Schwerin rüstet sich für Klimafolgen
Deutschland verbessert den Schutz seiner Archive vor Klimaschäden. In Schwerin steht seit Mai ein mobiler Notfallanhänger bereit, der bei Wasserschäden schnell helfen soll. Das Bundesarchiv hat damit seinen vierten Standort für solche Geräte eingerichtet.
Übung zeigt Ernstfall
Bei einer Übung am 5. Mai demonstrierten Mitarbeiter des Stasi-Unterlagen-Archivs Schwerin, wie sie durchnässte Akten reinigen und verpacken. Mit Plastikhandschuhen spülten sie Blätter ab, sortierten sie und verpackten sie in Folie. Die Übung war Teil der Einführung des neuen Katastrophenschutzanhängers, der als mobiles Erstversorgungszentrum für beschädigtes Archivgut dient.
Vierter Anhänger bundesweit
Der Anhänger ist nach Berlin, Koblenz und Freiburg der vierte seiner Art. Finanziert wurde er aus Sondermitteln des Bundestages. Alexandra Titze, Vizepräsidentin des Bundesarchivs, betonte: „In Zeiten mit immer häufigeren extremen Wetterereignissen ist Katastrophenschutz wichtiger denn je.“
Erfahrung aus dem Ahrtal
Die Technik basiert auf Erfahrungen aus früheren Schadensfällen, etwa der Flut im Ahrtal 2021, bei der zahlreiche Archive und Museen unter Wasser standen. In Schwerin wird die Einheit beim Stasi-Unterlagen-Archiv stationiert. Referatsleiter Jens Niederhut erklärte: „Wir wollen im Katastrophenfall die Unterlagen retten oder erstversorgen.“
Ablauf der Rettung
Die Rettungskette beginnt mit dem Abspülen von Schlamm und Partikeln. Anschließend werden die Akten in Folie eingeschweißt und in Kühlhäuser gebracht, wo sie eingefroren werden. Sabine Protze, Leiterin der Bestandserhaltung, sagte: „Durch Gefriertrocknung kann man direkt vom gefrorenen in den trockenen Zustand übergehen, ohne dass die Schrift verläuft.“ So bleiben die Dokumente lesbar.
Standortvorteil Schwerin
Die Wahl fiel auf Schwerin wegen der Nähe zum Schweriner See. Niederhut erklärte: „Wir hatten hier schon mehrfach Wasser im Keller. Es ist bisher nichts passiert, aber Vorsorge ist sinnvoll.“ Das Bundesarchiv kann die Technik auch anderen Einrichtungen zur Verfügung stellen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch keine starken Notfallverbünde. Niederhut hofft auf eine Initialzündung für gemeinsame Katastropheninfrastruktur.
Netzwerk gestärkt
Mit dem neuen Anhänger ist ein weiterer Baustein im bundesweiten Netzwerk gesetzt. Titze betonte: „Wir stärken nicht nur das Stasi-Unterlagen-Archiv, sondern auch die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen.“ Im Norden kann nun schnelle Hilfe aus Schwerin anrollen, um Geschichte zu retten, bevor sie aufweicht.



