Quietschbäuche in akuter Gefahr: Zwei einzigartige Fischarten kurz vor dem Aussterben
Quietschbäuche: Zwei Fischarten kurz vor Aussterben

Quietschbäuche in akuter Gefahr: Zwei einzigartige Fischarten kurz vor dem Aussterben

In Seen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern droht zwei einzigartigen Süßwasserfischarten das vollständige Aussterben. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat die Stechlin-Maräne und die Luzin-Maräne in ihrer aktuellen Roten Liste deutlich höher eingestuft. Beide Arten gelten nun als akut bedroht und stehen kurz vor dem Verschwinden.

Einzigartige Bewohner deutscher Seen

Die Stechlin-Maräne (Coregonus fontanae) lebt ausschließlich im Großen Stechlinsee in Brandenburg. Ihre Verwandte, die Luzin-Maräne (Coregonus lucinensis), kommt nur im Breiten Luzin in Mecklenburg-Vorpommern vor. Beide Fischarten existieren nirgendwo sonst auf der Welt und sind damit endemische Arten von besonderer Bedeutung für die europäische Biodiversität.

Die dramatische Verschlechterung des Status

Beide Arten rutschten auf der IUCN-Skala dramatisch ab: Die Stechlin-Maräne fiel von Stufe 1 („nicht gefährdet“) direkt auf Stufe 5, während die Luzin-Maräne von Stufe 3 („gefährdet“) ebenfalls auf die höchste Gefährdungsstufe 5 abstürzte – was „vom Aussterben bedroht“ bedeutet. Diese Entwicklung zeigt die alarmierende Geschwindigkeit, mit der sich der Zustand dieser Arten verschlechtert hat.

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Die besonderen „Quietschbäuche“

Lokal kennt man die Luzin-Maränen auch als „Quitschbükers“ oder „Quietschbäuche“. Dieser ungewöhnliche Name hat einen einfachen Grund: Wenn die Fische aus großer Tiefe an Land gezogen werden, entweicht Luft aus ihrer Schwimmblase – was ein charakteristisches Quietschgeräusch erzeugt. Diese Besonderheit macht die Arten nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch kulturell bedeutsam für die Regionen.

Warnung der Weltnaturschutzunion

Die IUCN warnt eindringlich: „Ohne dringende, koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung von Lebensraumverlust, Umweltverschmutzung, invasiven Arten und Klimawandel droht Europa, innerhalb einer Generation einen erheblichen Teil seiner aquatischen Artenvielfalt zu verlieren.“ Diese Warnung unterstreicht die Dringlichkeit des Handelns zum Schutz dieser und anderer bedrohter Arten.

Besorgniserregende Entwicklung bei europäischen Arten

Seit 2011 hatte die IUCN die knapp 560 europäischen Arten nicht mehr überprüft. Das jetzt veröffentlichte Ergebnis ist erschreckend: 42 Prozent aller untersuchten Arten gelten als bedroht – im Jahr 2011 waren es noch 37 Prozent. Neun Arten haben sich in ihrem Status verschlechtert, während sich nur drei Arten erholen konnten. Diese Zahlen verdeutlichen den anhaltenden Verlust der biologischen Vielfalt in europäischen Gewässern.

Die Situation der Stechlin-Maräne und Luzin-Maräne steht exemplarisch für die Herausforderungen des Artenschutzes in Deutschland. Beide Arten sind nicht nur wissenschaftlich wertvoll, sondern auch Teil des natürlichen Erbes ihrer jeweiligen Regionen. Ihr mögliches Verschwinden würde nicht nur einen Verlust für die Biodiversität bedeuten, sondern auch für das kulturelle Gedächtnis der betroffenen Gebiete.

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