Der große weiße Vogel wird oft verwechselt – Experten klären auf
Majestätisch gleitet er durch die Lüfte – aus der Ferne wirkt er wie ein Storch, doch bei näherem Hinsehen entpuppt er sich als stolzer Silberreiher. „Einige Menschen verwechseln ihn mit einem weißen Graureiher“, erklärt Bodo Giering, der Leiter der Fachgruppe Ornithologie und Artenschutz beim NABU-Verband Templin. Vor einigen Jahren habe man den Silberreiher mit seinem markanten gelben Schnabel in Deutschland nur selten gesehen. „Inzwischen trifft man ihn häufiger an. Wir haben sogar bereits größere Ansammlungen mit bis zu 110 Exemplaren beobachtet“, berichtet der Experte mit Begeisterung.
Vom Einzelgänger bis zur beeindruckenden Kolonie
Ein auswärtiger Ornithologe entdeckte bereits 1996 den ersten Silberreiher im Naturschutzgebiet Schorfheide. 2002 beobachtete ein Mitglied der Templiner Fachgruppe Ornithologie ein Exemplar in Karlshof. Bodo Giering erfuhr aus dem „Heimatkalender“, dass die ersten Silberreiher im Land Brandenburg Anfang der 1990er-Jahre gesichtet wurden. Arno Hinz, der Stellvertreter von Giering, berichtet von seiner jüngsten Beobachtung am Petznicksee, wo er 36 Silberreiher zählte.
„Anscheinend finden sie dort ideale Bedingungen für die Nahrungssuche“, erklärt Hinz detailliert. „Der Silberreiher liebt Fisch und durchforstet flache Gewässer nach Weißfisch. Neben Fischen jagt er auch Amphibien und Wasserinsekten, gelegentlich sogar kleine Landtiere wie Wühlmäuse“. Auch im Marienfließ, einem kleinen Fließgewässer an der Schlossinsel in Boitzenburg, entdeckt der Silberreiher ähnliche günstige Voraussetzungen. „Ich habe ihn dort schon mehrfach gesehen – genauso wie am Mühlenteich, an der Krebsbrücke und in der Forellenanlage“, ergänzt Bodo Giering nachdrücklich.
Akribische Beobachtungen und seltene Brutmeldungen
Giering beobachtet die Tiere akribisch und hält seine Erkenntnisse sorgfältig für die Statistik fest. „Unser Silberreiher scheint jedoch ein Einzelgänger zu sein“, resümiert er. Dass er sich auch direkt neben dem Ziegengehege auf der Schlossinsel niederlässt, verwundert ihn, denn eigentlich sind Silberreiher eher scheue Tiere. Für Ornithologen, die auf Silberreiher-Nachwuchs hoffen, zeigt sich die aktuelle Situation alles andere als ideal.
„Bislang konnten wir in unserer Region kein Balzverhalten beobachten“, bedauert Arno Hinz, der regelmäßig einige Exemplare in Graureiherkolonien entdeckt. „2012 beobachteten unsere Kollegen erstmals eine Brut bei Greifswald. Mittlerweile ziehen dort 12 bis 15 Paare ihre Jungen groß“, berichtet Bodo Giering mit einem Hauch von Optimismus. Silberreiher mit über 100 Exemplaren sind im Naturpark Flusslandschaft Peenetal inzwischen keine Seltenheit mehr.
Historische Verfolgung und häufige Verwechslungen
Die steigende Präsenz des Silberreihers in Deutschland liegt an den wachsenden Populationen in Osteuropa und Südosteuropa. Von dort zieht der Silberreiher durch Deutschland und verbringt hier den Winter. „Früher verfolgten Jäger ihn, weil sie seine Federn als begehrten Hutschmuck nutzten“, erklärt der Boitzenburger Experte. Häufig verwechseln Menschen den Silberreiher auch mit dem Seidenreiher, der jedoch deutlich kleiner ist, gelbe Füße hat und durch seine langen Schmuckfedern im Nacken während der Brutzeit auffällt.
Faszinierende Fakten zum majestätischen Vogel
- Das Gefieder des Silberreihers leuchtet in reinem Weiß und strahlt Majestät aus
- Mit seiner stattlichen Größe, den langen Beinen und der eleganten Gestalt zieht er alle Blicke auf sich
- Im Prachtkleid trägt er lange, strahlende Schulterfedern, die ihn besonders beeindruckend wirken lassen
- Während der Paarungszeit färbt sich sein gelber Schnabel fast vollständig schwarz
- Silberreiher bauen ihre Brutkolonien in ausgedehnten Schilfflächen auf
- Obwohl sie nicht als besonders ruffreudig gelten, geben sie in der Kolonie krächzende Laute wie „krha“ oder „krroo“ von sich
Die Experten betonen, dass Seidenreiher gelbe Füße haben, während Silberreiher schwarze Füße besitzen – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für Vogelbeobachter und Naturliebhaber.



