Delfin Mimmo in Venedig: Ein ungewöhnlicher Gast mit Risiken
Seit dem vergangenen Sommer hat Venedig eine besondere Attraktion: Mimmo, einen Großen Tümmler, der sich in der Lagune der Stadt niedergelassen hat. Während Delfine diesen Bereich normalerweise meiden, zeigt sich Mimmo regelmäßig, sogar direkt vor dem Markusplatz. Forschende haben sein Verhalten über Monate hinweg systematisch beobachtet und ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift »Frontiers in Ethology« veröffentlicht.
Gefahren durch menschliche Aktivitäten
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Mimmo sich zwar artgerecht verhält und von Meeräschen ernährt, aber zahlreichen Gefahren ausgesetzt ist. Boote mit überhöhter Geschwindigkeit, unvorsichtige Steuerung und aufdringliche Annäherungen von Touristen stellen ein erhebliches Risiko dar. Besonders besorgniserregend ist sein häufiger Aufenthalt im stark befahrenen Becken von San Marco, wo Verletzungen durch Propeller oder Stress durch permanente Störungen drohen.
Forderungen nach strengeren Regeln
Frühere Versuche, Mimmo mit akustischen Signalen ins offene Meer zurückzutreiben, blieben erfolglos. Ein Einfangen und Umsiedeln wird von Experten als zu riskant abgelehnt. Stattdessen fordern sie Maßnahmen zur Lenkung des menschlichen Verhaltens. Geschwindigkeitsbegrenzungen für Boote, klare Abstandsregeln und die strikte Durchsetzung bestehender Verbote, wie das Füttern wildlebender Tiere, sind entscheidend, betont Giovanni Bearzi, der an der Untersuchung beteiligt war.
Historischer Kontext und aktuelle Situation
Historisch waren Große Tümmler in der gesamten Adria verbreitet, einschließlich der Lagune von Venedig. Während andere Delfinarten durch menschliche Einflüsse stark zurückgegangen sind, kommen Große Tümmler weiterhin vor, meiden aber üblicherweise Lagunenbereiche. Mimmos dauerhafte Präsenz dort ist daher außergewöhnlich und unterstreicht die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit Wildtieren in städtischen Gewässern.



