Das Ende einer Ära: Uckerkaas-Produktion wird nach 25 Jahren eingestellt
In der Uckermark nahe Prenzlau geht eine kulinarische Ära zu Ende. Die seit 1999 produzierte Käsespezialität Uckerkaas wird Ende 2026 aus den Regalen verschwinden. Die niederländische Familie Wolters, die nach der Wende in Bandelow nicht nur Landwirtschaft betrieb und Milchvieh züchtete, sondern auch traditionellen holländischen Käse herstellte, stellt diesen Betriebsteil nun ein.
Eine Erfolgsgeschichte mit Wurzeln in den 1990er Jahren
„Was 1994 mit dem Umzug einer holländischen Bauernfamilie begann, entwickelte sich zu einer echten Erfolgsgeschichte“, erklärt Amy Wolters, die 23-jährige Enkelin des Gründers Pieter Wolters. Der erste Uckerkaas wurde im Jahr 2001 produziert und entwickelte sich schnell zu einer regionalen Marke mit deutschlandweiter Bekanntheit. Die dafür verwendete Milch stammte stets aus der eigenen Herde – ein wichtiger Bestandteil der transparenten Wertschöpfungskette.
Wirtschaftliche Realitäten zwingen zur Veränderung
Verkaufsleiterin Nancy Dräger, seit 21 Jahren im Unternehmen tätig, bestätigte gegenüber dem Nordkurier die Einstellung der Käseproduktion. Die Gründe sind vielfältig:
- Stark gestiegene Energiepreise
- Wachsende regulatorische Anforderungen
- Zunehmender wirtschaftlicher Druck auf kleine handwerkliche Betriebe
„Diese Entscheidung ist der Familie nicht leicht gefallen, da der Käse einst den Ursprung der gesamten Entwicklung markierte“, bedauert auch Amy Wolters.
Zwei positive Nachrichten für Mitarbeiter und Kunden
Trotz des Endes der Käseproduktion gibt es erfreuliche Entwicklungen:
- Keine Kündigungen: Im Zuge der Umstrukturierung wird es laut Geschäftsführung keine Entlassungen geben.
- Weiterproduktion beliebter Artikel: Das Unternehmen wird weiterhin Eis, Softeis, Fruchtaufstriche, Liköre und Sirupe – unter anderem der Marke „Uckermärker Fruchtzauber“ – herstellen.
Neue Strategie unter der Junior-Chefin
Der Generationswechsel von Gründer zu Enkelin bringt frischen Wind und neue strategische Weichenstellungen. Sichtbar wird dies bereits durch die Eröffnung des neuen Hofladens in der Q-Regio-Halle in Bandelow. Das bisherige „Käsestübchen“ wurde bewusst umverlagert, um ein moderneres Einkaufserlebnis zu schaffen.
Produktionsbündelung als Zukunftskonzept: Künftig sollen Produkte wie Eis und Aufstriche direkt in der Q-Regio-Halle hergestellt werden. Auch hier bleibt die eigene Milch aus der Herde die Basis, insbesondere für die Eisproduktion.
Käse bleibt im Sortiment – aber anders
Auch in Zukunft wird Käse ein fester Bestandteil des Q-Regio-Sortiments bleiben – jedoch bezogen von ausgewählten Partnerbetrieben. Dazu gehören traditionelle Hersteller aus der niederländischen Heimat der Familie Wolters sowie andere regionale Manufakturen.
Die mehrfach als bester Online-Shop prämierte Vermarktungskette Q-Regio mit ihrem riesigen Sortiment von über tausend Erzeugnissen bleibt erhalten. 70 Prozent der Lieferungen gehen an Wiederverkäufer wie die „Karls Höfe“ an der Küste oder kleinere Hofläden, der Rest an Privatkunden.
Ausblick: Regionalität mit neuen Strukturen
„Q-Regio bleibt seinen Werten treu, entwickelt sich aber konsequent weiter“, fasst Amy Wolters zusammen. Regionalität, Partnerschaft und Qualität stehen weiterhin im Mittelpunkt – ergänzt durch neue Strukturen und frische Ideen. Der Wandel zeigt, wie aus einer gewachsenen Tradition heraus der nächste Schritt gemacht wird: hin zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Regionalvermarktung, die Produzenten verbindet und Kunden weiterhin hochwertige Produkte aus der Region bietet.
Für alle, die noch einen der beliebten Uckerkaas-Laibe in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen wie Kümmel, Gartenkräuter oder Bärlauch probieren möchten, gilt: Sie sollten sich beeilen. Die Ära des originalen Uckerkaas aus Bandelow endet definitiv mit dem Jahr 2026.



