Kreidebergbau in MV: Weiße Hügel im Naturpark Nossentin
Kreidebergbau in MV: Weiße Hügel im Naturpark

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es keine hohen Gipfel, aber dennoch eine lange Tradition des Bergbaus. Im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide zeugen weiße Kreidehügel von dieser Geschichte. Ein besonders markantes Beispiel ist der Mühlenberg bei Nossentin, einem kleinen Dorf an der Landstraße zwischen Waren (Müritz) und Malchow. Wer aus Waren kommt, sieht kurz vor dem Ort in einer scharfen Kurve linker Hand einen weißen Berg – ein Überbleibsel jahrhundertelangen Kreideabbaus.

Kreideabbau brachte Wohlstand nach Nossentin

Die Kreide wurde in der Region über Jahrhunderte abgebaut und brachte den Bewohnern bescheidenen Wohlstand. Die Verwaltung des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide hat sich dieses Themas angenommen und bietet Führungen an, bei denen geologische und wirtschaftliche Zusammenhänge erläutert werden. Das Naturpark-Zentrum an der Kreuzung B 192/B 103 informiert mit einer umfangreichen Ausstellung über den gesamten Naturpark.

Der Mühlenberg und seine Geschichte

Der weiße Hügel, der Nossentiner Mühlenberg, kann auch eigenständig erkundet werden. Am anderen Ende des Dorfes führt ein Weg über eine große Wiese hinauf zur Kuppe. Im Gebüsch und unter Bäumen sind die Überreste einer einstigen Lorenbahnschlucht zu erkennen. Mit diesen Loren wurde die abgebaute Kreide nach unten transportiert, dort gebrannt oder direkt mit Kähnen über den Fleesensee verschifft. Auch der Landweg wurde genutzt, um die Kreide in andere Teile Mecklenburg-Vorpommerns zu bringen.

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Die Geografin Evelin Kartheuser, stellvertretende Leiterin des Naturparks, berichtete während einer Führung zum Tag des Geotops von der Geschichte des Kreideabbaus. Bereits 1768 ist eine Kalkbrennerei am See nachweisbar. Die Kreide wurde in Kalköfen gebrannt und als Baukalk oder Düngekalk verwendet. Auch Ziegel wurden hergestellt, da ab 1800 im Tagebau Tone gewonnen wurden. Von 1835 bis 1913 ist Ziegelproduktion belegt, seit 1887 gab es eine Dampfziegelei.

Vom Tagebau zum Naturerlebnis

Oben auf dem Mühlenberg bietet sich ein schöner Ausblick auf die hügelige Landschaft, die Dörfer Nossentin und Silz sowie den Fleesensee. Besonders auffällig ist die helle Kreide, die den Boden färbt. Von der einstigen Grube ist ein großes Loch geblieben, in dem sich ein kleiner See bildete, der zu einem wertvollen Lebensraum wurde. Allerdings wurde das Loch jahrzehntelang als Mülldeponie genutzt, bevor man den Wert des Biotops erkannte.

Der Kalkabbau soll bis in die 1950er-Jahre betrieben worden sein. Zuletzt wurde der Rohstoff auf die andere Seite des Fleesensees transportiert, wo Ende der 1940er-Jahre ein großes Kalkwerk entstand. Der Chronist Helmuth Hutschikovsky verfasste eine fast 300 Seiten starke Ortschronik mit Zeichnungen, die einen Eindruck vom früheren Aussehen des Mühlenbergs mit Kalkwerk, Ziegelei und Verladestelle vermitteln. Der Tagebau war einst etwa 100 Meter lang, 40 bis 50 Meter breit und an der Hügelkuppe etwa zehn Meter tief.

Geologische Besonderheit der Kreideschollen

Evelin Kartheuser erklärte den geologischen Hintergrund: Der Kalkstein stammt aus dem Erdzeitalter Turon und wurde während der letzten Eiszeit aus der Region um Malchin in großen Schollen abgetragen. Diese Schollen wurden in das Gebiet zwischen Nossentin und Poppentin auf der anderen Seite von Kölpinsee und Fleesensee verschoben. Es handelt sich um eine geologische Besonderheit, da Kreideschollen und Kreidegestein an der Oberfläche nur selten vorkommen.

30 Jahre Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide

Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde der Bildband „Farben der Stille“ mit Fotos von Monika Lawrenz und Jörg Gast veröffentlicht. Der Band präsentiert die Naturschätze und ausgewählten Kulturdenkmäler des Naturparks. Erhältlich ist er im Naturpark-Zentrum Karower Meiler, der Bibliothek Malchow, den Tourist-Informationen der Region und in ausgewählten Buchläden.

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