ESA-Chef Aschbacher: Ohne europäische Technologie fliegt niemand zum Mond
ESA-Chef: Ohne Europa fliegt niemand zum Mond

ESA-Chef Aschbacher betont Europas entscheidende Rolle bei Mondmissionen

In dieser Woche richtet sich die Aufmerksamkeit der Welt erneut auf den Mond. Am Mittwoch öffnet sich das mögliche Startfenster für die historische Mission Artemis 2, die erstmals seit Apollo 17 im Jahr 1972 wieder Astronauten in die Mondumlaufbahn bringen soll. Gleichzeitig verkündete die NASA eine strategische Neuausrichtung ihrer Mondpläne und setzte vorerst die geplante Raumstation Gateway aus, an der auch Europa maßgeblich beteiligt gewesen wäre.

Europäisches Servicemodul als unverzichtbare Komponente

Im exklusiven BILD-Interview in München erläutert ESA-Generaldirektor Dr. Josef Aschbacher die europäischen Beiträge: „Das Artemis-Programm ist von enormer Bedeutung für Europa. Wir liefern das European Service Module, das wir mit zahlreichen Industriepartnern in Europa entwickeln und bauen. Ohne dieses Modul könnten die Astronautinnen und Astronauten weder zum Mond fliegen noch sicher zur Erde zurückkehren.“ Das ESM stellt den Antrieb, die Sauerstoffversorgung und die Temperaturregelung bereit – essentielle Systeme für den Erfolg der Mission.

Deutscher Astronaut für Mondflug geplant

Aschbacher bestätigt, dass einer der drei von der NASA zugesagten Flüge an eine deutsche Staatsbürgerin oder einen deutschen Staatsbürger gehen wird: „Die Flüge werden Europa von der NASA zugeteilt, die finale Auswahl der Astronautinnen und Astronauten liegt anschließend in meiner Verantwortung. Wer den historischen Flug antreten wird, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekanntgeben.“ Zu den potenziellen Kandidaten gehören die erfahrenen ESA-Astronauten Matthias Maurer und Alexander Gerst.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Strategische Neuausrichtung nach Gateway-Aussetzung

Die überraschende Entscheidung der NASA, die Gateway-Raumstation vorerst auszusetzen, bewertet Aschbacher differenziert: „Wir haben bereits vorher über mögliche Anpassungen diskutiert. Jetzt müssen wir die neue Situation analysieren und bewerten. Ich habe meine Teams beauftragt, alle getätigten Investitionen zu prüfen und Wege für deren künftige Nutzung zu erarbeiten.“ Bis zur ESA-Ratssitzung im Juni soll ein konkreter Umsetzungsplan vorliegen.

Wettlauf mit China beschleunigt Mondpläne

Hinter der strategischen Neuausrichtung der NASA steht laut Aschbacher der klare Auftrag, noch vor Ende 2028 wieder Astronauten auf dem Mond landen zu lassen und dort eine nachhaltige Infrastruktur aufzubauen: „Der Wettbewerb zwischen den USA und China spielt eine zentrale Rolle für diese Beschleunigung. Es geht um Rover, Energiegewinnung, Ressourcennutzung und Kommunikationssysteme direkt auf der Mondoberfläche.“

Europas Mondaktivitäten konzentrieren sich auf Oberflächenprojekte

Entgegen möglicher Befürchtungen bedeutet die Gateway-Entscheidung keineswegs das Ende europäischer Mondambitionen: „Ganz im Gegenteil – der Fokus verlagert sich stärker auf die Mondoberfläche, und genau dort ist Europa bereits seit Jahren aktiv. Projekte wie Moonlight für Kommunikation und Navigation oder Argonaut als Mondtransporter-Programm passen perfekt zur neuen strategischen Ausrichtung.“

Internationale Partnerschaften jenseits der USA

Aschbacher betont die bereits bestehende Erweiterung der internationalen Kooperationen: „Wir arbeiten intensiv mit Japan und Kanada zusammen und pflegen Partnerschaften mit Australien, Südkorea, Indien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und weiteren Nationen. Die ESA ist als internationaler Partner sehr gefragt, weil wir technologisch exzellent und zuverlässig sind.“

Kritische Abhängigkeiten von Satellitensystemen

Zur wachsenden Bedeutung der Raumfahrt für kritische Infrastrukturen erklärt der ESA-Chef: „Ein Ausfall zentraler Satellitensysteme hätte gravierende Folgen. Navigation würde zusammenbrechen, Kommunikation wäre massiv eingeschränkt, selbst Finanztransaktionen und Wettervorhersagen wären betroffen. Unser gesamter Alltag hängt heute von dieser Technologie ab.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Raumfahrt als Sicherheitsfaktor für Europa

Abschließend unterstreicht Aschbacher die sicherheitspolitische Dimension: „Ohne Raumfahrt gibt es heute keine Sicherheit und Verteidigung mehr. Als ESA entwickeln und nutzen wir Raumfahrttechnologien, um die Sicherheitsakteure unserer Mitgliedsländer und der EU zu unterstützen und die Widerstandsfähigkeit Europas insgesamt zu stärken.“