Ausgestorbene Schnecken-Art überlebt hinter Eisdiele und wird erfolgreich gerettet
Schnecken-Art überlebt hinter Eisdiele und wird gerettet

Traum jedes Naturschützers: Ausgestorbene Schnecken-Art überlebt hinter Eisdiele

Die Bermuda-Schnecke, wissenschaftlich als Poecilozonites bermudensis bekannt, galt bereits als ausgestorben. Doch in einer überraschenden Wendung entdeckte ein Schnecken-Experte im Jahr 2014 eine kleine Population dieser Art hinter einer Eisdiele auf Bermuda. Diese Entdeckung markierte den Beginn einer bemerkenswerten Rettungsaktion, die nun zu einem entscheidenden Durchbruch im Artenschutz geführt hat.

Zufallsfund in einer überwucherten Gasse

Die Eisdiele befand sich in einer verwilderten Gasse auf dem Archipel Bermuda, wie der Chester Zoo in einer Mitteilung berichtete. Die Schnecken überlebten dort offenbar durch das Tropfwasser des Geschäfts, während die umliegende Betonlandschaft potenzielle Fressfeinde fernhielt. Dieser ungewöhnliche Lebensraum bot den Tieren eine letzte Zuflucht, nachdem ihr Bestand in den frühen 1990er-Jahren drastisch eingebrochen war.

Ursachen für den Rückgang der Population

Der Schneckenbestand auf Bermuda erlitt einen schweren Einbruch aufgrund veränderter Lebensräume und eingeschleppter Fressfeinde. Zu den Hauptbedrohungen zählten:

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  • Die Einführung räuberischer Wolfsschnecken
  • Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft
  • Fleischfressende Plattwürmer, die die deutlich kleineren einheimischen Arten fraßen
  • Lebensraumverlust durch Urbanisierung und Klimawandel

Diese Faktoren beschleunigten den Rückgang der endemischen Schneckenarten und hatten weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem Bermudas.

Rettungsaktion mit über 100.000 gezüchteten Tieren

Nach der Wiederentdeckung im Jahr 2014 starteten Naturschützer eine ambitionierte Rettungsaktion. Einige der gefundenen Schnecken wurden in den Chester Zoo gebracht, wo Experten bestehende Methoden der Schneckenhaltung anpassten, um optimale Bedingungen für die Vermehrung zu schaffen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren züchteten sie mehr als 100.000 Tiere und entließen diese schrittweise wieder in die Wildnis.

Tamas Papp, stellvertretender Teamleiter für Wirbellose im Chester Zoo, betonte in einer Mitteilung: „Es ist der Traum jedes Naturschützers, eine ganze Art zu retten – und genau das haben wir getan. Die Bermuda-Schnecke ist winzig, aber dies ist eine der größten Erfolgsgeschichten im Naturschutz.“

Erfolgreiche Etablierung in sechs Kolonien

Die Bemühungen haben sich gelohnt: Sechs Kolonien der freigelassenen Schnecken haben sich inzwischen erfolgreich auf Bermuda etabliert. Dies wurde durch eine Untersuchung zum Zustand der Populationen bestätigt, die demnächst in der Fachzeitschrift „Oryx – The International Journal of Conservation“ veröffentlicht wird.

Mark Outerbridge, Wildtierökologe im Umwelt- und Ressourcenschutzministerium von Bermuda, hob hervor: „Es ist bemerkenswert, dass wir mit weniger als 200 Schnecken begonnen haben und inzwischen über 100.000 freigelassen wurden.“

Bedeutung für den globalen Artenschutz

Schnecken gehören zu den am wenigsten erforschten Tieren der Welt und sind gleichzeitig stark vom Aussterben bedroht. Die Rettung der Bermuda-Schnecke zeigt, wie gezielte Schutzmaßnahmen und internationale Zusammenarbeit selbst bei scheinbar verlorenen Arten Erfolge erzielen können. Dieser Fall unterstreicht die Wichtigkeit von:

  1. Frühzeitiger Erkennung von Bedrohungen für endemische Arten
  2. Angepassten Zuchtprogrammen in Zoos und Schutzgebieten
  3. Langfristigen Monitoring- und Auswilderungsstrategien

Die Geschichte der Bermuda-Schnecke dient als inspirierendes Beispiel dafür, dass Artenschutz auch in schwierigen Fällen möglich ist und einen positiven Einfluss auf ganze Ökosysteme haben kann.

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