Einzigartiges Winterquartier im Harz: Sieben Fledermausarten überwintern im Mausoleum Selketal
Sieben Fledermausarten überwintern im Harzer Mausoleum

Vom Geheimtipp zum bedeutenden Forschungsort: Einzigartiges Winterquartier im Harz

Im historischen Mausoleum im Selketal bei Meisdorf im Harz hat sich ein außergewöhnliches Naturphänomen etabliert. Derzeit überwintern dort mehr als 300 Fledermäuse aus sieben verschiedenen Arten – darunter besonders seltene Vertreter wie die Mopsfledermaus und die Zweifarbfledermaus. Was einst als Geheimtipp unter Naturschützern galt, hat sich mittlerweile zu einem wertvollen Forschungsort entwickelt, der wichtige Erkenntnisse über das Verhalten und die Bestandsentwicklung dieser geschützten Tiere liefert.

Warum das historische Bauwerk so wertvoll ist

Das Mausoleum im Selketal bietet mit seinen speziellen klimatischen Bedingungen und der geschützten Architektur ideale Überwinterungsbedingungen für Fledermäuse. Die alten Ziegelwände speichern Wärme, während die konstant kühlen Temperaturen im Inneren den Tieren den notwendigen Winterschlaf ermöglichen. Besonders bemerkenswert ist die regelmäßige Anordnung flacher Kästen an den Wänden, in denen die Fledermäuse dicht aneinandergekuschelt ihren Winterschlaf halten.

Experten wie Bernd Ohlendorf, der regelmäßig das Quartier kontrolliert, betonen die Einzigartigkeit dieses Standorts. „Das Mausoleum vereint mehrere Faktoren, die es für Fledermäuse so attraktiv machen“, erklärt Ohlendorf. „Die historische Bausubstanz, die abgeschiedene Lage und das spezielle Mikroklima schaffen hier Bedingungen, die man anderswo im Harz kaum findet.“

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Überraschende Funde und positive Entwicklungen

Die aktuellen Zählungen im Mausoleum Meisdorf haben einige überraschende Erkenntnisse gebracht. So wurden vor Kurzem 15 Mopsfledermäuse gezählt – ein bemerkenswerter Fund, da diese Art besonders selten und streng geschützt ist. Noch erfreulicher ist die Tatsache, dass die Population der Mopsfledermaus wieder zunimmt, was auf erfolgreiche Schutzmaßnahmen und verbesserte Lebensbedingungen hindeutet.

Die regelmäßigen Kontrollen, bei denen auch mit Ringen markierte Tiere identifiziert werden, liefern wertvolle Daten über:

  • Die Wanderungsbewegungen der verschiedenen Fledermausarten
  • Die Entwicklung der Populationen über mehrere Jahre
  • Die Anpassungsfähigkeit der Tiere an veränderte Umweltbedingungen
  • Die Bedeutung historischer Bauwerke als Rückzugsorte

Vom lokalen Phänomen zur wissenschaftlichen Bedeutung

Was als lokale Besonderheit begann, hat mittlerweile überregionale Bedeutung erlangt. Das Mausoleum im Selketal dient nicht nur als Winterquartier, sondern auch als lebendiges Forschungslabor. Die Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, fließen in überregionale Schutzprogramme ein und helfen, die Lebensbedingungen für Fledermäuse in ganz Deutschland zu verbessern.

„Jedes einzelne Tier, das wir hier beobachten können, liefert uns wichtige Informationen“, so Ohlendorf. „Besonders die seltenen Arten wie die Mopsfledermaus zeigen uns, dass Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.“

Die regelmäßigen Besuche der Experten erfolgen mit größter Vorsicht, um die schlafenden Tiere nicht zu stören. Mit speziellen Stirnlampen werden die Kästen an den Wänden abgeleuchtet, ohne dass die Fledermäuse aus ihrem Winterschlaf gerissen werden. Diese behutsame Vorgehensweise hat dazu beigetragen, dass das Mausoleum zu einem dauerhaften und verlässlichen Winterquartier geworden ist.

Die Entwicklung im Harzer Mausoleum zeigt eindrucksvoll, wie historische Bauwerke nicht nur kulturellen, sondern auch ökologischen Wert besitzen können. Als geschützter Rückzugsort für bedrohte Tierarten leistet das Gebäude einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz – und das direkt vor unserer Haustür.

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