Denkmal für Minenheld Magawa: Rattenstatue in Kambodscha als Weltpremiere enthüllt
Minenheld Magawa: Rattenstatue in Kambodscha enthüllt

Denkmal für Minenheld Magawa: Rattenstatue in Kambodscha als Weltpremiere enthüllt

Mit erhobener Spürnase, langen Schnurrhaaren und wachen Knopfaugen blickt Magawa nun für die Ewigkeit über die kambodschanische Kleinstadt Siem Reap. Eine 2,20 Meter hohe Statue ehrt die wohl berühmteste Minensuchratte aller Zeiten – eine weltweit einzigartige Würdigung. Die feierliche Enthüllung fand passend zum Internationalen Tag der Minenaufklärung statt, begleitet von der Nationalhymne und dem Segen buddhistischer Mönche.

Eine Ratte als lebensrettender Held

Laut der belgischen Organisation Apopo, die sogenannte HeroRATs ausbildet, handelt es sich um das erste Monument für eine lebensrettende Ratte überhaupt. „Auch die Kleinsten können eine ganz große Rolle spielen“, betonte Ly Thuch, Vizepräsident der kambodschanischen Behörde für Minenräumung und Opferhilfe. Die Behörden hoffen zudem auf touristische Anziehungskraft, denn das Denkmal wurde nur wenige Kilometer von den berühmten Tempelanlagen von Angkor errichtet.

Magawa, eine Afrikanische Riesenhamsterratte, hat in Kambodscha mehr als 100 Landminen und Blindgänger auf 141.000 Quadratmetern Land aufgespürt. Damit übertraf er zu Lebzeiten alle seine Kollegen und half Tausenden Menschen, sicher zu leben, zu arbeiten und ihre Felder zu bestellen. Zur Einweihung kamen hochrangige Politiker und ganze Schulklassen, um den heroischen Nager zu würdigen.

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Das schwere Erbe der Roten Khmer

Die Angst vor Landminen ist in Kambodscha allgegenwärtig. Während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot von 1975 bis 1979 und dem anschließenden Bürgerkrieg wurden Millionen Minen verlegt – oft ohne Karten oder Dokumentation. Wie viele Sprengkörper noch im Boden lauern, weiß niemand genau. Ganze Landstriche sind unbewohnbar, Felder können nicht bestellt werden.

Weltweit lauern Schätzungen zufolge Dutzende Millionen Landminen unter der Erde. Laut dem globalen Landmine Monitor gab es allein 2024 mehr als 6.200 Minenopfer, wovon 1.945 Menschen getötet und die anderen schwer verletzt oder amputiert wurden.

Warum Ratten ideale Minensucher sind

Afrikanische Riesenhamsterratten entpuppen sich als großartige Spürnasen, obwohl Ratten in vielen Kulturen als Schädlinge gelten. „Ratten sind leicht genug, um keine Minen auszulösen, und schnell genug, um große Flächen systematisch abzusuchen“, erklärte Tom Grundy, ein Sprecher von Apopo. Magawa wog 1,2 Kilo bei einer Körperlänge von 70 Zentimetern.

Die flinken Tiere arbeiten sich an dünnen Leinen geführt durch verminte Flächen. Sie schnüffeln, bis sie den Geruch von Sprengstoff wahrnehmen, und verharren dann oder beginnen zu scharren – ein Signal für ihre Trainer. Eine einzelne Ratte kann ein Gebiet von der Größe eines Tennisplatzes in rund 30 Minuten absuchen, während ein Mensch mit Metalldetektor bis zu vier Tage benötigt.

Die Tiere sind stark futtermotiviert und werden bei der Arbeit vor allem mit Bananen und Erdnüssen belohnt. „Die Ratten arbeiten in der Regel gern, begrüßen ihre Betreuer morgens enthusiastisch und zeigen hohe Einsatzbereitschaft“, fügte Grundy hinzu.

Auszeichnungen und ein Denkmal für die Ewigkeit

Magawa erlebte die Würdigung durch das Denkmal nicht mehr selbst – er starb Anfang 2022 friedlich im Alter von acht Jahren. Doch Auszeichnungen erhielt er schon zu Lebzeiten: 2020 bekam er als erste Ratte überhaupt die Goldmedaille der Tierschutzorganisation PDSA, die höchste internationale Ehrung für tierischen Mut. Bilder von ihm mit dem Verdienstorden um den struppigen Hals gingen um die Welt.

Das Denkmal in Siem Reap wurde aus lokalem Stein gefertigt und zeigt Magawa in typischer Pose: aufmerksam und voller Elan, als würde er gleich zur nächsten Mission aufbrechen. Besonders auffällig ist der Sockel in Form einer Landmine, in die echte Fragmente entschärfter Sprengkörper eingelassen sind – ein sichtbares Zeichen für die tägliche Gefahr.

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Geboren wurde Magawa 2014 im ostafrikanischen Tansania, wo er bei Apopo ausgebildet wurde. Die Organisation ist auch in Ländern wie Angola, Mosambik und der Ukraine aktiv. Mit dem Denkmal ist Magawas Leistung nun dauerhaft in Stein gemeißelt. Es erinnert nicht nur daran, dass Tiere unter Einsatz ihres Lebens Menschen retten, sondern auch, dass das Minenproblem weltweit noch lange nicht gelöst ist.