Peenemünde: Bundeswehr testet Hyperschall-Triebwerke mit Polaris
Die Forschung an Raketenantrieben für militärische und zivile Zwecke ist zurück in Peenemünde auf der Insel Usedom. Das Unternehmen Polaris Raumflugzeuge GmbH, eine Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, entwickelt dort Raumflugzeuge und Hochgeschwindigkeits-Fluggeräte mit neuartigen Triebwerken. Auftraggeber ist nun auch die Bundeswehr, wie ein Sprecher des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr bestätigt.
Historischer Standort mit neuer Mission
Der Standort Peenemünde weckt historische Erinnerungen: Während des Zweiten Weltkriegs befand sich dort die Heeresversuchsanstalt der Wehrmacht, wo die Nationalsozialisten die V2-Rakete entwickeln ließen. Heute geht es um innovative Flugkörper für die Zukunft. Alexander Kopp, Gründer und Inhaber von Polaris mit Hauptsitz in Bremen, erklärt, dass sein Unternehmen im Auftrag der Bundeswehr an einem zweistufigen Hyperschall-Forschungsflugzeug arbeite. Ob die Tests ausschließlich in Peenemünde stattfinden, sei noch unklar, aber regelmäßige Flugerprobungen von skalierten Raumflugdemonstratoren fänden dort bereits statt.
Flugverbotszone für Forschungszwecke
Seit Jahresbeginn ist über Peenemünde bis zur Insel Rügen eine riesige Flugverbotszone ausgewiesen. Das Bundesministerium für Verkehr hat diese Zone bis Ende 2028 eingerichtet, in der täglich von 8 bis 20 Uhr im Sommer und 8 bis 18 Uhr im Winter sämtliche anderen Flüge untersagt sind – einschließlich Modellflug. Dies gilt vom Boden bis in etwa 1500 Meter Höhe und ist auf der digitalen Plattform für unbemannte Luftfahrt nachlesbar. Die Maßnahme dient ausschließlich dem Forschungsprojekt von Polaris.
Innovative Technologie und zivile Nutzung
Polaris forscht bereits seit Jahren in Peenemünde, bisher vorwiegend für zivile Anwendungen. Der Fokus liegt nun auf Fluggeräten mit einem Aerospike-Raketenantrieb. Der Erstflug eines solchen Systems ist bis Ende 2027 geplant. Ab 2028 soll ein Raumflugzeug in der Lage sein, Satelliten mit einem Gewicht von bis zu einer Tonne in den Orbit zu transportieren. Langfristig sind sogar größere Lasten wie Raumstationen denkbar.
Unterstützung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern
Das Schweriner Wirtschaftsministerium unterstützt das Start-up Polaris, das zahlreiche Arbeitsplätze schaffen will. Ein Sprecher des Ministeriums betont, dass man bei Fragen zur Ansiedlung und zur Nutzung der Infrastruktur in Peenemünde helfe. Das Ministerium habe zwar Kenntnis von der Forschung für die Bundeswehr, sei aber nicht direkt involviert. Es handle sich um innovative Komponenten für Weltraumflugzeuge, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können – beispielsweise für Aufklärungsmissionen im Weltall.
Geheimhaltung und Sicherheitsmaßnahmen
Art und Inhalt der Aktivitäten in Peenemünde sind aus Gründen der militärischen Sicherheit geheim. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr äußert sich nicht dazu, ob und wie das Areal am Flughafen in Peenemünde durch die Bundeswehr abgesichert wird. Derzeit sei keine dauerhafte Präsenz geplant.
Zukunftspläne für den Standort
Thomas Lamla, Besitzer des Areals in Peenemünde, verfolgt seit Jahren die Vision eines Luft- und Raumfahrtzentrums sowie eines Forschungszentrums für regenerative Energien – trotz Widerstände. Er betont: „Wir müssen endlich anfangen, die hundert Meter Strand gegen Arbeitsplätze zu tauschen.“ Das Land Mecklenburg-Vorpommern sieht in dem Projekt eine Chance für wirtschaftliche Entwicklung und technologische Innovation.



