Biathlon-Drama bei Olympia: Preuß verliert Medaille im letzten Moment
Die große Hoffnungsträgerin des deutschen Biathlons, Franziska Preuß, hat ihre erste Einzelmedaille bei Olympischen Spielen auf dramatische Weise verpasst. Die aktuelle Gesamtweltcupsiegerin lag im 15-Kilometer-Einzelrennen lange Zeit auf Medaillenkurs, doch zwei kostspielige Fehler beim letzten Schießen ließen sie auf den enttäuschenden zehnten Platz zurückfallen.
Führung bis zum finalen Schießen
Preuß startete trotz technischer Probleme mit ihrer Waffe – der Schlagbolzen musste noch vor dem Wettkampf ausgetauscht werden – überaus stark. Mit zwei fehlerfreien Schießeinlagen übernahm sie zur Halbzeit des Rennens die Führung. Auch beim dritten Schießen, das bei einsetzendem Schneefall stattfand, blieb sie fehlerfrei und schien auf dem sicheren Weg zu einer Medaille.
Doch beim letzten Anschlag passierte das Unglück: Zwei Fehlschüsse brachten ihr zwei Strafminuten ein und kosteten sie die vorderen Plätze. Ohne diese beiden Fehler hätte Preuß hinter der französischen Siegerin Julia Simon die Silbermedaille gewonnen. Am Ende fehlten ihr 1:15 Minute auf das Podest.
Voigt knapp am Podest vorbei
Während Preuß ihre Medaillenchance verspielte, verfehlte Vanessa Voigt das Podest erneut denkbar knapp. Die Deutsche blieb zwar fehlerfrei beim Schießen, konnte aber auf der Loipe und in der Schießzeit nicht mit den Besten mithalten. Nach ihrem vierten Platz im Einzel von Peking vier Jahre zuvor reichte es diesmal erneut zu Rang vier – nur 12,9 Sekunden fehlten ihr zur Bronzemedaille.
"Total schwierig, meine Gedanken zu ordnen", sagte Voigt nach dem Rennen im ARD-Interview. "Grundsätzlich bin ich total stolz auf meine Leistung. Ich weiß, dass wieder die Themen Schieß- und Laufzeit kommen. Aber ich bin total happy mit dem Rennen."
Weitere deutsche Ergebnisse
Olympia-Debütantin Janina Hettich-Walz zeigte eine respektable Leistung und kam mit zwei Strafminuten auf Position acht. Selina Grotian schaffte es bei ihrer olympischen Premiere trotz gutem Start nicht unter die besten dreißig Athletinnen und landete mit vier Strafminuten deutlich zurück.
Bei den Konkurrentinnen siegte Julia Simon aus Frankreich mit einem einzigen Fehler vor ihrer Landsfrau Lou Jeanmonnot (zwei Fehler) und der überraschend starken Bulgarin Lora Hristova, die fehlerfrei blieb und die Bronzemedaille gewann.
Nächste Chancen für Preuß
Für Franziska Preuß war dies das beste olympische Einzelergebnis ihrer Karriere – ihr bisheriger Höhepunkt war ein vierter Platz im Einzel von Pyeongchang, zudem gewann sie zweimal Bronze mit der deutschen Staffel. Die Enttäuschung über die verpasste Medaille wird jedoch groß sein.
Doch schon am Samstag und Sonntag (jeweils 14.45 Uhr) hat Preuß neue Chancen auf die ersehnte Einzelmedaille. Zunächst steht der Sprint auf dem Programm, gefolgt von der Verfolgung. Zuvor sind allerdings noch die deutschen Männer gefordert: Nach seinem fünften Platz im Einzel peilt Philipp Nawrath im Sprint über 10 Kilometer am Freitag (14.00 Uhr) das Treppchen an.



