Berlin - Droht dem gestrandeten Wal nach seiner Rückkehr in die Nordsee Ärger von seiner Mutter? Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus hatte dies scherzhaft angedeutet, nachdem der Poeler Buckelwal auf einen Ladekahn verladen und zum Transport zur Nordsee gebracht worden war. Doch würde der vier bis sechs Jahre alte Bulle tatsächlich seine Familie suchen, falls er den Transport und die Freilassung langfristig überlebt?
Bartenwale: Keine stabilen sozialen Gruppen
Die Antwort lautet: Nein. „Im Gegensatz zu Zahnwalen bilden Bartenwale keine stabilen sozialen Gruppen, sogenannte Schulen“, erklärte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Die Kälber bleiben lediglich während der etwa zwölfmonatigen Stillzeit bei ihren Müttern. Nach dieser Zeit trennen sich ihre Wege.
Einzelgänger mit gelegentlichen Kontakten
„Während wir Menschen unseren Eltern oft ein Leben lang nahestehen, trennen sich die Wege zwischen Buckelwalen recht schnell“, erklärte die Organisation WDC. Zwar kommen sie punktuell mit Artgenossen zusammen – etwa um effektiver zu jagen, sich zu paaren oder gemeinsame Kulturen zu pflegen. „Im Großen und Ganzen sind Buckelwale jedoch Einzelgänger.“
Lebenserwartung und Gefahren
Buckelwale haben laut WDC eine Lebenserwartung von etwa 80 Jahren. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Bullen ist Experten zufolge oft geringer, unter anderem wegen aggressiver Konkurrenzkämpfe um Weibchen. Wale wie der Poeler Buckelwal geraten häufig in Fischereinetze, was zu Erstickung, Verhungern oder schweren Verletzungen führen kann. Weltweit sterben nach WDC-Angaben jährlich rund 300.000 Wale und Delfine als unbeabsichtigter Beifang – meist unbemerkt.
Klimakrise als Hauptbedrohung
Die Hauptbedrohung für Buckel- und andere Großwalarten sind jedoch die steigenden Meerestemperaturen infolge der Klimakrise. Auch Müll macht den Tieren zu schaffen: „Wale und Delfine können nicht gut unterscheiden, was Nahrung und was Müll ist.“



