Zwei Studenten der Technischen Universität München (TUM) haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen die bayerische Landeshauptstadt grüner und kühler machen. Mit ihrem „Baumentscheid“ sammeln Joseph Coenen (25) und Stefanie Günther (25) Unterschriften für die Pflanzung von rund 12.000 neuen Bäumen innerhalb des Mittleren Rings. Das Besondere: Das Bürgerbegehren ist nach dem Vorbild des erfolgreichen Berliner Baumentscheids konzipiert.
Drei konkrete Forderungen für ein grüneres München
Die Initiatoren verfolgen drei Hauptziele: Erstens soll die Baumkronenüberdeckung in München von derzeit etwa 20 Prozent auf 30 Prozent gesteigert werden. Zweitens sollen die neuen Bäume prioritär in den heißesten Vierteln der Stadt gepflanzt werden – den sogenannten Hitzequartieren. Drittens fordert der Baumentscheid, dass die Stadt neue Standorte für Straßenbäume identifiziert und bei künftigen Bauprojekten von vornherein mitplant. „Es geht uns darum, logisch und sinnvoll vorzugehen“, betont Günther. Wenn ohnehin eine Baustelle anstehe, solle die Stadt gleich neue Bäume einplanen – auch wenn dafür mancher Parkplatz weichen müsse.
Optimismus trotz hoher Hürden
Um erfolgreich zu sein, benötigen die Studenten mindestens 35.000 gültige Unterschriften von Münchnerinnen und Münchnern mit deutscher oder EU-Staatsbürgerschaft, die volljährig und in der Stadt gemeldet sind. Die ersten Sammeltage stimmen Coenen und Günther optimistisch: „Wir haben eine sehr gute Resonanz. Es geht zügig voran“, sagt Coenen. Unterstützt werden sie von rund 100 ehrenamtlichen Helfern. Die Unterschriften werden auf der Straße, in Cafés, Bioläden und über die Webseite des Baumentscheids gesammelt.
Vorbild Budapest: Fast umgekippt
Die Idee zum Baumentscheid entstand vor zwei Jahren, als Coenen im Sommerurlaub in Budapest fast einen Hitzekollaps erlitt. „Das hat mich zum Nachdenken gebracht und die Idee kam auf, etwas zu verändern“, erzählt er. Seine Mitstreiterin lernte er in einem TUM-Seminar kennen. Beide sind Parteimitglieder – Coenen bei der CSU, Günther bei den Grünen –, haben das Bürgerbegehren aber bewusst ohne direkte Parteienunterstützung gestartet. Stattdessen setzen sie auf Verbündete aus der Nachhaltigkeitsszene und hoffen auf große Partner aus der Wirtschaft.
Die Stadt als Katalysator für mehr Tempo
Den Initiatoren geht es nicht darum, die Stadt zu kritisieren, sondern sie zu beschleunigen. „Wir wollen ein Katalysator sein für die Stadtpolitik, diesen Weg zügiger zu machen“, sagt Coenen. Die Stadt München habe sich zwar bereits das Ziel von 30 Prozent Baumkronenüberdeckung gesetzt, doch es gehe nicht schnell genug und nicht flächendeckend. „Dafür sind wir da“, ergänzt er. Die Studenten haben bereits über 100 Fachgespräche mit Wissenschaftlern, Verwaltungsmitarbeitern und allen demokratischen Parteien im Stadtrat geführt.
Zeitplan und Kosten: Bis 2040 soll alles umgesetzt sein
Sollte der Baumentscheid erfolgreich sein, müsste die Stadt innerhalb eines Jahres einen konkreten Maßnahmenplan vorlegen. Bis 2030 sollen die ersten Baumstandorte in den heißesten Quartieren festgelegt sein, im restlichen Stadtgebiet bis 2035. Alle Maßnahmen sollen bis 2040 umgesetzt sein. Die Bäume werden im Alter von etwa zehn Jahren gepflanzt, benötigen aber weitere 20 Jahre, um ihre volle kühlende Wirkung zu entfalten – die letzten Bäume würden also um 2060 ihre maximale Kühlleistung erreichen. Was die Kosten betrifft, sind die Initiatoren zuversichtlich: „Langfristig sparen wir sogar“, sagt Günther, und verweist auf Fördermöglichkeiten von EU und Bund sowie auf großes Interesse Münchner Unternehmen, das Vorhaben zu unterstützen. Coenen fasst zusammen: „Im besten Fall profitieren alle davon. Wir wollen München wieder cooler machen.“



