine der größten Überraschungen der Wettkämpfe geliefert. Die 22-jährige Bulgarin Lora Hristova, die bislang kaum im internationalen Fokus stand, gewann über die 15 Kilometer sensationell die Bronzemedaille. Die junge Athletin, die im Gesamtweltcup nur auf Platz 73 rangiert, schoss fehlerfrei und verwies damit etablierte Favoritinnen auf die hinteren Plätze.
„Wer ist eigentlich diese Bulgarin?“ - Preuß‘ peinlicher Moment
Die Unbekanntheit der neuen Medaillengewinnerin führte nach dem Rennen zu einem amüsanten Zwischenfall. Deutschlands Biathlon-Star Franziska Preuß, die im Einzel den zehnten Platz belegte, gestand: „Ich habe gerade in der Umkleide rumgefragt: ‚Wer ist eigentlich diese Bulgarin?‘ Und dann hat sie gesagt: ‚Das bin ich.‘ Das ist unangenehm, aber ich habe natürlich gleich gratuliert.“
Hristova nahm die Situation mit Humor. Auf der anschließenden Pressekonferenz erzählte sie: „Ich habe gehört, wie sie miteinander gesprochen und sich gefragt haben, wer das bulgarische Mädchen ist. Mein erster Gedanke war: ‚Oh, okay, das bin ich. Das ist leicht zu beantworten.‘“ Für die Bulgarin hatte die Frage von Preuß sogar eine positive Bedeutung: „Als sie fragten, wusste ich in diesem Moment, dass es eine Medaille geworden ist, denn ich hatte mir die Ergebnisse nicht angesehen.“
Historischer Erfolg für bulgarischen Biathlon
Hristovas Medaillengewinn markiert einen historischen Moment für den bulgarischen Biathlonsport. Bislang hatte die Athletin in der laufenden Saison noch kein einziges Mal unter den besten 20 platziert. Ihr bisher bestes Ergebnis war ein 13. Platz bei der Weltmeisterschaft 2025 in Lenzerheide. Umso bemerkenswerter ist ihre fehlerfreie Leistung im olympischen Einzelrennen, bei dem sie hinter den beiden Französinnen Julia Simon und Lou Jeanmonnot das Podest komplettierte.
Deutscher Trainer als Schlüsselfigur
Einen wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat der deutsche Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler. Der 71-Jährige fungiert seit etwas mehr als einem Jahr als Trainerberater der kleinen bulgarischen Nationalmannschaft – einem Projekt, das größtenteils vom Internationalen Biathlonverband finanziert wird. Hristova betonte die Bedeutung Pichlers für ihren Durchbruch: „Von Anfang an habe ich Vertrauen von ihm gespürt. Er hat uns allen Mut gemacht, dass wir bei diesen Olympischen Spielen gute Ergebnisse erzielen können.“
Nächste Chance bereits am Samstag
Die Aufmerksamkeit wird sich nun auf Hristovas nächsten Auftritt richten. Am Samstag startet die Bulgarin im Sprint der Frauen und hat damit die Möglichkeit, ihre sensationelle Form zu bestätigen. Ob sie weiterhin als Unbekannte durch die Wettkampfstätten geht oder sich nun als neue Größe im Biathlon etabliert, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass ihre Bronzemedaille in Antholz bereits jetzt als eine der größten Überraschungen dieser Olympischen Spiele in die Geschichte eingehen wird.



