Abschied einer Rodel-Legende: Georg Hackl beendet nach 45 Jahren seine Karriere
Die Sonnenstrahlen in Altenberg bieten Georg Hackl eine willkommene Ablenkung. Die Schmerzen in seiner Schulter, die er sich bei einem Sturz während der Olympischen Winterspiele in Cortina d'Ampezzo zuzog, sind noch immer präsent. „Ich bin noch krankgeschrieben, daher kann ich es hier in vollen Zügen genießen“, erklärt der 59-jährige Berchtesgadener, der nun nach 45 Jahren im Rodel-Sport in den Ruhestand geht.
Das Weltcup-Finale als letzte Station einer langen Reise
Das Weltcup-Finale im sächsischen Altenberg markierte das Ende einer Ära. „Ich bin jetzt über 45 Jahre jeden Winter unterwegs, jedes Wochenende irgendwo an einer Rodelbahn und nie zu Hause. So habe ich einen Großteil meines Lebens verbracht“, reflektiert der von allen nur „Hackl Schorsch“ genannte Bayer. Seine Pläne für die Zukunft sind klar: „Jetzt möchte ich noch ein bisschen mehr Zeit für mich haben im Winter.“
Statt sich weiterhin um die Schlitten zu kümmern, wird Hackl künftig mehr Zeit auf Skiern verbringen. „Ein Ziel für mich ist die Jahreskarte in der Skiwelt Amadé, die muss sich für mich lohnen im nächsten Winter. Noch kann ich den Skistock nicht richtig halten“, verrät der dreifache Olympiasieger im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Erfolgreiche Jahre im österreichischen Verband
Seit 2022 war Hackl als Technik-Trainer für den österreichischen Rodelverband tätig. „Es war eine tolle Erfahrung, weil mich das auch von Anfang an gereizt hat. Es war eine superschöne Zeit, weil die alle an einem Strang ziehen, alle super zusammenarbeiten“, schwärmt der erfolgreichste Einzel-Rodler der olympischen Geschichte. Mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen blickt er auf eine außergewöhnliche Karriere zurück.
Besonders die positive Atmosphäre im Team hat ihn beeindruckt: „Wenn du dich hier so bewegst mit österreichischem Anorak, da ist alles immer so positiv.“
Kritik am Wiederaufbau der Bahn am Königssee
Während Hackl seine Zeit in Österreich in bester Erinnerung behält, bereitet ihm ein Thema in seiner Heimatregion Kopfschmerzen: der Zustand der Rodelbahn am Königssee. „Das ist so unfassbar. Die Italiener bauen in einem Jahr eine ganze Bahn. Und Deutschland schafft es nicht, in fünf Jahren zwei Kurven, die da kaputt waren, zu reparieren“, kritisiert der erfahrene Rodler deutlich.
Die Olympia-Bahn in Cortina d'Ampezzo wurde in Rekordzeit komplett neu geplant und errichtet. Im Gegensatz dazu könnte der Wiederaufbau der Bob- und Rodelbahn am Königssee, die im Juli 2021 durch Überschwemmungen massiv beschädigt wurde, noch Jahre in Anspruch nehmen.
Rückblick auf eine bewegte Karriere
Rückblickend auf seine lange Laufbahn betont Hackl, dass er so viele Höhen und Tiefen erlebt hat, dass er keine einzelnen Momente besonders hervorheben möchte. Dennoch hebt er eine Phase besonders hervor: „Nur mit der Trainingsgruppe Sonnenschein gab es Riesen-Erfolge. Das kann man überhaupt nicht toppen.“
Damit bezieht er sich auf die Erfolge der Rekord-Olympiasieger Tobias Wendl und Tobias Arlt sowie Natalie Geisenberger und Felix Loch. „Und jetzt die Zeit in Österreich, das war nochmal ein wirklich schöner Abschluss. Alles super für mich, bis auf meine Schulterverletzung“, resümiert Hackl.
Würdigung durch den Bob- und Schlittenverband
Für Thomas Schwab, den Vorstandsvorsitzenden des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), hinterlässt Hackl eine große Lücke im Rodelsport. „Er wird dem Rodelsport fehlen. Es geht der einer der Größten, wenn nicht sogar der Größte“, würdigt Schwab den scheidenden Rodler. Leise fügt er hinzu: „Uns hat es ja schon vor vier Jahren verlassen.“
Schwab, der selbst mit Hackl gerodelt ist und jahrelang sein Cheftrainer war, glaubt dennoch an eine mögliche Mini-Rückkehr des erfahrenen Rodlers: „Ich hab' schon mit ihm gesprochen, wenn die Bahn wieder steht bei uns, dann wird er sicher seine Erfahrungen an den Nachwuchs weitergeben.“
Zum Abschiedsabend in Altenberg hatte Hackl auch den deutschen Bundestrainer Patric Leitner eingeladen, was die Verbundenheit innerhalb der Rodel-Community unterstreicht. Nach 45 Jahren auf und neben der Bahn beginnt für Georg Hackl nun ein neuer Lebensabschnitt – mit mehr Zeit für sich selbst und vielleicht der ein oder anderen Fahrt auf Skiern statt auf dem Schlitten.



