Harald Martenstein adressiert Olaf in neuer BILD-Kolumne über KI und Kultur
Harald Martenstein (72) verfasst ab sofort die tägliche Kolumne in der BILD-Zeitung. In seiner ersten Ausgabe vom 25. März 2026 wendet er sich direkt an einen fiktiven oder realen Olaf, der in einer bedeutenden Kulturinstitution mit ausführlichem Namen tätig ist. Wie viele andere Einrichtungen stellt sich auch diese die fundamentale Frage, welche Veränderungen und Chancen die künstliche Intelligenz für den kulturellen Sektor bereithalten wird.
Hemingways Meisterwerk als Ausgangspunkt der Reflexion
Martenstein erinnert an Ernest Hemingways berühmte Novelle „Der alte Mann und das Meer“, die nahezu jedem Leser ein Begriff ist. Als Hemingway dieses Werk verfasste, hatten ihn zahlreiche Kritiker bereits abgeschrieben und als ausgebrannten Säufer abgetan. Die Geschichte handelt von einem alten Fischer, der nach 84 erfolglosen Tagen noch einmal hinausfährt und einen gewaltigen Fisch an die Angel bekommt. In einem heroischen Kampf gegen Haie verliert er seine Beute fast vollständig und kehrt letztlich nur mit einem Skelett zurück.
Im Kern, so Martenstein, schreibt Hemingway hier über sein eigenes vermeintliches Ende als Autor. Ironischerweise wurde genau dieser letzte Roman zu einem überwältigenden Erfolg und festigte Hemingways literarisches Vermächtnis nachhaltig.
Die künstliche Intelligenz interpretiert den Klassiker neu
In einem gedanklichen Experiment gibt der angesprochene Olaf einer KI den Auftrag, dieselbe Grundgeschichte zu verfassen – allerdings mit signifikanten Abwandlungen. Anstelle des alten Fischers tritt die kleine Lina, und der Riesenfisch wird durch eine einfache Bratwurst ersetzt. Die KI soll dies im unverkennbaren Stil Ernest Hemingways umsetzen.
Das Ergebnis lautet: „Lina kroch aus dem Boot. Ihre Hände waren wund. Ihr Gesicht war salzig. Sie sah nicht zurück. Draußen hing die leere Pelle der Bratwurst im Wind. Und das Meer atmete weiter, gleichgültig und groß.“
Martenstein beschreibt diese Passage als zutiefst schräg und dennoch erstaunlich gut geschrieben. Die künstliche Intelligenz demonstriert hier einen eigenwilligen Humor, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Dies führt den Kolumnisten zu einer tiefgründigen Spekulation über die Zukunft.
KI als mögliches letztes Zeugnis der Menschheit
Falls die Menschheit eines Tages nicht mehr existieren sollte, wird es womöglich die künstliche Intelligenz sein, die unsere Geschichten weitererzählt – solange sie noch mit Strom versorgt wird. Martenstein spinnt diesen Gedanken weiter und fragt sich, ob die KI am Ende das Einzige sein könnte, was von der menschlichen Zivilisation übrig bleibt. Auch wenn dies nur ein schwacher Abglanz wäre, so sei es doch immerhin besser als gar nichts.
Die Kolumne schließt mit der höflichen Grußformel „Hochachtungsvoll Ihr Harald Martenstein“ und lädt die Leserschaft ein, eine eigene Meinung zu diesem Beitrag zu äußern und direkt mit dem Autor in Kontakt zu treten.



