Igel-Dame Uschi mit 70 Zecken gerettet: Aufwendige Behandlung sichert Überleben
In einem kleinen Futterhaus in Zeven wurde am 25. März 2026 ein erschütternder Fund gemacht: Igel-Dame Uschi lag dort schwach und völlig übersät mit Parasiten. Als Helfer genauer hinsahen, offenbarte sich das volle Ausmaß – das Tier trug exakt 70 Zecken an seinem Körper. Die Finder handelten umgehend und brachten den Igel zur Igelpflege Rotenburg/Wümme e. V., wo sofort eine intensive Behandlung begann.
Gezielte Suche nach menschlicher Hilfe
Für die Experten vor Ort war schnell klar, dass es sich nicht um einen Zufall handelte. „Sie schlief darin und hat sich offensichtlich absichtlich finden lassen. Sowas kommt nicht selten vor“, erklärt Merwel Otto-Link, erste Vereinsvorsitzende der Igelpflege. In der Station zeigte sich dann das ganze Bild der Parasitenplage: Neben den 70 ausgewachsenen Zecken fanden sich zahlreiche Zeckennymphen und ein kleiner Abszess an der Stirn des Igels.
Die Behandlung gestaltet sich äußerst mühsam und erfordert viel Fingerspitzengefühl. „Zecken werden alle einzeln mit speziellen Pinzetten entfernt, wir gehen systematisch vor, erst die größten und dann wird abgewägt, ob der Igel erst eine Pause braucht oder man weitermachen kann“, so Otto-Link. Jeder Schritt muss sorgfältig geplant werden, um das bereits geschwächte Tier nicht zusätzlich zu belasten.
Parasiten als Warnsignal für größere Probleme
Grundsätzlich gehören Parasiten zum natürlichen Leben eines Igels dazu. „Igel leben seit Millionen von Jahren mit Ektoparasiten wie Flöhen und Zecken, und ein mäßiger Befall ist völlig normal“, erläutert die Expertin. Doch dieses natürliche Gleichgewicht gerät zunehmend ins Wanken. Ein Problem ist die veränderte Nahrungssuche: Statt Käfern fressen Igel heute häufig Regenwürmer und Nacktschnecken, die als Hauptüberträger von teils tödlichen Innenparasiten gelten.
Ein Befall mit 70 Zecken stellt jedoch keinen Normalfall dar, sondern dient als deutliches Warnzeichen. Oft steckt hinter einer solchen Parasitenlast ein weiteres gesundheitliches Problem, betonen die Fachleute. Auch bei Uschi bestätigte sich dieser Verdacht: Eine Untersuchung wies zusätzliche Parasiten im Körperinneren nach, die nun gezielt behandelt werden müssen.
„Hier ist Igelkunde gefragt, denn ein Igel darf niemals pauschal entwurmt werden, er muss ganz gezielt und ganz speziell behandelt werden“, unterstreicht Otto-Link die Bedeutung fachgerechter Versorgung.
Engagement der Igelpflege und Tipps für den Garten
Rund 35 Ehrenamtliche der Igelpflege Rotenburg/Wümme e. V. kümmern sich jährlich um mehr als 1000 Igel – komplett spendenfinanziert. Sie versorgen Tiere wie Uschi täglich und sichern damit ihr Überleben. Doch entscheidend ist nicht nur die Hilfe in der Station. Auch private Gärten spielen eine große Rolle für den Igelschutz.
- Verstecke wie Laubhaufen bieten Schutz
- Kleine Durchgänge im Zaun ermöglichen freie Bewegung
- Naturnahe Gartengestaltung fördert die Nahrungssuche
Der Fall von Igel-Dame Uschi zeigt eindrücklich, wie schnell ein kleines Tier in große Not geraten kann – und dass manchmal ein einziger aufmerksamer Moment über Leben und Tod entscheidet. Die aufwendige Behandlung läuft weiter, während die Experten hoffen, dass Uschi sich vollständig erholen wird.



