Skibergsteigen im Zwielicht: Drei Athleten gesperrt, Staatsanwaltschaft ermittelt
Im deutschen Skibergsteigen, auch bekannt als Skimo, herrscht derzeit eine angespannte Atmosphäre. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat drei Athleten vorläufig von Wettkämpfen ausgeschlossen. Der Grund für diese drastische Maßnahme sind Vorwürfe der Sportler gegen Coaches und Betreuer, die angeblich zu einer schlechten Stimmung im Team geführt haben.
Notbremse gezogen: DAV reagiert auf angespannte Situation
„Hintergrund der Entscheidung ist die in den vergangenen Wochen deutlich angespannte Situation innerhalb des Skimo-Teams“, teilte der Verband mit. Mehrere Skibergsteiger hätten angegeben, in dem aktuellen Klima nicht mehr angemessen trainieren und Rennen bestreiten zu können. DAV-Präsident Roland Stierle betonte: „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Aber wir tragen Verantwortung für das gesamte Team. Leistungssport braucht ein Umfeld, in dem Vertrauen und Zusammenarbeit möglich sind.“
Eine beauftragte Anwaltskanzlei hatte zuvor Hinweise geprüft und von „Verunsicherung“ sowie teils gar einer „Angstatmosphäre“ berichtet. Die Anwälte gaben an, dass selbst als mental stark eingeschätzte Athleten „auf psychischer Ebene sichtbar angeschlagen“ seien.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung
Hintergrund des Konflikts sind schwerwiegende Anschuldigungen und eine Strafanzeige der drei Athleten gegen den ehemaligen Bundestrainer sowie den Sportlichen Leiter im DAV. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und Nötigung. Der Coach hatte das Team bereits zuvor verlassen, der Sportchef wurde jüngst freigestellt. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.
In einem Bericht der ARD-„Sportschau“ hatten die Athleten Felix Gramelsberger und Sophia Weßling während der Olympischen Winterspiele ihre Anzeigen öffentlich gemacht. Dem Bericht zufolge soll es im April 2024 bei Leistungstests in Ruhpolding zu medizinischen Missständen gekommen sein. Sportlern sei bis zu 60 Mal innerhalb weniger Stunden Blut abgenommen worden, von ungeschultem Personal und nicht gewechselten Handschuhen war die Rede. Gramelsberger sprach von einer „wahnsinnigen Blutpanscherei“.
Athleten reagieren mit Ankündigung rechtlicher Schritte
Felix Gramelsberger, einer der drei betroffenen Sportler, reagierte umgehend auf die Sperre. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das Statement des DAV enthält aus unserer Sicht mehrere nachweisliche Unwahrheiten und wir werden mit rechtlichen Schritten dagegen vorgehen.“
Der Alpenverein gibt an, dass die Anwesenheit der Sportler nach deren Vorwürfen große, negative Auswirkungen auf das restliche Team gehabt habe. Weßling und Gramelsberger sind zwar nicht mehr Teil des Elitekaders, durften aber dennoch an Wettkämpfen teilnehmen. Ihnen sei von anderen Athleten vorgeworfen worden, Stimmung gegen einzelne Trainer und Betreuer zu machen. Auch bestehe die Angst, dass Gespräche oder Chatnachrichten an Medien weitergegeben werden könnten.
Vorläufige Maßnahme bis zum Abschluss des Klärungsprozesses
Der Deutsche Alpenverein betonte, dass die Sperre keine Reaktion auf die ursprünglichen Hinweise der drei Sportler sei. „Die Entscheidung gilt vorläufig bis zum Abschluss des laufenden Klärungsprozesses. Auf dieser Grundlage wird über die weitere sportliche Zusammenarbeit entschieden“, hieß es in der offiziellen Mitteilung.
Die Situation wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen im Leistungssport, insbesondere in einer Nischendisziplin wie dem Skibergsteigen, das bei den Olympischen Winterspielen 2026 im Fokus stehen wird. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die internen Klärungsprozesse des DAV werden nun den weiteren Verlauf bestimmen.



