Gestrandeter Buckelwal vor Wismar: Intensive Betreuung trotz kritischem Zustand
Der vor Wismar gestrandete Buckelwal hat eine weitere Nacht überlebt, doch sein Zustand bleibt kritisch. Umweltminister Till Backhaus (SPD) besuchte am Samstag das vor der Insel Poel im flachen Wasser festsitzende Tier und schilderte eine angespannte Situation.
Atmung und Verletzungen geben Anlass zur Sorge
„Er atmet, mal alle zwei Minuten, mal alle vier bis fünf Minuten“, erklärte Backhaus nach seinem Besuch. „Aber man sieht eben auch, dass seine Aktivitäten geringer werden.“ Der Minister machte zudem auf bisher unentdeckte Verletzungen aufmerksam, die wahrscheinlich von Schiffsschrauben stammen. Zudem seien Abdrücke, vermutlich von einem Netz, zu erkennen.
Ein Ministeriumssprecher hatte bereits am Morgen mitgeteilt, dass sich der Zustand des Tieres nicht verändert habe und in der Nacht keine besonderen Vorkommnisse registriert wurden.
Feuerwehr lindert Schmerzen durch regelmäßige Befeuchtung
Seit Freitag benetzen Einsatzkräfte der Feuerwehr die verletzte Haut des Wals regelmäßig mit Wasser, um die Schmerzen zu lindern. „Dort, wo er tatsächlich benetzt wird, ist die Temperatur auf der Oberfläche deutlich geringer“, so Backhaus. Wärmebildkameras zeigten Werte von sechs bis sieben Grad Celsius.
Wegen geänderter Windverhältnisse wurden die Sprinkler versetzt, um die Befeuchtung weiter zu gewährleisten. Der Nordwestwind führte zu deutlich niedrigeren Wasserständen, wodurch das etwa 1,70 Meter hohe Tier noch weiter aus dem Wasser ragt. Durch sein Eigengewicht von etwa 12 Tonnen hat es sich bereits 50 Zentimeter in den Boden eingegraben.
Minister schließt Tötung kategorisch aus
Backhaus betonte, dass eine Tötung des Wals nicht in Frage komme. „Das wird hier nicht stattfinden. Wir können ihn nicht einfach erlösen durch was auch immer“, stellte er klar. Stattdessen kündigte er an, dass nach den Ostertagen Fachleute den Gesundheitszustand des Tieres erneut begutachten sollen. „Das ist für alle weiteren Planungen wichtig.“
Der Minister wies Kritik am Umgang mit dem Wal entschieden zurück. „Wir kümmern uns – bis zur letzten Minute“, versicherte er. Eine Walwache durch Polizei und Mitarbeitende sei sichergestellt. „Die Situation ist für alle Beteiligten physisch und psychisch sehr belastend und das Engagement nicht selbstverständlich.“ Backhaus unterstrich: „Wir begleiten den Wal Tag und Nacht.“
Rettungskonzepte werden geprüft – Sirenen haben andere Ursache
Der Minister bedankte sich für alle eingereichten Konzepte zur Rettung oder Bergung des Tieres. „Alle ernstzunehmenden Konzepte werden von uns sorgfältig geprüft, und zwar aus technischer Sicht aber auch im Hinblick auf den Tierschutz“, versprach er.
Gleichzeitig wies Backhaus zur Vorbeugung von Gerüchten darauf hin, dass heulende Sirenen in Rostock nichts mit dem Wal zu tun hätten. Diese gehörten vielmehr zum kommunalen Warntag, bei dem in Rostock und Schwerin Sirenen, Warnapps und Stadtinformationstafeln getestet worden seien.
Hintergrund: Mehrfache Strandungen seit Anfang März
Seit Anfang März hatte sich der Buckelwal viermal festgesetzt. Dreimal war es ihm gelungen, wieder loszuschwimmen. Zunächst war er im Hafen von Wismar gesichtet worden, später am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und letztlich vor Wismar.
Am Mittwoch waren jegliche Rettungsversuche des am Dienstag vor Poel gestrandeten Wals eingestellt worden. Nach Angaben der Fachleute und Meeresschützer vor Ort wird das Tier wohl in der Bucht sterben. Wie lange der Wal noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen.



