Newcastle-Krankheit breitet sich aus: Veterinärmediziner in Vorpommern mahnen zur Impfpflicht
Die hochansteckende Newcastle-Krankheit, auch als A-typische Geflügelpest bekannt, hat erneut Hühner in Brandenburg befallen. Nach einem ersten Ausbruch in Bestensee im Landkreis Dahme-Spreewald Anfang Februar sind nach Angaben der dortigen Kreisverwaltung mittlerweile weitere Ställe eines Großbetriebes infiziert. Dieses Seuchengeschehen im benachbarten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern lässt nun auch hierzulande Tierärzte und Behörden alarmiert aufhorchen.
Veterinärmedizinerinnen ergreifen aktive Maßnahmen
Dr. Catherine Neumann aus Wollin bei Penkun, etwa 170 Kilometer von Bestensee entfernt, hat bereits Hinweiszettel in ihrer Kleintierpraxis ausgelegt und erinnert sogar in ihrem WhatsApp-Status an die gesetzliche Impfpflicht. „Wer Hühner hält, muss sie unbedingt gegen die Newcastle-Krankheit impfen lassen“, betont die Veterinärmedizinerin nachdrücklich. Sie äußert Zweifel, ob diese Verpflichtung allen privaten Geflügelhaltern tatsächlich bewusst ist.
Nachdem Dr. Neumann zum Wochenende erfahren hatte, dass das Virus inzwischen auch in Bayern ausgebrochen war, beobachtet sie die Entwicklung mit wachsender Besorgnis. Freizeit-Hühnerhalter, die ihre Tiere häufig an den über Land fahrenden Hühnermobilen erwerben, erhalten in der Regel bereits geimpfte Tiere. „Die Eintagsküken werden schon bei der Aufzucht geimpft“, erklärt sie. Allen anderen Haltern empfiehlt sie dringend, die gesetzliche Impfpflicht ernst zu nehmen, ihre Vögel impfen zu lassen und die Immunisierung regelmäßig aufzufrischen.
Impfquote und gesetzliche Vorgaben
Ihre Amtskollegin Dr. Irma Herntrich aus Ramin, die auf Großvieh und gewerbliche Tierhaltung spezialisiert ist, teilt diese Einschätzung. Sie schätzt, dass etwa 80 Prozent ihrer Kunden ihre Hühner impfen lassen. „Wer mit seinen Tieren an Ausstellungen teilnehmen möchte, hat ohnehin keine Wahl, da ungeimpfte Tiere dort nicht zugelassen werden“, so Dr. Herntrich. Allen Haltern, die die Immunisierung ihrer Tiere bisher vernachlässigt haben, rät sie, dies umgehend nachzuholen.
Florian Stahlkopf, Sprecher des Landkreises Vorpommern-Greifswald, weist darauf hin, dass die Newcastle-Krankheit gemäß europäischem Tiergesundheitsrecht als Seuche der Kategorie A eingestuft ist. Wer erkrankte Hühner feststellt, muss daher unverzüglich das zuständige Veterinäramt informieren.
Symptome und Übertragungswege der Newcastle-Krankheit
Bei der Newcastle-Krankheit handelt es sich um eine Viruserkrankung, die nicht nur Hühner, sondern auch Puten und andere Vögel befallen kann. Typische Krankheitsanzeichen sind:
- Durchfall
- Atemnot
- Verminderte oder verformte Eierproduktion
- Kopfschiefhaltung
- Lähmungserscheinungen
Das Virus kann auf verschiedenen Wegen übertragen werden:
- Direkt von Tier zu Tier
- Über Eier
- Indirekt über Kleidung, Schuhe, Hände, Fahrzeuge, Futter oder Mist
- Durch Transportkisten, Wildvögel, Ratten, Mäuse und Insekten
Freilandhühner sind aufgrund ihrer Haltungsbedingungen besonders gefährdet. Für Puten besteht in Deutschland ausnahmslos eine Impfpflicht.
Hygienemaßnahmen und menschliche Infektionen
Amtstierarzt Dr. Holger Vogel appelliert an alle Geflügelhalter: „Es ist entscheidend, konsequent auf Hygienemaßnahmen zu achten und wachsam gegenüber Veränderungen bei den Tieren zu sein.“ Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut können prinzipiell alle Vogelarten an Newcastle erkranken. Bei Säugetieren sind bisher keine Fälle bekannt – mit Ausnahme des Menschen. In seltenen Fällen können sich Menschen infizieren, was sich meist in einer Bindehautentzündung äußert, aber fast nie tödlich verläuft.
Erste Ausbrüche seit Jahrzehnten
Die beiden Ausbrüche in Brandenburg, zusammen mit den jüngsten Fällen in Bayern, markieren die ersten Geflügelinfektionen mit der Newcastle-Krankheit in Deutschland seit dem Jahr 1996. Weder Dr. Catherine Neumann noch Dr. Irma Herntrich haben jemals ein an dieser Seuche erkranktes Huhn in ihrer Praxis behandelt. Beide hoffen inständig, dass dies auch in Zukunft so bleibt, und unterstreichen damit die Bedeutung vorbeugender Impfmaßnahmen.



