Wandernde Süßwasserfische: Bestände seit 1970 um 81 Prozent eingebrochen
Wanderfische: Bestände seit 1970 um 81 Prozent eingebrochen

Dramatischer Rückgang wandernder Süßwasserfische

Die Bestände wandernder Süßwasserfische sind weltweit in ernster Gefahr. Laut einem aktuellen Bericht der Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS), einem Uno-Umweltabkommen, sind die Populationen seit dem Jahr 1970 um alarmierende 81 Prozent eingebrochen. Der Bericht wurde auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz im brasilianischen Campo Grande vorgestellt und listet fast 15.000 wandernde Süßwasserfischarten auf, von denen viele akut vom Aussterben bedroht sind.

Menschliche Aktivitäten als Hauptbedrohung

Die Gründe für diesen dramatischen Rückgang sind vielfältig und menschengemacht. Staudämme, Kanäle und Brücken unterbrechen die lebenswichtigen Wanderrouten der Fische. Hinzu kommen Wasserverschmutzung, Überfischung und die Auswirkungen des Klimawandels. Viele dieser Arten sind auf lange, ununterbrochene Flusskorridore angewiesen, die sich über mehrere Länder erstrecken. Werden diese Wege blockiert oder Flüsse in ihrem natürlichen Lauf verändert, trockengelegt oder verbaut, brechen die Populationen rapide ein.

Besonders gefährdete Regionen und Arten

Der Bericht identifiziert 325 weitere Arten als Kandidaten für koordinierten internationalen Schutz. Besonders betroffen ist Asien, wo allein 205 dieser Kandidaten vorkommen. Zu den am stärksten bedrohten Flussgebieten gehören:

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  • Der Mekong in Asien
  • Das Amazonas-Delta und das La-Plata-Paraná-System in Südamerika
  • Die Donau in Europa
  • Der Nil in Afrika
  • Ganges und Brahmaputra auf dem indischen Subkontinent

Für das Amazonasbecken wurden 20 Wanderfischarten als Kandidaten für einen besonderen Schutzstatus vorgeschlagen. Diese Arten machen etwa 93 Prozent der Fischereierträge des Amazonas aus, die auf jährlich rund 436 Millionen US-Dollar geschätzt werden.

Der Rekordhalter: Ein 11.000 Kilometer langer Weg

In Südamerika lebt der Rekordhalter unter den wandernden Süßwasserfischen: Brachyplatystoma rousseauxii aus der Familie der Antennenwelse. Dieser Fisch legt auf seiner Wanderung von den Anden bis zur Küste ganze 11.000 Kilometer zurück – die längste bekannte Süßwassermigration der Welt. Sein Lebensraum ist jedoch durch Staudämme und Überfischung massiv bedroht, und die Bestände im gesamten Amazonasbecken sinken kontinuierlich.

Internationale Schutzmaßnahmen erforderlich

Die Länder, durch die dieser Wels schwimmt, planen laut dem Uno-Bericht einen grenzüberschreitenden Artenschutzplan. Dieser soll dem Fisch bestimmte „Wanderkorridore“ gewähren und gemeinsame Fangquoten etablieren. Von den 58 bereits unter dem CMS-Abkommen gelisteten Wanderfischarten sind erschreckende 97 Prozent vom Aussterben bedroht. Die Autoren des Berichts betonen die Dringlichkeit koordinierter internationaler Schutzmaßnahmen, um diese einzigartigen Tierwanderungen zu erhalten.

„Viele der großen Tierwanderungen der Welt finden unter Wasser statt. Dieser Bericht zeigt, dass wandernde Süßwasserfische in ernsthafter Gefahr sind“, sagt Leitautor Zeb Hogan. Die Daten machen deutlich, dass ohne entschlossenes Handeln viele dieser faszinierenden Arten in naher Zukunft verschwinden könnten.

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