Weltspatzentag: Rettungsaktion für Münchens letzte Altstadt-Spatzen
Pünktlich zum Weltspatzentag am 20. März gibt es für die letzten Haussperlinge der Münchner Altstadt eine erfreuliche Nachricht. Am Marienhof, direkt hinter dem historischen Rathaus, wurde eine neue Hecke in vier großen Trögen errichtet, die den bedrohten Vögeln dringend benötigten Lebensraum bietet. Diese Maßnahme ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz München und dem städtischen Baureferat Gartenbau.
Vom Allerweltsvogel zum Sorgenkind
Was viele nicht wissen: Der einst allgegenwärtige Haussperling ist in Bayern längst zu einem Sorgenkind geworden. Er steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste, und besonders in der Landeshauptstadt München gehen die Bestände kontinuierlich zurück. Sylvia Weber, Gebäudebrüterexpertin des LBV München, erklärt: "Ohne Hecke kein Spatz." Seit über 20 Jahren setzt sie sich für den Schutz der Münchner Spatzen ein und betont, dass die Vögel Hecken und Sträucher als essentielle Schutz- und Rückzugsmöglichkeiten benötigen.
Die letzte Kolonie am Marienhof
Rund 20 Haussperlinge leben noch am Marienhof – nach Angaben des LBV die letzte verbliebene Population in der gesamten Münchner Altstadt. Ursprünglich fanden die Vögel Unterschlupf in einer Hecke, die jedoch im Zuge der Bauarbeiten für die Zweite S-Bahn-Stammstrecke weichen musste. 2017 wurde als Ersatz eine kleine Hecke in Betontrögen aufgestellt, die jedoch über die Jahre immer lichter wurde und schließlich entfernt werden musste.
Nun kommt der dringend benötigte Nachschub: Vier große, besonders langlebige Tröge wurden mit dicht wachsenden Gehölzen bepflanzt und bieten den Spatzen wieder Versteckmöglichkeiten und Lebensraum. Sylvia Weber freut sich: "Eine wichtige Maßnahme, um die liebenswerte kleine Population stabil zu halten." Das Baureferat Gartenbau übernimmt die Pflege und Bewässerung der neuen Anlage.
Ursachen des Rückgangs und Gegenmaßnahmen
Die Gründe für den Rückgang der Haussperlinge in München sind vielfältig:
- Verlust von Brutmöglichkeiten an modernisierten Gebäuden
- Rückgang der Insektennahrung, besonders während der Jungenaufzucht
- Fehlende Hecken und Sträucher auch in Privatgärten
Neben der neuen Hecke wurden weitere Schutzmaßnahmen umgesetzt:
- Anbringung von Nisthilfen an umliegenden Gebäuden wie dem Erzbischöflichen Ordinariat
- Kontrollierte Fütterung mit hochwertigem, spatzengerechtem Futter
- Gut sichtbare Aufkleber informieren über die Spatzenhecke und erklären, warum eine Fütterung durch Passanten nicht sinnvoll ist
Politische und bürgerschaftliche Unterstützung
Unterstützt wird das Projekt vom Kreis der LBV-Spatzenfreunde, zu dem auch die Stadträtin und Vorsitzende des Münchner Tierbeirats Ursula Harper gehört. Harper hatte die Aktion maßgeblich mit angestoßen und zeigt sich erfreut: "Dank der neuen Hecke ist wieder ein kleiner, aber wertvoller Schritt gelungen, um unseren letzten Altstadt-Spatzen nachhaltig unter die Flügel zu greifen."
Die städtischen Grünanlagen und Parks werden im Rahmen der "Biodiversitätsstrategie München" möglichst naturnah angelegt und gepflegt. Davon profitieren auch die Haussperlinge, da in solchen Flächen ein vielfältiges Angebot an Verstecken, Nahrung und Nistmaterial zur Verfügung steht. In der dicht bebauten Altstadt sind solche Lebensräume jedoch besonders rar, weshalb die Förderung bestehender Kolonien wie am Marienhof von besonderer Bedeutung ist.
Interessierte, die Spatzenschutzprojekte wie dieses unterstützen möchten, können sich unverbindlich unter info@lbv-muenchen.de informieren. Die Rettung der letzten Altstadt-Spatzen zeigt, wie gezielte Maßnahmen und Kooperationen zwischen Naturschutzverbänden und städtischen Behörden bedrohten Arten helfen können.



