Bundesförderung für nasse Moore: 1,75 Milliarden Euro für klimafreundliche Landwirtschaft
Bund fördert nasse Moore mit 1,75 Milliarden Euro

Historische Trendwende: Bund investiert Milliarden in nasse Moore

Die Bundesregierung startet eine umfassende Initiative zur Wiedervernässung von Mooren in Deutschland. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) kündigte in Berlin eine Förderung von rund 1,75 Milliarden Euro bis Ende 2029 an, um die klimaschonende Bewirtschaftung von Moorflächen attraktiv zu machen. "Wir stehen vor einer historischen Trendwende im Verhältnis zwischen Mensch und Natur", erklärte Schneider.

Moore als natürliche Klima-Anlagen

Mehr als 90 Prozent der ursprünglichen Moorböden in Deutschland sind heute trockengelegt. Nass sind nur noch etwa 100.000 Hektar erhalten. Die neue Förderung zielt darauf ab, diese Fläche um 90.000 Hektar zu erweitern – eine beinahe Verdoppelung der nassen Moorgebiete.

Moore können enorme Mengen an Treibhausgasen speichern und spielen damit eine entscheidende Rolle im Klimaschutz. Im trockenen Zustand zersetzen sich die torfigen Böden und geben Kohlenstoff ab. Durch Wiedervernässung wird dieser Prozess gestoppt oder sogar umgekehrt.

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Obwohl Moore nur einen kleinen Teil der deutschen Landesfläche ausmachen, verursachen entwässerte Moorböden etwa 7 Prozent der nationalen Treibhausgas-Emissionen – das entspricht über 50 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten jährlich.

Innovative Geschäftsmodelle für Landwirte

Die Förderung verfolgt einen doppelten Ansatz: Klimaschutz und wirtschaftliche Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe. "Moorböden wiederzuvernässen ist Klimaschutz als Geschäftsmodell", betonte Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), der die Förderung mit erarbeitet hat.

Zu den geförderten Nutzungsformen gehören:

  • Haltung von Wasserbüffeln, die mit feuchten Böden besonders gut zurechtkommen
  • Anbau von Moorpflanzen für Papier, Kartons oder Baumaterialien
  • Schilfanbau als nachhaltiger Baustoff für Dächer
  • Innovative Konzepte wie Moor-Photovoltaik
  • Stilllegung von Flächen mit Ausgleichszahlungen

Rund sieben Prozent der deutschen Agrarfläche entfallen auf entwässerte Moorböden. Mit der "nassen Landwirtschaft" soll das Wasser in der Fläche gehalten werden, ohne auf wirtschaftliche Nutzung zu verzichten.

Umweltverbände begrüßen "Meilenstein"

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bezeichnete die Pläne als "Meilenstein". "In Zeiten von Dürre und Starkregen sind nasse Moore unverzichtbar", erklärte der Verband. "Sie speichern Wasser, sichern Ernten und stabilisieren unsere Trinkwasserversorgung."

Der Deutsche Naturschutzring nannte die Wiedervernässung einen "Game Changer" und einen der wirksamsten Hebel, um Treibhausgasemissionen in der Landnutzung zu senken. "Während entwässerte Moorböden enorme Mengen CO₂ freisetzen, sind nasse Moore unsere natürlichen Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise."

Freiwilligkeit und langfristige Perspektiven

Bundesumweltminister Schneider betonte den freiwilligen Charakter der Maßnahmen: "Niemand wird gezwungen, seine Flächen nass zu bewirtschaften." Der Deutsche Bauernverband mahnte jedoch an, dass eine Förderung nur erfolgreich sein könne, wenn es auch längerfristig wirtschaftliche Perspektiven mit marktbasierten Ansätzen für eine dauerhafte Nutzung gebe.

Die Fördergelder aus dem Klima- und Transformationsfonds können für verschiedene Zwecke beantragt werden:

  1. Wiedervernässung von Moorflächen
  2. Ausgleich von Wertverlusten bei Eigentum und Nutzung
  3. Aufbau neuer Wertschöpfungsketten für Moorprodukte

Zuschüsse sind bis zu 100 Prozent möglich. Antragsberechtigt sind Eigentümer, Bewirtschafter und Verbände. Die EU-Kommission hat die Förderung bereits genehmigt.

Bislang konnten über geförderte Naturschutzprojekte etwa 1.600 Hektar Moor wiedervernässt werden. "Wir können dabei aber nicht stehen bleiben", so Schneider, "denn über 80 Prozent der entwässerten Moorböden werden bisher land- und forstwirtschaftlich genutzt."

Mit dem neuen Förderprogramm positioniert sich Deutschland als Pionier in Europa für eine klimafreundliche Moorbewirtschaftung, die ökologische und ökonomische Interessen vereint.

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