Keiner der Seefahrer überlebte die historische Franklin-Expedition von 1845. Der britische Polarforscher John Franklin war mit der HMS "Terror" und der HMS "Erebus" aufgebrochen, um die legendäre Nordwestpassage zu finden. Insgesamt 129 Männer wagten den Weg, keiner von ihnen kehrte zurück. Zwei Jahre steckten die Schiffe im Eis fest, ein Großteil der Besatzung versuchte daraufhin, über das Eis in die Zivilisation zu gelangen – erfolglos. Lange bekannt ist durch Überlieferungen auch, dass es im Todeskampf der Männer zu Fällen von Kannibalismus kam. Bis heute ranken sich Rätsel um die verhängnisvolle Expedition, viele Fragen waren lange offen oder sind es immer noch.
Wracks erst vor wenigen Jahren entdeckt
Die lange verschollenen Wracks der Expeditionsschiffe wurden erst in den vergangenen Jahren gefunden: 2014 das Wrack der HMS "Erebus" vor der kanadischen Adelaide-Halbinsel; 2016 das der HMS "Terror" in einer Bucht der King-William-Insel, gut 250 Kilometer nördlich des Polarkreises. Doch was genau geschah mit den Männern an Bord? DNA-Proben mit Erbgut von Nachkommen von Expeditionsmitgliedern verglichen.
Frühere Identifikationen
2021 und 2024 identifizierten Forscher die Skelettüberreste von zwei Seeleuten der HMS "Erebus" – den Ingenieur John Gregory sowie den Ersten Offizier Captain James Fitzjames, dessen Knochen Spuren von Kannibalismus aufwiesen. Nun haben Wissenschaftler der kanadischen University of Waterloo in zwei separaten Arbeiten die Identität von insgesamt vier weiteren Expeditionsteilnehmern bestätigt. Dafür verglichen sie DNA-Proben von Zähnen und Knochen mit dem Erbgut von 31 heute noch lebenden Nachkommen von Familien der Expeditionsmitglieder.
Neu identifizierte Opfer
Eindeutig bestimmt werden konnten die sterblichen Überreste von David Young, einem 17 Jahre alten Schiffsjungen auf der HMS "Erebus", und von John Bridgens, einem Offizierssteward auf demselben Schiff. Bridgens' Skelett wurde auf demselben der drei auf dem Marsch mitgenommenen Beiboote gefunden, auf dem auch Gregorys Überreste entdeckt worden waren. Beim dritten Opfer handelt es sich um den Seemann William Orren. Seine Überreste wurden in der Nähe eines anderen Beibootes gefunden, 1,7 Kilometer von der Fundstelle des ersten entfernt.
Besonderer Fund: Besatzungsmitglied der HMS "Terror"
Besonders interessant ist die vierte Person: Mit dem Unteroffizier Harry Peglar konnte erstmals ein Besatzungsmitglied der HMS "Terror" identifiziert werden – und das weit entfernt von den Schiffen. Peglar muss sich weit vorgekämpft haben, möglicherweise allein. Gebeine, die man mit ihm in Verbindung brachte, waren bereits 1859 rund 130 Kilometer von den anderen entfernt gefunden worden. Nun konnte man sie ihm eindeutig zuordnen. "Die Identifizierung dieses Seemanns ist besonders interessant, weil seine Gebeine mit den wenigen von dieser Expedition bekannten schriftlichen Dokumenten gefunden wurde", erklärt das Forschungsteam. Der Tote hatte persönliche Papiere bei sich, darunter sein Seemannspatent und einige Notizen. Allerdings entsprach seine Kleidung nicht seinem Rang, und es war bis heute strittig geblieben, ob es sich wirklich um Peglar handelte. Nun konnte man ihn identifizieren.



