Prignitzer Bürgerinitiativen protestieren gegen Windkraftplan - Landrat bleibt stumm
Am Donnerstagnachmittag versammelten sich rund 50 Unterstützer verschiedener Prignitzer Bürgerinitiativen vor der Kreisverwaltung in Perleberg. Mit selbstgebastelten Plakaten und Bannern demonstrierten sie gegen den Entwurf zur Windenergienutzung der Regionalen Planungsgemeinschaft Prignitz-Oberhavel. Die Demonstranten fordern, dass dieser Plan nicht in Kraft tritt, da er ihrer Ansicht nach ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Windkraftnutzung in der Region zeichnet.
Falsches Bild durch unvollständige Darstellung
Besonders verärgert sind die Protestierenden darüber, dass im aktuellen Entwurf ganze 46 Prozent der bereits bestehenden Windkraftanlagen in der Prignitz nicht berücksichtigt werden. „Dies erzeugt ein falsches Bild und lässt es so aussehen, als gäbe es nicht schon viele Windkraftanlagen in unserer Region“, kritisierten die Demonstranten. Sie befürchten, dass diese unvollständige Darstellung zu zusätzlichen Genehmigungen für neue Windräder führen könnte.
Feurige Reden und konkrete Forderungen
Anne Petrick, Ansprechpartnerin der Bürgerinitiative „Windkraft mit Ab- und Verstand“ Rosenhagen-Burghagen-Düpow, hielt eine leidenschaftliche Rede vor der Kreisverwaltung. „Wir möchten Herrn Müller, als Vorstandsmitglied und als Vertreter unserer Region, dazu auffordern, dass er sich dafür einsetzt, dass nicht noch mehr Windkraftanlagen in die Prignitz kommen“, forderte sie deutlich. Steffen Heiduk ergänzte später: „Auch die Perleberger sollte das interessieren, denn es ist ein teures Unterfangen, mehr Windräder zu bauen, als man Strom abtransportieren kann.“
Landrat bleibt auf Distanz
Trotz der deutlichen Protestaktion blieb Prignitzer Landrat Christian Müller den Demonstranten fern. „Was wir hoffen, ist, dass sich das Verhalten des Landrates ändert und dass er endlich anfängt, sich für seine Bürger in der Region einzusetzen“, erklärte Fariba Nilchian von der Interessengemeinschaft Hohe Heide enttäuscht. Auch während des Donnerstagsprotests kam es zu keinem direkten Austausch – der Landrat war nicht im Verwaltungsgebäude anwesend.
Statement über Pressestelle
Christian Müller äußerte sich lediglich über die Pressestelle des Landkreises zu den Protesten. In einer schriftlichen Mitteilung betonte er: „Unsere Bürgerinnen und Bürger haben das Recht, ihre Anliegen deutlich zu machen. Konstruktive Beteiligung, Austausch und Diskussionen sind für demokratische Entscheidungsprozesse unabdingbar.“ Der Landrat verwies darauf, dass es in der Region bisher noch nie einen wirksamen Regionalplan zur Steuerung des Windenergieausbaus gegeben habe.
Regionalplan als Steuerungsinstrument
Laut Müller rücke mit dem derzeit in Aufstellung befindlichen Regionalplan Wind eine verbindliche Steuerung so nah wie nie zuvor. Ziel sei es, den Neubau künftig konsequent auf ausgewiesene Vorranggebiete zu konzentrieren und so weiteren ‚Wildwuchs‘ ab 2028 zu verhindern. Der Landrat sieht in dem Plan somit ein Instrument zur geordneten Entwicklung, während die Bürgerinitiativen darin eine Gefahr für die Landschaft und unnötige zusätzliche Belastung erkennen.
Weitere Proteste geplant
Die Bürgerinitiativen lassen sich von der ausbleibenden direkten Reaktion des Landrates nicht entmutigen. In den kommenden Wochen sind bereits weitere Protestaktionen in Neuruppin und Oranienburg geplant. Dort wollen die Aktivisten bei den anderen beteiligten Landräten, Ralf Reinhardt (Ostprignitz-Ruppin) und Alexander Tönnies (Oberhavel), Gehör für ihre Anliegen finden. Die Bewegung zeigt sich entschlossen, ihren Widerstand gegen den aktuellen Windkraftplan fortzusetzen und weiterhin öffentlichen Druck aufzubauen.



