Biathlon-Drama in Antholz: Preuß verpasst Gold-Chance beim letzten Schießen
Die olympische Einzelmedaille bleibt für Franziska Preuß weiterhin ein unerfüllter Traum. Bei den Winterspielen in Antholz hatte die 31-jährige Biathletin über 15 Kilometer die große Chance auf Gold, doch beim entscheidenden letzten Stehendanschlag versagten erneut die Nerven.
Vom Goldkurs zum zehnten Platz
Nach drei fehlerfreien Schießeinlagen lag Franziska Preuß auf bestem Weg zur ersehnten olympischen Einzelmedaille. Die Gesamtweltcupsiegerin des vergangenen Winters kämpfte sich in Führungsposition, doch beim vierten und letzten Schießen kam es zur Katastrophe. Zwei Fehler und damit zwei Strafminuten kosteten die deutsche Athletin nicht nur den Sieg, sondern warfen sie auf Platz zehn zurück.
"Das war ein klassisches Harakiri-Schießen", analysierte Preuß nach dem Rennen. "Vom Timing zwischen Abzug und Zielen hat es gar nicht mehr gestimmt. Sauschade, ärgert mich natürlich sehr." Mit 2:19,9 Minuten Rückstand musste sie Goldgewinnerin Julia Simon aus Frankreich vorbeiziehen lassen.
Das Gedankenkarussell drehte sich
Was genau passierte in diesen entscheidenden Momenten? Preuß erklärt: "Ich habe mir nach dreimal Null natürlich gedacht, dass ich gut im Rennen liege. Und dann fängt das Gedankenkarussell an." Auf der Laufrunde vor dem letzten Schießen blieb zu viel Zeit zum Grübeln, der mentale rote Faden riss.
Der erste Schuss traf noch ins Schwarze, doch der zweite ging daneben. "Dann weiß man natürlich: Das ist bescheiden. Und versucht alles, um wieder in seinen gewohnten Rhythmus zu kommen", so die Biathletin. "Bei mir macht es die Sache dann auch nicht besser, wenn ich langsamer schieße, denn dann denke ich mehr."
Kein Einfluss der Mixed-Staffel-Erfahrung
Vergangenen Sonntag hatte Preuß bereits in der Mixed-Staffel eine ähnliche Situation erlebt. Beim letzten Schießen unterliefen ihr zwei Fehler, von drei Nachladern traf nur einer, was die deutsche Mannschaft Bronze statt Silber kostete. Doch diese Erfahrung spielte laut Preuß beim Einzelrennen keine Rolle: "Daran habe ich nicht gedacht, das hat keine Rolle gespielt."
Beste Deutsche im Rennen wurde übrigens Vanessa Voigt aus Thüringen, die den vierten Platz belegte und damit nur knapp das Podest verpasste.
Weitere Chancen bei Olympia
Trotz der großen Enttäuschung kann sich Franziska Preuß nicht lange mit dem verpassten Gold aufhalten. Bei den Olympischen Spielen stehen noch weitere Wettkämpfe an: Sprintrennen, Verfolgung, Massenstart und die Staffel bieten neue Medaillenchancen.
"Ich hake das jetzt ab", sagte die Athletin entschlossen. "Wenn es für eine Medaille reichen soll, brauche ich wirklich den perfekten Tag. Ich habe noch die Hoffnung, dass der vielleicht noch kommt." Die Karriere der 31-Jährigen war schon immer von Höhen und Tiefen geprägt - nach gesundheitlichen Problemen feierte sie im vergangenen Winter mit Weltcupsieg und WM-Gold ihr Comeback. Die olympische Einzelmedaille bleibt das letzte große Ziel.



