Rätselhafter Tod einer Bob-Ikone: Steven Holcombs Tragödie
Rätselhafter Tod von Bob-Legende Steven Holcomb

Der 6. Mai 2017 bleibt ein schwarzer Tag im Bobsport. An diesem Tag, heute vor neun Jahren, wurde der US-amerikanische Bobpilot Steven Holcomb tot in seinem Hotelzimmer in Lake Placid aufgefunden. Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht vollständig geklärt. Offiziell starb die Bob-Ikone an einer Lungenstauchung und Wasser in der Lunge, wie der Autopsiebericht ergab. Zudem wurden 1,8 Promille Alkohol und Schlafmittel in seinem Blut gefunden. Schnell kursierte der Verdacht auf Suizid, doch die genauen Hintergründe bleiben mysteriös.

Eine Karriere voller Erfolge und Hindernisse

Steven Holcomb, der 1999/2000 in das „Army World Class Athlete Program“ der Utah National Guard aufgenommen wurde, galt früh als großes Talent. 2002 nahm er erstmals an Weltmeisterschaften teil. Doch im selben Jahr wurde bei ihm eine fortschreitende Verformung der Hornhaut diagnostiziert, die sein Sehvermögen immer weiter einschränkte. In einem Interview beschrieb er seine Sicht im Eiskanal scherzhaft: „Wie wenn ich ein paar Drinks zu viel gehabt hätte und die Leute mir rieten, den mittleren anzupeilen. Ich hatte kein Problem damit – das tat ich ja sowieso immer.“ Doch hinter der Fassade des furchtlosen Piloten verbargen sich tiefe Ängste.

Der Wendepunkt: Suizidversuch und Rettung

Im Jahr 2007 versuchte Holcomb, sich das Leben zu nehmen, aus Angst, vollständig zu erblinden. „Ich hatte Angst, komplett zu erblinden. Es schien mir der logische Weg. Sie würden nicht mehr Geld und Zeit für mich verschwenden. Ich würde allen einen Gefallen machen, und alles würde gut“, schilderte er später in einem Dokumentarfilm. Erst nach dem gescheiterten Versuch offenbarte er seinem Coach Brian Shimer seine Sehprobleme. Dieser vermittelte ihn an einen Arzt, der mit einer neuartigen Operation Holcombs Sehfähigkeit wiederherstellen konnte. Dies markierte eine 180-Grad-Wende in seinem Leben.

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Aufstieg zur Weltspitze

Nach der Operation ging es für Holcomb steil bergauf. 2008 gewann er seine erste WM-Medaille, 2009 in Lake Placid wurde er erstmals Weltmeister. 2010 holte er im legendären „Night Train“, seinem schwarz markierten Viererschlitten, olympisches Gold. 2012 wurde er bei der Heim-WM in Lake Placid mit drei Goldmedaillen zur Bob-Ikone der USA. Insgesamt errang er fünf Weltmeistertitel. „Ich blicke nicht wirklich auf die Strecke, es ist mehr so, dass ich alles fühle und spüre, wie der Schlitten sich bewegt“, beschrieb er sein Erfolgsgeheimnis.

Die letzten Jahre und der tragische Tod

Bis zur Saison 2016/17 war Holcomb im Weltcup aktiv, auch wenn seine letzte große Medaille eine silberne bei den Olympischen Spielen 2014 war. Ob die nachlassenden Leistungen seine alten Ängste zurückbrachten, bleibt unklar. Nur wenige Wochen nach Saisonende ereignete sich sein tragischer Tod. Filmmacher Brett Rapkin, der eine Dokumentation über Holcomb plante, glaubt nicht an Suizid: „Es gab für mich keine Anzeichen, dass er sich etwas antun wollte. Er freute sich auf die Rückkehr von Teamkollegen, er hatte viele Pläne.“ Die Dokumentation trägt den Titel „Die Last des Goldes“.

Holcomb selbst kämpfte in seinen letzten Monaten um Aufklärung über seine Augenkrankheit. „Es ist einfach unglaublich und je mehr Menschen wir erreichen und darüber aufklären können, desto mehr Menschen können wir retten“, sagte er kurz vor seinem Tod. Er rettete sein Augenlicht, aber nicht sein Leben. Was bleibt, sind offene Fragen und die Erinnerung an einen wahren Champion.

Wenn Sie selbst von Depressionen oder Suizidgedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222.

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