Apple hat bei Künstlicher Intelligenz den Anschluss verpasst. Das zeigt sich besonders bei Siri: Versprochene Neuerungen blieben aus, in den USA zahlte der Konzern deshalb zuletzt 250 Millionen US-Dollar Entschädigung an Kunden. Jetzt soll ausgerechnet Konkurrent Google mit Gemini die Wende bringen.
Verschlafene Entwicklung und interner Zoff
Schon 2024 hatte Apple angekündigt, der Assistent solle auf ChatGPT-Niveau arbeiten und persönlichen Kontext verstehen. Ein unrühmlicher Werbespot mit Bella Ramsey, der die angeblichen Fähigkeiten zeigte, wurde später gelöscht – geliefert wurde das Versprechen bislang nicht.
Apple arbeitet bereits seit 2024 bei bestimmten KI-Funktionen mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI zusammen. Im Januar 2026 wurde zudem verkündet, dass bestimmte Siri-Funktionen künftig von Konkurrent Google und seiner KI Gemini übernommen werden. Für viele ist es das endgültige Eingeständnis, dass Apples eigene KI-Ambitionen gescheitert sind.
Warum Siri so schwer zu modernisieren ist
Siri startete 2011 als sogenanntes Intent-basiertes System. Feste Befehle lösen klar definierte Aktionen aus. Für Wetterabfragen reicht das, für offene Gespräche oder komplexe Fragen nicht. Der Wechsel auf große Sprachmodelle bedeutet keinen Feinschliff, sondern einen Neuaufbau.
Apple entwickelt zwar eigene Modelle, doch die Umsetzung in einen Assistenten kollidiert mit internen Vorgaben beim Datenschutz. Leistungsfähige Modelle brauchen große Datenmengen, die auf externen Servern ausgewertet werden. Apple bevorzugte lange die lokale Verarbeitung von Nutzerdaten, was das Training von KI-Modellen stark einschränkt.
Der Konzern ist grundsätzlich risikoscheu und hat den Umbau in ein KI-Sprachmodell lange verschleppt. ChatGPT und Co. sind dafür bekannt, gelegentlich zu halluzinieren. Falsche Antworten bei einem Chatbot sind zwar ärgerlich – bei einem tief integrierten Assistenten wie Siri können Fehlaktionen jedoch schwerwiegende Probleme verursachen.
Apple sieht die Qualitätsanforderungen an seine internen KI-Modelle bislang nicht erfüllt. Software-Chef Craig Federighi sagte dazu im Interview mit „Wall Street Journal“: „Das funktioniert einfach nicht zuverlässig genug, um ein Apple-Produkt zu sein.“
Interne Reibung und starke Konkurrenz
Auch interne Strukturen sollen gebremst haben. Siris Entwicklung war über Jahre auf mehrere Abteilungen verteilt, was Entscheidungen erschwerte. Fortschritte aus der Forschung kamen dadurch nur langsam im Produkt an.
Der frühere KI-Chef John Giannandrea soll Siri zwar vorangebracht haben, konnte aber Forschung, Infrastruktur und Produktentwicklung nicht zusammenführen. Gleichzeitig entwickelte die Konkurrenz ihre Modelle in hoher Geschwindigkeit weiter.
Apple stieg zudem erst spät in die Entwicklung großer Sprachmodelle ein. Google und OpenAI investierten früh in Transformer-Modelle und Cloud-Infrastruktur. Spätestens nach dem Start von ChatGPT im Jahr 2022 wurde der Rückstand sichtbar.
iOS 27 soll eine neue Wahl ermöglichen
Apple setzt inzwischen auf eine hybride Strategie: Kleinere Modelle laufen lokal, anspruchsvolle Aufgaben über Apples eigene Server. Für komplexe Anfragen ist ChatGPT direkt in Apple Intelligence eingebunden und auch über Siri per „Frag ChatGPT“ erreichbar.
Für 2026 ist nun eine neue Siri auf Basis von Google Gemini angekündigt. Sie soll persönlichen Kontext aus Kalender, Mails und Nachrichten verstehen und Apps eigenständig steuern können. Mit der geplanten Siri-App können Nutzer zudem Chats wie bei ChatGPT und Gemini starten – alles unter dem Schirm von Apple Intelligence.
Mit iOS 27 soll darüber hinaus die Wahl beim Assistenten kommen: Statt Apple Intelligence könnten auch Google Gemini, Anthropic Claude und weitere Optionen nutzbar werden. Apple zieht damit mit Android gleich, das diese Auswahl bereits seit 2025 ermöglicht. Nutzer werden damit nicht zu Apple Intelligence gezwungen, sondern können den KI-Assistenten wählen, der ihre Anforderungen am ehesten erfüllt.



