Kegelrobben-Babyboom im Wattenmeer: Rekordzahl an Jungtieren in Niedersachsen
Kegelrobben-Babyboom: Rekordzahl an Jungtieren im Wattenmeer

Rekordverdächtiger Nachwuchs bei Deutschlands größten Raubtieren

Im niedersächsischen Teil des Nationalparks Wattenmeer verzeichnet Deutschlands größtes Raubtier, die Kegelrobbe, einen bemerkenswerten Babyboom. Bei systematischen Zählflügen während der vergangenen Wurfsaison wurden insgesamt 575 neu geborene Jungtiere dokumentiert. Diese beeindruckende Zahl stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr dar und gehört zu den höchsten Werten der jüngeren Vergangenheit.

Historische Entwicklung und aktuelle Bestände

Thea Hamm, Meeresökologin der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven, bestätigte die positiven Zahlen. „Wir haben 136 Jungtiere mehr gezählt als noch 2024“, erklärte die Expertin. Neben dem Nachwuchs wurden zusätzlich 1.117 ausgewachsene Kegelrobben erfasst, was eine Gesamtzahl von 1.692 Tieren während der Wurfsaison ergibt. Diese Entwicklung ist besonders bemerkenswert, wenn man die historische Situation betrachtet: Vor etwa einem Jahrhundert waren Kegelrobben in deutschen Gewässern durch intensive Bejagung nahezu ausgerottet. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kehrten die Tiere aus britischen Seegebieten allmählich ins Wattenmeer zurück.

Die Kinderstube der Kegelrobben

Die Geburtenphase der Kegelrobben erstreckt sich von November bis Januar, wobei der Höhepunkt an der niedersächsischen Wattenmeerküste Mitte Dezember erreicht wird. „Die Kegelrobben finden im Wattenmeer ausgezeichnete Ruheräume“, erläuterte Hamm. Interessanterweise konzentriert sich der gesamte niedersächsische Nachwuchs ausschließlich auf die Kachelotplate, eine ausgedehnte Sandbank zwischen den ostfriesischen Inseln Juist und Borkum. Diese Formation bietet mit ihrer Fläche von etwa 70 Fußballfeldern ausreichend Platz für die Robbenkolonie.

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Die Tiere nutzen küstennahe Sandbänke wie die Kachelotplate als Ruhezonen und Geburtsstätten, während sie zur Nahrungssuche weite Strecken in der Nordsee zurücklegen. „Wir haben weiterhin keine Jungtiere außerhalb der Kachelotplate entdeckt“, betonte die Meeresökologin. Eine mögliche Erklärung für den aktuellen Geburtenanstieg könnte die Zuwanderung von Kegelrobben aus der großen Population bei Helgoland sein, doch diese These bedarf noch wissenschaftlicher Bestätigung durch vergleichende Zählungen.

Internationale Monitoring-Programme

Seit Beginn der 1990er Jahre führen die Nationalparkverwaltungen entlang der gesamten Nordseeküste regelmäßige Bestandserhebungen durch. Bei diesen Monitoring-Programmen werden spezielle Flugzeuge eingesetzt, die die Robben auf Sandbänken aus der Luft fotografieren. Anschließend erfolgt die genaue Auswertung der Aufnahmen am Computer. Weitere Zählungen sind für die Haarwechselperiode zwischen Ende März und Mitte April geplant, wobei die endgültigen Zahlen voraussichtlich im Sommer vorliegen werden.

Im trilateralen Wattenmeergebiet, das sich von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark erstreckt, leben nach aktuellen Daten des Wattenmeersekretariats etwa 12.000 Kegelrobben. Dieser Wert markiert den bisher höchsten Stand seit Beginn der gemeinsamen Zählungen im Jahr 2008. Die mit Abstand größten Populationen befinden sich dabei im niederländischen Teil des Wattenmeers. Im deutschen Nationalpark Wattenmeer stellen die Kegelrobben neben den kleineren Seehunden die zweite etablierte Robbenart dar.

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