Alpin-Ass Straßer kritisiert sterile Olympia-Atmosphäre: „Sport lebt von Fan-Interaktion“
Nach seinem neunten Platz im Olympia-Slalom von Bormio hat sich der deutsche Skifahrer Linus Straßer (33) erneut deutlich zu den Rahmenbedingungen der Winterspiele geäußert. In einem ausführlichen Instagram-Post erklärt der Athlet seine zuvor im TV-Interview geäußerte Kritik und geht dabei in die Tiefe.
„Olympia braucht echte Nähe und echte Fans“
„Sport ist ein Wettkampf, der ganz entscheidend von der Interaktion mit den Fans lebt“, schreibt Straßer in seinem Beitrag. „Wir Sportler brauchen unsere Anhänger und Familien. Wir brauchen ihren Zuspruch, ihr Mitfiebern, ihre Nähe.“ Der Skifahrer betont, dass ihn besonders die räumliche Trennung von den Zuschauern geärgert habe.
„Was ich aber nicht akzeptieren kann: Wenn wir Sportler, wie in Bormio geschehen, von unseren Fans getrennt werden“, so Straßer weiter. „Olympische Spiele brauchen echte Nähe, echte Fans, echte Enthusiasten, die uns tragen, mit uns leiden, uns besser machen, uns verzeihen und trösten, wenn es mal nicht gut läuft.“
Gitter trennen Athleten von jungen Fans
Ein besonders prägender Moment sei ihm im Kopf geblieben, als vier Kinder ihn um Autogramme baten. „Es war ein Akt, die Autogramm-Bücher durch die Gitter durchzuschieben“, beschreibt Straßer die Situation. „Ein Selfie-Wunsch war grotesk zu erfüllen, weil es nicht nach einer glücklichen Begegnung aussah, wir waren sichtbar durch Gitter getrennt.“
Der Skifahrer betont, dass ihm diese Situation mehr als unangenehm gewesen sei, obwohl er nichts für die Rahmenbedingungen könne. Diese Art der Inszenierung widerspreche dem eigentlichen Zweck der Olympischen Spiele.
Vorbildfunktion des Sports in Gefahr
„Olympia soll Menschen motivieren, wieder an sich zu glauben, soll Kindern Vorbilder schenken, denen sie nacheifern und deretwegen sie in Sportvereine gehen“, schreibt Straßer. Der Athlet betont, dass er niemandem etwas kaputtmachen oder schlechtreden wolle, sondern auf ein grundlegendes Problem hinweisen möchte.
„Olympia ist ein wertvolles Gut, eine großartige, inspirierende Idee“, so der Skifahrer. „Ich habe aber im Fernsehen auch gesehen, dass es Wettbewerbe gab, wie beim Freestyle, wo Sportler den Zugang zu den Fans hatten. Und genau so muss es sein.“
Lehren für deutsche Olympia-Bewerbung
Aus seiner Kritik zieht Straßer konkrete Schlussfolgerungen für die deutsche Olympia-Bewerbung: „Wir bemühen uns in Deutschland gerade um Olympische Spiele! Das finde ich gut und wichtig! Ich bin total dafür. Aber denkt an die Sportler, denkt an die Fans, hört ihnen zu und erschafft wieder Spiele, bei denen besondere Momente entstehen.“
Nur dann sei Olympia das, was es sein solle: „ein Sportfest der Superlative, voller Zauber, voller Magie und voller Wärme.“ Der Athlet betont, dass es bei den Spielen um Verbindungen gehen müsse, die berühren und inspirieren.
Kritik nicht aus Frust über Ergebnis
Straßer wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Äußerungen seien nur aus Frust über den neunten Platz im Slalom entstanden. „Ich habe das alles nicht gesagt, weil ich über mein sportliches Abschneiden frustriert war!“, betont er. „Es war kein spontaner Ausdruck aus einer sportlichen Enttäuschung heraus.“
Zum Wettkampf selbst schreibt der Skifahrer: „Mir hat das Rennen richtig viel Spaß gemacht, ich kann auch mit dem Ergebnis gut leben. Ich war im Wettkampf, habe alles aus mir rausgeholt, was an dem Tag möglich war. Ich war einfach nicht der Beste, hatte keine Medaille verdient.“
„Meine Worte haben hohe Wellen geschlagen“
Der Athlet ist sich der Wirkung seiner Kritik bewusst: „Meine Worte in Italien haben hohe Wellen geschlagen. Sie wurden gleichermaßen diskutiert, beklatscht und kritisiert. Selten zuvor habe ich so viel Feedback auf Gesagtes bekommen.“
Straßer betont, dass er mit seinen Äußerungen ein Empfinden in Worte fassen wollte. „Ich habe einfach versucht, mein Gefühl auszudrücken“, schreibt er. „Und ich bin überzeugt, dass wir Athleten auch mal unseren Mund aufmachen müssen.“
Der Skifahrer hofft, dass seine Kritik dazu beiträgt, zukünftige Olympische Spiele näher an den Menschen zu gestalten und die magische Atmosphäre zu bewahren, die den Sport zu einem besonderen Ereignis macht.



