Verlassenes Heim wird zum größten Fledermaus-Winterquartier im Harz
Seit mehreren Jahrzehnten steht das ehemalige Fritz-Heckert-Heim in der Nähe von Gernrode leer und verfällt langsam. Doch was für Menschen ein verlorener Ort ist, hat sich für die heimische Tierwelt zu einem wertvollen Rückzugsraum entwickelt. Überraschenderweise hat sich das marode Gebäude zum größten bekannten Winterquartier für Zwergfledermäuse in der gesamten Harzregion entwickelt.
Über 200 Fledermäuse nutzen das Gebäude als Felsmassiv
Mehr als 200 Zwergfledermäuse haben das ehemalige Heim für sich entdeckt und nutzen es regelmäßig als Überwinterungsquartier. Für die nachtaktiven Säugetiere stellt das verfallene Bauwerk ein riesiges Felsmassiv dar, das optimale Bedingungen bietet. Die dicken Mauern und ungestörten Räume schaffen ein stabiles Mikroklima, das für den Winterschlaf der Tiere ideal ist.
Der Naturschutzbund Deutschland bezeichnet den Harz als echten Hotspot für Fledermausvielfalt in Norddeutschland. Tatsächlich konnten hier 21 der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten nachgewiesen werden. Diese beeindruckende Artenvielfalt ist unter anderem auf die zahlreichen natürlichen Höhlen und stillgelegten Bergwerke der Region zurückzuführen. Doch wie das Beispiel des Fritz-Heckert-Heims zeigt, bieten auch menschengemachte Lost Places wichtige Lebensräume.
Geplante Wiederbelebung ruft Fledermausschützer auf den Plan
Nun droht dieser einzigartige Lebensraum in Gefahr zu geraten. Aktuelle Pläne sehen vor, den Lost Place wiederzubeleben und einer neuen Nutzung zuzuführen. Diese Entwicklung hat den Arbeitskreis Fledermausschutz alarmiert, der sich nun intensiv mit der Situation beschäftigt. Die Naturschützer stehen vor der Herausforderung, den Artenschutz mit den Revitalisierungsplänen in Einklang zu bringen.
Die Zwergfledermaus, die hier in großer Zahl überwintert, ist typisch für den Harz und seine Umgebung. Im Gegensatz dazu bevorzugt die Mückenfledermaus, eine andere heimische Art, die großen Flussauen im Tiefland. Diese unterschiedlichen Lebensraumansprüche unterstreichen die Bedeutung vielfältiger Rückzugsorte für den Erhalt der Artenvielfalt.
Der Fall des Fritz-Heckert-Heims zeigt exemplarisch, wie ungenutzte Gebäude unerwartet zu wertvollen Biotopen werden können. Die Entscheidung über die Zukunft dieses Standortes wird weitreichende Konsequenzen für den Fledermausschutz in der Region haben und könnte als Präzedenzfall für ähnliche Fälle dienen.



