Die Abendlage: Drei zentrale Themen des Tages
1. Trump und die Nato – eine komplizierte Beziehung
Donald Trump äußert öffentlich Zweifel am Sinn der Nato-Mitgliedschaft der USA. Seit Tagen ärgert er sich darüber, dass seine Bündnispartner ihm im Konflikt mit Iran nicht folgen wollen. „Holt Euch Euer eigenes Öl“, lautete eine seiner jüngsten Äußerungen. Die Blockade der Straße von Hormus, der wichtigsten Seepassage für Öl- und Gaslieferungen, verschärft die Situation zusätzlich.
Verschiedene EU-Länder untersagen inzwischen die Nutzung US-amerikanischer Militärbasen auf ihrem Staatsgebiet, was Trump weiter verärgert. In einem Interview mit der britischen Zeitung „The Daily Telegraph“ zweifelte er öffentlich an der Glaubwürdigkeit des Verteidigungsbündnisses.
US-Außenminister Marco Rubio erklärte gegenüber „Fox News“, der Nutzen der Nato bestehe vor allem darin, Stützpunkte in Europa zu haben, die es dem US-Militär ermöglichten, „Macht in verschiedenen Teilen der Welt auszuüben“. Ein Austritt der USA aus der Nato wäre zwar kompliziert, doch die Gedankenspiele Trumps haben bereits jetzt Wirkung – nicht zuletzt in Moskau, wo Wladimir Putin die Entwicklung vermutlich mit Interesse verfolgt.
2. Historische Mondmission nach 50 Jahren
In der Nacht startet die Artemis-Mission – zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder mit Menschen an Bord. Um 00:24 Uhr deutscher Zeit soll die Rakete abheben, sofern nicht in letzter Sekunde technische Probleme auftreten. Die vier Raumfahrerinnen und Raumfahrer werden den Mond diesmal nicht betreten, sondern umrunden.
Dabei werden sie weiter von der Erde entfernt sein als je zuvor Menschen. Christoph Seidler, der die Vorbereitungen seit Jahren begleitet, betont: „Die Mission ist historisch, aber auch nicht ohne Risiko. Weder mit der Rakete noch mit der Raumkapsel sind jemals zuvor Menschen geflogen.“ Besondere Sorge bereitet der Hitzeschild bei der Rückkehr zur Erde.
Die Crew und ihre Familien haben jahrelang auf diesen Moment gewartet, ebenso wie Raumfahrtinteressierte weltweit. Nach mehreren Verzögerungen hoffen alle Beteiligten, dass der Start nun endlich gelingt.
3. Apple wird 50: Vom Garagenstartup zum Weltkonzern
Apple feiert heute seinen 50. Geburtstag. Aus einer Garage in Kalifornien, wo drei Tüftler das Unternehmen gründeten, wurde einer der wertvollsten Konzerne der Welt. Zwei Produkte veränderten unser Leben besonders nachhaltig: der iPod und das iPhone.
Die Geschichte des Unternehmens ist geprägt von Erfolgen, aber auch von Fehlschlägen und internen Machtkämpfen. Steve Jobs, einer der Gründer, wurde zeitweise aus der Firma gedrängt, bevor er 2011 seinem Krebsleiden erlag. Sein Nachfolger Tim Cook führte Apple zu noch größerem Erfolg: Der Aktienkurs stieg von etwa zwölf Dollar bei Cooks Amtseinführung auf heute rund 250 Dollar – nach zwei Aktiensplits.
Eine interaktive Grafik zeigt die Entwicklung des Unternehmens im Zusammenhang mit der Einführung neuer Produkte. Für alle, die sich ärgern, nicht rechtzeitig in Apple investiert zu haben, könnte dieser Rückblick schmerzhaft sein.
Weitere wichtige Entwicklungen des Tages
Spritpreise steigen sprunghaft: Die neue Einmal-täglich-Regel treibt die Benzin- und Dieselpreise deutlich nach oben. Innerhalb weniger Minuten erhöhten Tankstellen ihre Preise im Schnitt um etwa acht Cent.
Wirtschaftswachstum gedämpft: Führende Wirtschaftsforschungsinstitute halbieren ihre Wachstumsprognose auf nur noch 0,6 Prozent. Der Energiepreisschock zeigt Wirkung, gleichzeitig wird eine höhere Inflation erwartet.
Subventionsskandal in Griechenland: Die Europäische Staatsanwaltschaft beantragt die Aufhebung mehrerer Immunitäten griechischer Abgeordneter. Hintergrund sind veruntreute Agrarsubventionen in Millionenhöhe.
Rettungsversuche für Buckelwal eingestellt: Der in der Ostsee gestrandete Wal bei Wismar wird sich voraussichtlich nicht mehr aus eigener Kraft befreien können. Experten gehen davon aus, dass das Tier sterben wird.
Kultureller Ausklang: Der „Heaven can wait“-Chor
Ein besonderes kulturelles Highlight bietet der „Heaven can wait“-Chor aus Hamburg. Seit über zehn Jahren singen hier Menschen, die mindestens 70 Jahre alt sind – die älteste Sängerin ist 94. Das Repertoire umfasst eigene Stücke, Cover-Versionen und teils überraschende Medleys, darunter sogar „Fuck you. I won’t do what you tell me“ von Rage Against the Machine.
Die Truppe tritt nicht nur in Hamburg auf, sondern auch in anderen deutschen Städten. Wer nicht live dabei sein kann, findet in der Arte-Mediathek die preisgekrönte Dokumentation „Heaven can wait – Wir leben jetzt“ noch bis zum 26. Juni.



