Joachim Löw analysiert den deutschen Nationalkader von Julian Nagelsmann
Der ehemalige Bundestrainer Joachim Löw hat sich in einem ausführlichen Interview zur aktuellen Situation der deutschen Fußballnationalmannschaft geäußert. Dabei richtete er seinen Fokus insbesondere auf zwei Schlüsselspieler: Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Löw, der die DFB-Auswahl von 2006 bis 2021 trainierte, legt sich in seiner Bewertung klar fest und gibt interessante Einblicke in seine taktischen Überlegungen.
Kimmich als Rechtsverteidiger bei der Weltmeisterschaft
Joachim Löw sieht DFB-Kapitän Joshua Kimmich bei der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli 2026) in der Position des Rechtsverteidigers. „Ich glaube, dass Joshua aktuell auf jeder der beiden Positionen auf Weltklasse-Niveau spielt“, erklärte Löw gegenüber der Sport Bild. „Momentan würde ich sagen: Da wir im zentralen Mittelfeld Spieler haben, die das Niveau haben, um ganz nach oben zu kommen, ist Joshua rechts auf der richtigen Position. Denn bei den Rechtsverteidigern tun wir uns schwer.“
Diese Einschätzung deckt sich mit den Plänen von Bundestrainer Julian Nagelsmann, der bereits frühzeitig angekündigt hatte, Kimmich bei der WM in der Abwehr einsetzen zu wollen. Interessant ist dabei der historische Vergleich: Löw selbst hatte bei der WM 2014 mit Kapitän Philipp Lahm eine ähnliche Entwicklung vollzogen – begann mit ihm im defensiven Mittelfeld und beorderte ihn im Turnierverlauf nach rechts hinten.
Goretzka trotz weniger Spielzeit im Fokus
Die Nominierung von Leon Goretzka für die anstehenden Testspiele gegen die Schweiz und Ghana sieht Löw als vollkommen gerechtfertigt an. „Leon ist gut, er ist ein Spieler, von dem man Stabilität erwarten darf“, betonte der 66-Jährige. „Er hat Erfahrung, kann seine Rolle sehr gut interpretieren. Wenn man die ganze Saison zusammennimmt, hatte er schon viele Einsätze und viele Spielminuten. Das ist okay, ich glaube, das reicht so.“
Goretzka steht im Kader für die Partien gegen die Schweiz am Freitag (20.45 Uhr) und Ghana am Montag (20.45 Uhr). Nagelsmann hatte zuletzt in seinem viel beachteten Interview mit dem kicker erklärt, Goretzka werde „trotz weniger Spielzeit bei Bayern“ bei der WM „gute Chancen haben, zu spielen und eine ähnliche Rolle zu haben wie in der WM-Quali“. Dort war Goretzka in sechs Spielen immer zum Einsatz gekommen, fünfmal stand er in der Startelf.
Löw teilt Nagelsmanns Einschätzung
Der Ex-Bundestrainer teilte diese positive Bewertung und hob eine besondere Eigenschaft des Mittelfeldspielers hervor: „Auf Leon ist Verlass“, meinte Löw mit Nachdruck. Auch zu Goretzkas Klubkollegen Aleksandar Pavlovic, der dem DFB-Team aktuell verletzungsbedingt fehlt, äußerte sich Löw anerkennend: „Sehr gut, keine Frage. Und gerade bei Bayern braucht man eben Spieler, die dann auch gleichwertig ersetzt werden können.“
Abschließend bekräftigte Löw seine Überzeugung: „Auf Leon würde ich bei der WM sicherlich setzen, absolut.“ Diese klaren Worte des erfahrenen Trainers unterstreichen die Bedeutung, die Goretzka im deutschen Kader auch bei begrenzter Spielzeit in München zukommt.
Die Analyse von Joachim Löw bietet damit nicht nur interessante Einblicke in die aktuelle DFB-Planung, sondern zeigt auch die Kontinuität bestimmter taktischer Überlegungen im deutschen Fußball auf. Während Kimmich möglicherweise eine ähnliche Entwicklung wie einst Philipp Lahm durchlaufen könnte, bleibt Goretzka trotz wechselnder Umstände ein vertrauenswürdiger Stabilitätsfaktor für die Nationalmannschaft.



