Milliardenschwere Investitionen in Niedersachsens Energiewende stehen auf der Kippe
Die Erneuerbare-Energien-Branche in Niedersachsen schlägt Alarm: Geplante Gesetzesänderungen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) könnten Investitionen in Höhe von 32 Milliarden Euro binnen fünf Jahren gefährden. Dies gab die Vorsitzende des Landesverbands Erneuerbare Energien, Bärbel Heidebroek, bekannt. Die Branche warnt vor einem Ausbremsen des Ausbaus von Wind-, Solar- und Bioenergie.
Niedersachsen als Energieland Nummer eins besonders betroffen
Niedersachsen wäre als führendes Energieland besonders von einem gehemmten Ausbau klimafreundlicher Energieträger betroffen. „Wir haben sehr viel Erneuerbare und wir haben ein unfassbar großes Volumen an Investitionen, die eigentlich darauf warten, umgesetzt zu werden“, erklärte Heidebroek. Der Verband betont, dass allein in Niedersachsen massive finanzielle Einbußen drohen, sollte die Bundesregierung ihren Kurs nicht ändern.
Verband fordert dringend neuen Netzgipfel
Zwar erkennt der Verband Probleme beim Netzausbau an, kritisiert jedoch die geplanten Maßnahmen als kontraproduktiv. „Aber wenn ich an einer Kreuzung an allen vier Stellen immer nur ein Stoppschild aufstelle, dann wird gar nichts vorangehen und dann wird keiner weiterkommen können“, so Heidebroek. Sie warnt: „Wenn wir früher so gehandelt hätten, würden wir heute noch mit Pferdekutschen fahren.“ Ein Ausbremsen der Energiewende gefährde Arbeitsplätze und schaffe neue Abhängigkeiten von fossiler Energie. Daher fordert der Verband gemeinsam mit Netzbetreibern und der Industrie einen neuen Netzgipfel zur Lösung der Probleme.
Landesregierung stellt sich gegen Bundesministerin Reiche
Kritik an den Plänen der Bundesregierung kommt auch aus der niedersächsischen Landesregierung. Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte: „Der energiepolitische Kurs der Bundesregierung ist schlecht für Niedersachsen.“ Er kritisierte insbesondere die fehlende Planungssicherheit beim Ausbau der Windenergie auf See. „Wenn Ausschreibungen ins Leere laufen oder wirtschaftlich nicht tragfähig sind, gefährdet das nicht nur Ausbauziele, sondern ganz konkret Arbeitsplätze in Häfen, Werften und der Zulieferindustrie“, betonte Tonne.
Der Minister forderte zudem mehr Dynamik beim Ausbau einer Wasserstoffwirtschaft und einen anderen Umgang mit Netzengpässen. „Es ist energiepolitisch nicht mehr vermittelbar, dass moderne Anlagen abgeschaltet werden, während gleichzeitig Energie knapp und teuer ist“, sagte er.
Energieminister warnt vor Tausenden gefährdeten Arbeitsplätzen
Niedersachsens Energieminister Christian Meyer (Grüne) äußerte sich ebenfalls besorgt: Reiche gefährde Tausende Arbeitsplätze, vor allem in Niedersachsen, und mache es „noch schwerer, endlich die Abhängigkeitsfesseln in Sachen Energieversorgung abzulegen und auf heimische Energien zu setzen“. Nach Verbandsangaben arbeiteten zuletzt bundesweit knapp 280.000 Menschen in der Erneuerbare-Energien-Branche, wobei eine genaue Zahl für Niedersachsen nicht vorliegt.
Die Diskussion zeigt, dass die Energiewende in Niedersachsen an einem kritischen Punkt angelangt ist. Während die Bundesregierung auf regulatorische Änderungen setzt, fordern Branchenvertreter und die Landesregierung mehr Unterstützung und Planungssicherheit, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen und die wirtschaftliche Stabilität der Region zu gewährleisten.



