Straßers Abrechnung mit Olympia 2026: „Es ist für'n Arsch“
Nach seinem letzten olympischen Rennen im Slalom von Bormio zog Linus Straßer ein vernichtendes Fazit über die Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina. Der 33-jährige deutsche Skirennfahrer belegte nur den neunten Platz und verpasste damit das Happy End seiner Olympia-Karriere. Doch sportlich schien ihn das kaum zu interessieren. Stattdessen kritisierte er die gesamte Atmosphäre der Spiele scharf.
„Steriles Ding“ statt olympischem Flair
Straßer verließ noch während des finalen Torlaufs das Zielstadion und äußerte sich deutlich: „Es ist für'n Arsch. Sagen wir, wie es ist.“ Damit meinte er nicht den Slalom als Abschluss der Männer-Wettkämpfe, den der Schweizer Loic Meillard vor dem Österreicher Fabio Gstrein und dem Norweger Henrik Kristoffersen gewann. Vielmehr kritisierte Straßer die gesamte Olympia-Organisation als „steriles Ding“.
Der Routinier bemängelte, dass in Bormio – wo bei diesen auf ganz Norditalien verteilten Winterspielen nur die alpinen Ski-Männer im Einsatz waren – kein olympisches Flair oder Miteinander zu spüren gewesen sei. Mit Tribünen in großer Entfernung und einer Trennung der Athleten von Fans und Freunden sei Olympia deutlich weniger emotional als Weltcup-Klassiker in Kitzbühel, Adelboden oder Schladming. „Das willst du doch erleben und nicht so ein steriles Ding“, sagte Straßer.
Container neben dem Friedhof statt Menschenverbindung
Auch Wolfgang Maier, Sportvorstand des Deutschen Skiverbandes, teilte diese Kritik. „Bei der Eröffnungsfeier hat man gezeigt, wie man die olympischen Ringe zusammenführt und wie man Menschen verbindet über den Sport“, sagte er. „Und jetzt sind wir hier in der Enklave und die Container stehen knapp neben dem Friedhof.“ Tatsächlich wurden das Zielstadion, die Presse- und Funktionärszelte sowie weitere Technik-Container in Bormio direkt neben einem Friedhof aufgebaut.
Straßer lief nach dem Rennen mit den Skiern über der Schulter in genau jene Richtung, um seine Frau, die beiden Kinder und andere Verwandte zu treffen. Als er über die Ziellinie fuhr, warteten diese nicht in Sichtweite, sondern irgendwo im Pulk mit anderen Fans neben der Strecke. Wo genau, konnte Straßer nicht sagen.
Rückblick: „Peking gar nicht so schlecht“
Der Athlet des TSV 1860 München zog ein bemerkenswertes Resümee: „Bormio zeigt mir eigentlich, dass Peking gar nicht so schlecht war.“ 2022 in China waren wegen der Pandemie keine Zuschauer zugelassen, doch Straßer erinnerte sich: „Das zwar mit Corona, das war ein bisschen anstrengend alles, aber wir waren in einem olympischen Dorf, Eiskanal-Athleten waren dabei, es war ein Riesen-Speisesaal, es war ein Miteinander.“ Selbst das sei im Vergleich mit Bormio – in einer Wintersport-Kernregion – nicht so schlimm gewesen.
Besonders wurmte Straßer, dass die Skirennfahrer in Bormio von den mehr als fünf Autostunden entfernten Skirennfahrerinnen in Cortina getrennt waren. „Wie gern hätte ich mit der Emma die Medaille gefeiert“, haderte er mit Verweis auf die Silbermedaille von Emma Aicher in der Abfahrt. „Mit der einmal anstoßen, das wäre cool gewesen.“
Keine emotionale Geste für Weggefährten erlaubt
Schon im ersten Durchgang hatte sich Straßer über die Olympia-Organisation geärgert, als ihm verboten wurde, im Ziel seinen guten Freund AJ Ginnis nach dessen letztem Rennen gebührend zu empfangen. „Das ist typisch Olympia, oder?“, sagte er. „Lasst doch einmal irgendwas... aber gut, alles für die Show, für die sterile.“ Im Skirennsport ist es üblich, dass Athleten nach ihren letzten Fahrten im Ziel von Weggefährten in Empfang genommen werden. „Nicht würdig“ gegenüber den Sportlern sei solch ein Verhalten der Olympia-Macher, kritisierte Straßer.
Deutsche Medaillenflaute hält an
Durch die verpasste Medaille – Straßer fehlte mehr als eine Sekunde auf Platz drei – hält die Durststrecke deutscher Ski-Männer bei Olympia an. Markus Wasmeiers Doppel-Gold 1994 waren die bis dato letzten Medaillen eines männlichen deutschen Skirennfahrers bei Winterspielen. Doch auch solch eine Statistik war Linus Straßer an diesem Montag herzlich egal. Sein Fokus lag eindeutig auf der fundamentalen Kritik an den Olympischen Spielen 2026 und ihrer sterilen, emotionslosen Umsetzung in Bormio.



