Krötenzaun bei Neuensund bewahrt tausende Amphibien vor dem Straßentod
Beim alljährlichen Weg zu ihren Laichgewässern lauert für Kröten und andere Amphibien eine tödliche Gefahr: Sie werden auf Straßen häufig von Fahrzeugen überfahren. Um diese Verluste zu minimieren, hat das Gut Klepelshagen, ein ökologischer Betrieb der Deutschen Wildtier Stiftung, bei Neuensund spezielle Krötenschutzzäune errichtet. Diese Maßnahme hat bereits bemerkenswerten Erfolg gezeigt und tausenden Tieren das Leben gerettet.
Frühzeitige Installation verhindert Massensterben
Bereits im vergangenen Jahr waren Mitarbeiter des Gutes Klepelshagen auf die massive Krötenwanderung und zahlreiche tote Tiere bei Neuensund aufmerksam gemacht worden. Damals war es für die Installation eines Schutzzaunes jedoch zu spät. In diesem Jahr konnte rechtzeitig gehandelt werden: Eine etwa 130 Meter lange Barriere wurde zunächst auf einer Seite der Straße von Neuensund Richtung Strasburg nahe dem Gewässer Tiefer Kolk aufgestellt.
Michael Tetzlaff, Naturschutzbeauftragter des Gutes Klepelshagen, erklärt: „Die Tiere kommen aus ihren Winterquartieren im nahe gelegenen Wald und wollen zu diesem Laichgewässer. Kröten können auf diesem Weg viele Kilometer zurücklegen, wobei die Weibchen die Männchen auf dem Rücken tragen. Anschließend kehren sie gleich wieder zurück.“
Dreimal tägliche Kontrolle durch Ehrenamtliche
Der Krötenzaun wird mit erheblichem Aufwand dreimal täglich kontrolliert. Etwa alle zehn Meter befinden sich mit Laub und Sand gefüllte Eimer, in die die Amphibien fallen und anschließend sicher zum Gewässer gebracht werden. Katharina Mayer, Leiterin Naturschutz des Gutes Klepelshagen, gehört zu den regelmäßigen Kontrolleuren.
„Das ist natürlich mit sehr viel Aufwand verbunden. Um die Kontrolle des Zaunes abzusichern, sind wir auf ehrenamtliche Helfer angewiesen“, betont Tetzlaff. Ein rechtzeitiges und regelmäßiges Entleeren der Eimer sei notwendig, weil beispielsweise Waschbären diese schnell als Futterstellen entdecken könnten. Auch Störche seien entlang der Zäune auf Futtersuche.
Über 3.500 Amphibien bereits gerettet
Seit der Installation des Krötenzaunes in der ersten Märzwoche wurden bereits rund 3.420 Erdkröten sicher über die Straße zum Tiefen Kolk gebracht. Hinzu kommen 40 seltene Knoblauchkröten, deren Name sich vom abgesonderten Abwehrduft ableitet, sowie 96 Teichmolche und 14 Kammmolche.
Wegen der lang anhaltenden niedrigen Temperaturen vor allem in der Nacht zieht sich die Amphibienwanderung in diesem Jahr besonders in die Länge. „Sonst ist die Wanderung zu den Laichgewässern in ein, zwei Wochen abgeschlossen“, fügt der Experte hinzu.
Verlust von Laichgewässern erhöht Schutzbedarf
Die tatsächliche Zahl der wandernden Tiere dürfte laut Tetzlaff deutlich höher sein als die erfassten Zahlen. Diese zeigen jedoch eindrucksvoll, wie wichtig derartige Schutzmaßnahmen sind. In den vergangenen Jahren seien mehrere Laichgewässer wegen Austrocknung für Amphibien verloren gegangen, was den Druck auf verbliebene Gewässer erhöht.
Mittlerweile wurde für die Rückkehr der Tiere auch auf der anderen Straßenseite ein zusätzlicher Zaun aufgestellt. Langfristig wären feste Querungshilfen in Form von Tunneln, wie sie bereits bei Vogelsang-Warsin eingebaut wurden, vorteilhafter, aber auch deutlich teurer als die mobilen Zäune.
Die erfolgreiche Rettungsaktion bei Neuensund unterstreicht die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements im Naturschutz und zeigt, wie gezielte Maßnahmen das Überleben bedrohter Amphibienpopulationen sichern können.



