40 Zentimeter weniger: Buckelwal Timmy droht in Wismarer Bucht auszutrocknen
Die Situation für den gestrandeten Buckelwal Timmy in der Wismarer Bucht spitzt sich dramatisch zu. Nicht nur, dass der 15-Meter-Wal bereits stark geschwächt ist und Möwen sich an seiner Haut zu schaffen machen – nun kommt eine weitere bedrohliche Entwicklung hinzu: Der Wasserpegel in der Bucht wird in der Nacht zu Montag voraussichtlich um bis zu 40 Zentimeter sinken.
Kritischer Zustand des Wals verschlechtert sich weiter
Prof. Dr. Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, schätzt die Lage als äußerst ernst ein. „Der Fitnesszustand des Wals hat sich seit Samstag deutlich verschlechtert“, erklärt der Meeresforscher. „Das Tier ist mit Sicherheit geschwächt und unternimmt keinen eigenen Versuch, sich freizuschwimmen.“ Der Wal liegt weiterhin in Sicht- und Hörweite der Seebrücke Bad Wendorf bei Wismar.
Baschek spricht derzeit noch nicht von einer vollständigen Strandung, sondern von einem Aufsetzen auf einer Sandbank. Doch diese Einschätzung könnte sich bald ändern: „Bis Montagnacht ist mit einem Absinken des Wasserstands zu rechnen“, warnt der Experte. Laut Prognosen erreicht das Ostseewasser in der Wismarer Bucht am Sonntagabend gegen 22 Uhr seinen Tiefststand, bevor es bis etwa 4 Uhr morgens langsam wieder ansteigt.
Rettungsaktionen werden vorbereitet
Die verschlechterte Prognose für Timmy hat die Einsatzkräfte alarmiert. Sowohl Greenpeace als auch Sea Shepherd sind vor Ort und beobachten die Situation genau. Anders als bei Timmys erster Notlage am Timmendorfer Strand wollen die Umweltschützer diesmal auf schweres Gerät verzichten. „Wir wollen dem geschwächten Tier weiteren Stress ersparen“, erklärt Greenpeace-Sprecherin Daniela von Schaper (33). Dennoch betont sie: „Retten wollen wir das Tier auf jeden Fall.“
Prof. Baschek sieht selbst im besten Fall – dass Timmy sich vor dem Niedrigwasser noch aus eigener Kraft befreien kann – keine Entwarnung: „Ich befürchte, dass er kurze Zeit später wieder aufsetzen könnte.“ Dennoch bliebe dem Wal dann eine Chance. Die aktuelle Strategie lautet: Ruhe bewahren, das Tier beobachten und für eine mögliche Rettungsaktion bereitstehen. „Aber das ist nur sinnvoll, wenn das Tier kräftig genug ist“, so der Museumsdirektor.
Öffentliche Anteilnahme und Beobachtung
Von der Seebrücke in Wismar aus verfolgen zahlreiche Schaulustige das Schicksal des gestrandeten Wals. Ein BILD-Reporter vor Ort beschreibt die Geräusche des Tieres als „furchtbares Heulen“. Die Möwen, die sich auf dem Rücken des Wals niedergelassen haben und an Hautfetzen picken, verschlimmern den ohnehin kritischen Zustand des Meeressäugers zusätzlich.
Die nächsten Stunden werden entscheidend sein für das Überleben von Buckelwal Timmy. Während die Einsatzkräfte auf den richtigen Moment für eine Rettungsaktion warten, hoffen Tierschützer und Anwohner gleichermaßen, dass der Wal die kritische Niedrigwasserphase übersteht.



