Ungewöhnliches Wetterphänomen: Eis auf deutschen Gewässern schmilzt extrem langsam
Eis auf deutschen Gewässern schmilzt extrem langsam

Ungewöhnliches Wetterphänomen in Deutschland: Eis schmilzt extrem langsam

In weiten Teilen Deutschlands halten sich Eisflächen auf Gewässern derzeit ungewöhnlich lange. Besonders an der Ostseeküste türmen sich meterhohe Eisberge auf, die eher an arktische Verhältnisse als an den beginnenden Frühling erinnern. Auf der Insel Rügen erreichen einige Eisformationen Höhen von über fünf Metern, was zu spektakulären Anblicken führt.

Wissenschaftliche Erklärung für das langsame Schmelzen

Meereisphysiker Dr. Marcel Nicolaus vom Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung erklärt das Phänomen: „Es ist tatsächlich so, dass Meereis wesentlich langsamer schmilzt als oft angenommen. Die helle Oberfläche reflektiert den größten Teil der Sonneneinstrahlung zurück in die Atmosphäre, während nur ein Bruchteil zur Erwärmung genutzt wird.“ Dieser Vorgang wird als Albedo-Effekt bezeichnet und verhindert ein schnelles Tauen.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung ergänzt: „Eis wirft aufgrund seiner hellen Oberfläche einen großen Teil der Sonnenstrahlen zurück. Dadurch wird weniger Wärme aufgenommen als auf dunkleren Oberflächen wie Erde oder Asphalt. Zusätzlich benötigt das Schmelzvorgang selbst enorme Energiemengen, da nicht nur der Schmelzpunkt erreicht werden muss, sondern auch das umgebende Wasser erwärmt werden muss.“

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Viele Seen noch immer zugefroren

Nicht nur an der Ostsee, sondern auch auf zahlreichen Binnengewässern herrscht noch Eisbedeckung. Zu den betroffenen Seen gehören die Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, der Schermützelsee in Brandenburg und der Liepnitzsee nördlich von Berlin. Die anhaltend kalten Nächte mit teilweise frostigen Temperaturen verlangsamen den Tauprozess zusätzlich, da sich nachts oft eine neue dünne Eisschicht bildet.

Klimatologe Dr. Karsten Brandt bezeichnet die Eisberge an der Ostsee als „Denkmäler des Winters“ und betont: „Noch reicht die Energie nicht aus, um sie vollständig zum Schmelzen zu bringen.“ Die dicken, zusammengeschobenen Eisformationen an der Küste benötigen besonders lange, während das Eis auf Binnenseen unter günstigen Bedingungen schneller tauen könnte.

Prognose für die kommenden Wochen

Experten gehen davon aus, dass das Eis noch für mindestens zwei bis drei Wochen sichtbar bleiben wird. Vor allem an der Ostseeküste, wo sich meterdicke Eisberge aufgetürmt haben, wird der Schmelzprozess besonders langsam verlaufen. Die Prognose wird durch weitere Frostnächte unterstützt, die für das kommende Wochenende erwartet werden.

Dominik Jung weist auf ein weiteres Problem hin: „Unter der Eisdecke liegt das Wasser meist nur knapp über dem Gefrierpunkt. Von unten kommt daher kaum Wärme, die beim Schmelzen helfen könnte.“ Diese Situation kann in einigen Gewässern zu Sauerstoffmangel führen, was wiederum das Fischsterben begünstigen kann.

Die ungewöhnlich lange Eisbedeckung bietet zwar beeindruckende Naturschauspiele, stellt aber gleichzeitig ein Indiz für die komplexen physikalischen Prozesse dar, die beim Tauwetter eine Rolle spielen. Wissenschaftler beobachten die Entwicklung genau, um Rückschlüsse auf klimatische Veränderungen ziehen zu können.

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