Windkraft-Konflikt in Plattenburg: Anwohner wehren sich gegen drei neue Windräder
Der Ausbau der Windenergie in der Region Prignitz führt zu kontroversen Diskussionen und wachsendem Unmut unter den Bürgern. In der Gemeinde Plattenburg plant ein neuer Vorhabenträger den Bau von drei zusätzlichen Windkraftanlagen in einem bereits ausgewiesenen Windeignungsgebiet. Dieses Vorhaben stößt bei vielen Anwohnern auf erbitterten Widerstand und hat bereits zu einer außerordentlichen Gemeindevertretersitzung in Bendelin geführt.
Bürgerprotest gegen weitere Windkraftanlagen
Bei der Gemeindevertretungssitzung am vergangenen Donnerstag erschienen nicht nur die Abgeordneten, sondern auch etwa zwanzig besorgte Anwohner. Diese nutzten die Einwohnerfragestunde, um sich über das Bauvorhaben im Bereich der Gemarkungen Söllenthin, Bendelin und Netzow zu informieren und ihren Unmut kundzutun. Die Reaktionen im Versammlungssaal der Feuerwehr Bendelin fielen überwiegend ablehnend aus.
Ein zentraler Kritikpunkt der Bürger ist die Tatsache, dass bereits fünf Windräder in dem Gebiet errichtet werden und den Anwohnern im Jahr 2019 suggeriert worden sei, dass keine weiteren Anlagen hinzukommen würden. „Wir haben uns damals auf fünf Windräder begrenzt, weil das der Fläche entspricht. Warum soll das jetzt gekippt werden?“, fragte ein Mann aus Zichtow während der Sitzung. Eine Anwohnerin klagte über die zunehmende Verbauung der Landschaft: „Warum müssen es denn immer mehr werden? Wo soll ich denn spazieren gehen, wenn ich lauter Industrieanlagen vor meiner Nase habe?“
Begrenzte Handlungsmöglichkeiten der Gemeinde
Die Gemeindevertreter von Plattenburg stehen vor einem schwierigen Dilemma. Wie Bauamtsleiter Gordon Sohns deutlich machte, hat die Gemeinde nur begrenzten Einfluss auf die Entscheidungsprozesse: „Wir entscheiden nicht, ob die Anlagen gebaut werden oder nicht. Das ist Fakt. Das muss Ihnen klar sein.“ Die übergeordneten Planungen von Bund und Land schränken die kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten erheblich ein.
Gemeindevorsteher Christopher Teschner erläuterte die drei theoretischen Optionen der Gemeinde:
- Einen Bebauungsplan aufstellen
- Eine Veränderungssperre beschließen
- Beide Maßnahmen kombinieren
Allerdings sind diese Optionen mit erheblichen Hürden verbunden. Die Erstellung eines Bebauungsplans ist kostspielig, und eine Veränderungssperre könnte den Bau der bereits geplanten fünf Windräder behindern. Zudem wäre eine solche Sperre juristisch angreifbar und könnte teure Gerichtsverfahren nach sich ziehen.
Gemeinde ergreift erste Maßnahmen
Nach intensiver Diskussion entschieden sich die Gemeindevertreter für die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens. Ein entsprechender Aufstellungsbeschluss wurde erlassen. Aktuell finden Beratungen mit einem Planungsbüro statt, wie Bauamtsleiter Sohns auf Nachfrage bestätigte.
Parallel dazu versucht die Gemeinde, Kontakt mit dem Vorhabenträger aufzunehmen. Bisher hat sich der Investor noch nicht offiziell vorgestellt, und der genaue Stand der Planungen ist nicht bekannt. Antje Berndt, die per Dringlichkeitsantrag die außerplanmäßige Sitzung veranlasst hatte, betonte die Verantwortung gegenüber den Bürgern: „Das sind wir den Bürgern schuldig.“
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Christopher Teschner, fasste die Stimmung zusammen: „Die Mehrheit würde mit Sicherheit lieber weniger als mehr Anlagen errichten.“ Der Konflikt um die Windkraftanlagen in Plattenburg spiegelt damit eine größere gesellschaftliche Debatte wider, bei der die Ziele der Energiewende mit den berechtigten Interessen der lokalen Bevölkerung in Einklang gebracht werden müssen.



