Klimaforscher warnen: Kipppunkte könnten Erde in unumkehrbare Hitzephase stürzen
Kipppunkte: Erde droht unumkehrbare Hitzephase

Klimaforscher warnen vor nahen Kipppunkten: Droht der Erde eine unumkehrbare Hitzephase?

Ein internationales Forscherteam warnt eindringlich vor einer beschleunigten Erderwärmung, die zu einer dauerhaften und gefährlichen Hitzephase für die Menschheit führen könnte. „Das Klima der Erde entfernt sich gerade von den stabilen Bedingungen, die die menschliche Zivilisation über Jahrtausende hinweg getragen haben“, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal „One Earth“. Mehrere Teile des Erdsystems könnten bereits näher an einer Destabilisierung sein als bisher angenommen.

Kritische Temperaturschwelle früher als erwartet überschritten

Seit etwa 11.700 Jahren herrscht ein vergleichsweise stabiles Klima auf der Erde, das die Entstehung der Landwirtschaft und zahlreicher Ökosysteme erst ermöglichte. Im Pariser Klimaabkommen wurde vereinbart, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Doch für zwölf aufeinanderfolgende Monate wurde diese kritische Schwelle bereits im Jahr 2024 überschritten – begleitet von Hitzerekorden, verheerenden Waldbränden, Überschwemmungen und anderen Extremwetterereignissen.

„Die Überschreitung von Temperaturgrenzen wird üblicherweise anhand von 20-Jahres-Durchschnitten bewertet“, erklärt Co-Autor Christopher Wolf von den Terrestrial Ecosystems Research Associates in Corvallis. „Der jüngste zwölfmonatige Überschreitungszeitraum deutet jedoch darauf hin, dass der langfristige durchschnittliche Temperaturanstieg bereits bei oder nahe 1,5 Grad liegt.“ Viele Klimamodelle hatten einen späteren Zeitpunkt für diese Entwicklung vorhergesagt, was unterstreicht, wie rasant der Klimawandel voranschreitet.

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Kippelemente könnten bereits sehr nah sein

Die Forschenden zeigen das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das die Erde in eine sogenannte Hothouse-Phase verwandeln könnte – eine für den Menschen gefährliche, dauerhafte Heißphase. Einmal beschritten, ließe sich dieser Pfad kaum noch stoppen, betont das Team um William Ripple von der Oregon State University, zu dem auch der frühere und ein aktueller Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans Joachim Schellnhuber und Johan Rockström, gehören.

Zunehmende Hinweise deuten darauf hin, dass viele Kippelemente nach dem Überschreiten bestimmter Schwellen eine sich selbst verstärkende Erwärmung auslösen könnten. „Unsere Arbeit zeigt, dass wir noch nicht dort sind – aber sehr nahe“, erklärt Rockström. Zu den kritischen Kippelementen zählen:

  • Das Schmelzen des grönländischen und des westantarktischen Eisschilds
  • Der auftauende Permafrost in den nördlichen Wäldern der Erde
  • Schmelzende Gebirgsgletscher weltweit
  • Das Sterben von Teilen des Amazonas-Regenwaldes

Der grönländische Eisschild zeigt bereits Anzeichen von Destabilisierung und ist wahrscheinlich anfällig für ein Kippen bei einer Erwärmung zwischen 0,8 und 3,4 Grad Celsius. Solche Prozesse könnten die globalen Temperaturen weiter erhöhen, den Meeresspiegelanstieg beschleunigen, gewaltige Kohlenstoffspeicher freisetzen und Ökosysteme destabilisieren – und sich dabei auch gegenseitig verstärken.

Dringender Handlungsbedarf trotz Unsicherheiten

Die Unsicherheit darüber, wo genau Kippschwellen liegen, sei kein Grund zum Zögern, sondern vielmehr ein zwingender Grund für sofortiges vorsorgliches Handeln, betont das Forschungsteam. „Kurz gesagt könnten wir uns einem gefährlichen Schwellenbereich nähern, bei gleichzeitig rapide schwindenden Möglichkeiten, gefährliche und nicht mehr beherrschbare Klimaentwicklungen zu verhindern.“

Die derzeitigen politischen Klimaschutzzusagen – die uns auf einen Pfad von etwa 2,8 Grad maximaler Erwärmung bis zum Jahr 2100 bringen – seien eindeutig unzureichend. „Bestehende Klimaschutzmaßnahmen, wie der Ausbau erneuerbarer Energien und der Schutz Kohlenstoff-speichernder Ökosysteme, sind entscheidend, um den Anstieg der globalen Temperaturen zu begrenzen“, sagt Ripple. Notwendig seien eine vorausschauende Regierungsführung, stärkere politische Rahmenwerke zur Minderung der Emissionen, die auch Kipppunktrisiken berücksichtigen, und eine koordinierte globale Überwachung von Kipppunkten.

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Ein Teil des jüngsten Temperaturanstiegs ist auf den Rückgang von Aerosolen wie Ruß zurückzuführen, was möglicherweise Einfluss auf die Wolkenbildung hat. Wenn sich das Klima verändert, könne es verstärkende Rückkopplungen geben, die das Risiko einer beschleunigten Erwärmung erhöhen. Dazu zählt das Team das Schmelzen von Eis und Schnee, das Auftauen von Permafrost, das Absterben von Wäldern und den Verlust von Bodenkohlenstoff.

Die Forschenden sehen zwar noch ein kurzes Zeitfenster zum Gegensteuern, betonen aber die Dringlichkeit sofortiger Maßnahmen. Das Eis über Grönland verringerte sich 2025 bereits im 29. Jahr in Folge – ein deutliches Zeichen für die fortschreitenden Veränderungen im globalen Klimasystem.