7 Millionen Euro für Torgelows Wärmewende: Amthor übergibt Fördermittelbescheid
7 Millionen Euro für Torgelows Wärmewende

Milliardeninvestition in die regionale Energiewende: Torgelow erhält Millionen-Förderung

Im Rahmen eines energiepolitischen Dialoges in Torgelow übergab der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, Philipp Amthor (CDU), einen Fördermittelbescheid in Höhe von knapp sieben Millionen Euro. Die Mittel stammen aus dem Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung und sollen das Verbundprojekt „Klimaneutrales kommunales Wärmenetz Torgelow im regionalen Kreislauf“ vorantreiben.

Jahrelange Vorbereitung trägt Früchte

Empfänger des Bescheids waren Torgelows Bürgermeisterin Kerstin Pukallus und Stadtwerke-Geschäftsführer Dennis Gutgesell. Gutgesell betonte, dass bereits seit 2019 an diesem umfangreichen Projekt gearbeitet werde. „Es mussten zahlreiche bürokratische Hürden überwunden werden“, erklärte er. Der nun vorliegende Zuwendungsbescheid sei das Ergebnis jahrelanger Arbeit und stelle einen großen Schritt für die Stadt dar.

Staatssekretär Amthor, der selbst in der Uecker-Randow-Region aufgewachsen ist, lobte das Engagement der Stadtwerke Torgelow als kommunalen Gestalter. Er unterstrich die Notwendigkeit des sinnvollen Einsatzes der Fördermittel: „Es ist nicht das Geld der Bundesregierung. Es ist das Geld des Steuerzahlers. Diese sieben Millionen Euro sind keine verschwendeten Mittel, sondern gut investierte Steuergelder“.

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Konkrete Umsetzung: Hackschnitzel und Solarthermie

In einer Präsentation erläuterte Gutgesell die technischen Details des Vorhabens. Zunächst hatte man über Geothermie nachgedacht, doch diese Option erwies sich für Torgelow als ungeeignet – die Bohrungen wären zu teuer und die Stadt zu klein. Stattdessen rückte der Waldumbau in der Region in den Fokus.

„Eggesin macht es ja vor“, so Gutgesell, der zukünftig das starke Astmaterial und Kronenholz der Region energetisch verwerten möchte. Anstatt daraus Spanplatten herzustellen, was bereits im Überfluss geschehe, strebe Torgelow eine energetische Verwertung an.

Die konkreten Maßnahmen umfassen:

  • Eine moderne Hackschnitzelfeuerungsanlage in der Espelkamper Straße, errichtet durch die Stadtwerke Torgelow
  • Solarthermie auf dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke in der Albert-Einstein-Straße
  • Umbaumaßnahmen am bestehenden Fernwärmenetz
  • Wärmenetzerweiterung in der Albert-Einstein-Straße und Heinrich-Hertz-Straße mit Wärmeübergabestation, Pufferspeicher, Netzpumpen und Wasseraufbereitung (in Zuständigkeit der Stadt)
  • Einbau effizienter Hausanschluss-Stationen

Unabhängigkeit und Klimaschutz

Durch die Verwendung regional verfügbarer Rohstoffe macht sich Torgelow unabhängig vom globalen Gas- und Heizölmarkt. Das Projekt leistet einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und erhöht den Anteil erneuerbarer Energien innerhalb des Fernwärmeversorgungsnetzes auf 100 Prozent.

Von der Umstellung profitieren zunächst die 42 bestehenden Hausanschlüsse, darunter:

  1. Stadtverwaltung
  2. Drei Schulen
  3. Feuerwehr und Rettungswache
  4. Läden und Wohngebäude mit 889 Wohneinheiten

Durch die Netzerweiterung werden zusätzlich 20 Gebäude mit 837 Wohneinheiten angeschlossen, die derzeit noch von Erdgas abhängig sind.

Region im Dialog: Akzeptanz und Bürokratie

Am energiepolitischen Dialog nahmen auch Vertreter weiterer Unternehmen teil. Harald Jahnke, Geschäftsführer der Stadtwerke Prenzlau, sowie Robert Vogt und Wolfgang Banditt von der Enertrag SE im uckermärkischen Dauerthal nutzten die Gelegenheit, mit Amthor ins Gespräch zu kommen und eigene Projekte vorzustellen.

Vogt und Banditt betonten die Bedeutung der Akzeptanz in der Bevölkerung: „Menschen, in deren Region Windkraftanlagen stehen, müssen auch etwas davon haben. Akzeptanz spielt hier eine große Rolle. Man kann nicht in Berlin bestimmen, wo etwas zugepflastert werde“.

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Jahnke richtete eine deutliche Forderung an den Staatssekretär: „Ein Zahnarzt ist Zahnarzt geworden, um sich um die Zähne der Patienten zu kümmern, nicht, um enorme verwaltungstechnische Aufgaben zu erfüllen. Ein Künstler möchte Kunst schaffen und keine Akten wälzen“. Er forderte mehr Pauschalen, schnellere Verfahren, Genehmigungen und Entscheidungen.

Amthor stimmte zu: „Zu viel Bürokratie bedeutet weniger Freiheit. Deshalb sollten Verfahren vereinfacht werden. Es braucht Veränderungen“.

Prenzlau setzt auf Geothermie

Während Torgelow auf Hackschnitzel setzt, geht Prenzlau einen anderen Weg. „Wir müssen etwas verändern. Gas und Öl zu verbrennen, wird auf Dauer einfach zu teuer“, erklärte Jahnke. Die Stadtwerke Prenzlau setzen daher auf Geothermie, deren Wurzeln in der Stadt bis in die 1980er-Jahre zurückreichen.

Aktuell erfolgt der Wiederaufbau einer modernen, geothermischen Infrastruktur, die das Fernwärmenetz der Stadt maßgeblich prägen wird. Die Geothermieanlage soll künftig bis zu 60 Prozent des Wärmebedarfs der Fernwärmekunden in Prenzlau decken können. Zudem sollen die Teilnetze des bestehenden Fernwärmenetzes zusammengeführt werden, um erneuerbare Wärmequellen optimal nutzen zu können.

Das Unternehmen Enertrag, das seit mehr als 25 Jahren die Energiewende umsetzt, setzt ebenfalls auf innovative Konzepte. Ein zentraler Begriff ist hier das „Verbundkraftwerk“ – direkt verbundene Energieanlagen, die Strom aus Wind- und Sonnenenergie produzieren, der vorrangig ins Übertragungsnetz fließt. Diese Verbundkraftwerke senken den Netzausbaubedarf und damit die Stromkosten in den Erzeugerregionen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.